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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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In dieser Abteilung finden sich auch drei taubstumme, blöde Knaben eines Elternpaares, das ganz dem Branntweingenuß ergeben ist. Warum halten fich, auf einem Tische sitzend, zwei Männer in inniger Umarmung umschlungen und grinsen einander fröhlich an? Der 40-jährige ist abgerichtet, den Jüngeren am Entweichen zu verhindern und erfüllt nun diese Pflicht Tag um Tag, Jahr um Jahr.
In der Abteilung für ältere Mädchen treffen wir auffallend viele, die mit Krämpfen und epileptischen Anfällen behaftet sind. Sie werden von Monat zu Monat blöder und hinfälliger. Bezweifeln wir bei einzelnen Individuen mit ganz normaler Schädelbildung und leidlichem Aussehen die Blödsinnigkeit, so wird als Ursache Fall oder Schreck bezeichnet. Fall aus der Wiege, aus einem obern Stockwerk, Furcht vor einem Tier, Schreck von einem unvermutet ertönten Schuß erzeugt und endlich innere Verletzungen des Gehirns stehen in den Annalen der Geschichte dieser Blöden. In einem Einzelzimmer liegt ein 10jähriger Knabe, zum Skelett abgemagert. Er kann keinen Laut von sich geben, das Essen nimmt er nicht selbst, ja nicht einmal die Exkremente gehen ohne Hilfe fort. Die bejammernswürdige Kreatur muß immer auf dem Rücken liegen. Jede Berührung einer fremden Hand löst einen epileptischen Anfall aus.. Unwillkürlich drängt sich uns an diesem Krankenbett der Gedanke an die Gesetzgebung Sparta's auf. Eine mildere Form derselben müßte hier als lichter Engel erscheinen. Die Blöden unter 16 Jahren, die Geschlechter vereinigt, finden wir zu 50 in einem Wohnsaal. Unwillkürlich fällt unser Blick auf zwei Kinderstubenwagen, etwas größer als die unsrigen. Darin liegen Windeltinder, die nicht sitzen, ja nicht einmal den Kopf tragen können. Ihr Befinden scheint gut zu sein; aber die Händchen sind mager und schlaff, die Augen glanzlos und müde  und das Alter der Kindlein  9 und 10 Jahre. Auf einem Nachtstuhl sitzt mit verzerrten Zügen ein mittelgroßer Junge mit sehr großem Wasserkopf. Er kann sich nicht bewegen, vor kurzem erlitt er eine Lähmung.  Doch fort aus diesem Höllenlärm, aus dieser trostlosen Einsamkeit mitten im Getümmel! Wir gehen heim, wo bei unserem Anblick Kinderaugen glänzen wie die Sterne am Himmel, Kinderärmchen uns in stürmischer Liebe umfangen und ein lieber Mund uns Vater und Mutter nennen kann. Der Gesamteindruck aber bleibt, um mit "Demoor" zu sprechen, unauslöschlich: "Der gänzlich Blödsinnige, der gar keine Aufmerksamkeit und keinen Willen hat, ist ein abstoßendes, unsauberes Geschöpf, dessen wackelnder Kopf fortwährend hin und her baumelt, dessen geifernder Mund häufig einen stets gleichen, unangenehmen Laut hören läßt, dessen triefende Augen glänz- und leblos sind und dessen zusammengesunkener Leib nicht selten mit den verschiedensten Lähmungen
behaftet ist. Oft verunreinigt es auch sein Lager und beschmutzt fich selbst immerfort, wodurch er äußerst ekelhaft wird."
Nebenden erwähnten anormalen, den schwach-begabten, schwachsinnigen und blödsinnigen Kindern dürfen wir auch die mit ausgefprochen physifchen Defekten behafteten nicht vergessen, die Kretinon, die epileptischen Idioten, die Taubstummen und Blinden.
Die Kretins bilden eine deutlich gezeichnete Klasse. Man findet sie in Gebirgsländern, namentlich im Grunde tiefer Talkessel; ihr Verbreitungsgebiet fällt mit dem der Kropfkranken zusammen. Kröpf und Kretinismus haben nach Demoor den gleichen Ursprung, den krankhaften Zustand der Schilddrüse; oft sollen sie sich gleichzeitig bei ein und demselben Individuum zeigen. Der Kretinismus tritt gewöhnlich schon in den ersten Lebensmonaten auf; mitunter ist er angeboren, zuweilen entsteht er erst nach einigen Jahren. Ein solches Kind hat einen breiten, unregelmäßig geformten Kopf, glanzlose Augen mit dicken, immer halb geschlossenen Lidern, stark in die Stirn gewachsene Haare, niedere Stirn, breite Nase mit tiefliegender Wurzel, großen Mund mit dicken, wulstigen Hängelippen und teigig anzufühlende Haut. Wirklich eine ganz unschöne Physiognomie!
Oin Kausteufelchen.
Wenn auch die braven Heinzelmännchen leider nicht mehr ihr Wesen treiben, wenn auch der Glaube an Kobolde lächelnd beiseite geschoben ist, so gibt es doch in jedem Haushalt noch gute Geister und Teufelchen, die sich bemerkbar machen, die besonders von der Hausfrau Besitz nehmen und infolgedessen das ganze Reich beherrschen.
Ich habe heute nur ein Teufelchen im Auge, im Gegensatz zu einem guten Geist.
Wundervoll ist es, wenn der Geist der Ordnung im Haufe herrscht, wenn jedes Stückchen seinen bestimmten Platz hat, wenn alles sauber ist und wenn das Tageswerk durch verständige Einteilung sich ruhig abwickelt, auch ohne Nachteil eine unerwartete Störung vertragen kann.
Es gibt aber Hausfrauen, denen solche ruhige Ordnung, eine stete, freundliche Sauberkeit nicht genügen, die in fast krankhafter Weise sich nicht genug tun können, die überall Flecken und Staub sehen  gerade so wie jetzt überall Bazillen gesehen werden  und infolgedessen Wasser und Bürste oder Besen ununterbrochen in Bewegung setzen lassen.
Daran ist der Scheuerteufel schuld, der die Hausfrau beherrscht, vor dem oft genug der Geist der Ordnung flieht, sein freundliches Gesicht verhüllend.
Wenn die Scheuerei beim Boden anfängt, bis zu den Kellerräumen abwärts schreitet, und