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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Abweichung von der Norm, die sie vertreten, gefährdet. Wenn vor Beginn der Saison aus der ganzen Welt die Inhaberinnen der großen Ateliers nach Paris kommen, um hier Modelle einzukaufen, spielen die Mannequins ihre wichtigste Rolle. Sie haben dann die neuen "Schöpfungen" vorzuführen, durch ihre eleganten Bewegungen in das beste Licht zu setzen und, beständig sich an- und auskleidend, die Kauflust der musternden Kundinnen zu wecken. Sie haben sich photographieren zu lassen  Worth hat in seinem Zause ein eigenes photographisches Atelier  damit ihr Bild, oder vielmehr das des Kleides, auf Verlangen auch nach auswärts gesandt werden kann.
Geschaffen aber werden die Wunderwerke der Schneiderkunst oben in den Ateliers. Erfunden werden sie hier nur Zum Teil. Wenn auch die Direktricen, wie Detta Iilcken in der "Frankf. Zeitung" berichtet, einen großen Anteil an den "Neuschöpfungen" haben, so wird doch vieles nach Zeichnungen angefertigt, die eigens dazu ausgebildete Künstler dem hause verkaufen. Ich meine übrigens, wie Paris auf die Künstler jeder Gattung fruchtbringend oder wenigstens anregend wirkt, so müssen auch dem schneiderlich schöpferischen Genie die guten Einfälle hier leichter kommen als anderswo, denn wohl an keinem anderen Orte steht ihm ein so vollkommenes Material, eine solche Fülle feiner Gewebe, zartester Farbenschattierungen zur Verfügung.
Durch die Traditionen einer alten, hohen Kultur ist bei den Franzosen der Geschmack mit einer Feinheit ausgebildet, daß man in Kunst und Leben schwerlich einer Sache begegnet, die gegen die Forderungen des guten Geschmacks verstößt. Unserer jüngeren Kultur fehlt diese absolute Sicherheit, die auch bei den gewagtesten Kombinationen niemals die Grazie verliert. Wir sind noch Suchende und gewiß manchmal Irrende. Aber wir haben mehr Kraft und wir haben, will mir scheinen, auch mehr Zukunft.
So oder doch ähnlich war mein Gedankengang, während ich die achtzehn Ateliers durchwanderte, in denen Worth während der Hochsaison etwa vierhundert Arbeiterinnen beschäftigt. Jedes Atelier hat seine Spezialität. In den einen werden nur Röcke, in dem andern nur Taillen oder nur Prinzeßkleider angefertigt, hier nur leichte, dort von Schneidern nur schwere Stoffe verarbeitet, und jedem Atelier steht eine Direktrice vor, deren Einkommen sich bei einzelnen bis zu 1400 Franken monatlich belaufen soll. Von der Kostbarkeit, der Stoffe, die in diesen Räumen zur Verwendung kommen, macht man sich schwerlich einen Begriff. Setzt sich doch die Kundschaft von Worth aus der höch-
sten Aristokratie der Geburt und des Geldes, aus der obersten Gesellschaft aller fünf Erdteile zusammen, und zu der reichhaltigen Auswahl an Stoffen und Geweben aller Art, die das Haus selbst in seinen Verkaufsräumen darbietet, gesellen sich nicht selten herrliche alte Spitzen und Edelsteine aus dem Familienbesitz der Klientinnen. Das alles wird unter den flinken, geschickten Händen der kleinen Midinettes, oft in der mühevollsten Arbeit, zu den überraschendsten Wirkungen, zu wahrhaft blendenden Effekten zusammengefügt. So sah ich auf einer Gliederpuppe eine Toilette aus schwarzem Samt stehen, in dessen eingestickten schwarzen Blumen diamantene Tautropfen glitzerten. Sie war für die Düse bestimmt, und sie trug sie bei ihrem Pariser Gastspiel in der "Frau des Claudius". Drei andere weiße Gewänder waren für die Düse als Kameliendame bestimmt, das erste mit einem reichen Besatz alter, gelblicher Spitzen, das zweite mit duftigen Hängeärmeln und einem dicht mit Diamanten benähten halsstück, das dritte aber, wahrhaft königlich, wies über einem seidenen Unterkleid ein loses Ueberkleid aus kostbarem Spitzenstoff, das in seinem vordersten Teile vom Halsausschnitt bis zum Fußsaume mit glitzernden Diamanten benäht war.
Was soll ich noch weiter von den Eindrücken meines Besuches erzählen? Von dem seltsamen Gegensatz zwischen den niedrigen, kahlen weißgetünchten Arbeitsstuben und den üppigen Wunderwerken, die in ihnen entstehen? Von der breiten, teppichbelegten Haupttreppe und den schmalen, winkeligen Hintertreppen des weitläufigen Hauses? Von der "Speisesaal" genannten, dürftigen Kammer, in der die Sparsamen unter den Näherinnen, die es sich nicht gestatten, im Wirtshaus zu essen, sich in der Mittagspause auf einem kleinen Gasherd das mitgebrachte Ge-müschen aufwärmen? Und von den glänzenden Equipagen, die in den Nachmittagsstunden vor der Türe des Hauses warten? Aber so ist nicht nur das Leben, so ist, vor allen Dingen, Paris. Nicht so sehr, weil hier der Kampf ums Dasein sich härter abspielt, als anderswo, als vielmehr deshalb, weil vielleicht an keinem anderen Orte ein so unerhörter, blendender Luxus entfaltet wird wie in der Stadt an der Seine. (Aus B. P. T.)
Megetarische Menüs.
Zu welcher Vielseitigkeit die Vegetarier es gebracht haben, beweist uns die reichhaltige Zusammenstellung vegetarischer Menüs, die uns Herr Amrhein aus Newyork übermittelt, die aber offenbar deutschen Ursprungs sind.