Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Böswillwald; Böttcher; Bough; Boughton

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Böswillwald - Boughton.

Böswillwald, Emile, franz. Architekt, geb. 2. März 1815 zu Straßburg, bildete sich anfangs dort, später in München und in Paris auf der École des beaux-arts und als Schüler von Labrouste aus. 1845 wurde er Bauführer an der Notre Dame in Paris, 1847 Architekt der Kathedrale in Luçon, 1849 Diöcesanarchitekt und leitete 1852-55 verschiedene Bauten in Soissons, Luçon, Bayonne und Orléans. Dann restaurierte er mehrere historische Denkmäler in den Departements der Maas, der Haute-Marne und des Elsaß und leitete die Restauration der Notre Dame in Laon. Sehr gerühmt wurden seine auf die verschiedenen Ausstellungen gebrachten architektonischen Entwürfe für kirchliche und Profane Bauten. 1853 wurde er Ritter und 1865 Offizier der Ehrenlegion.

Böttcher, Christian Eduard, Maler des landschaftlichen Genres, geb. 9. Dez. 1818 zu Imgenbroich (Regierungsbezirk Aachen), bildete sich anfangs auf der Kunstschule in Stuttgart zum Lithographen aus und war als solcher dort mehrere Jahre thätig. Dann bezog er die Akademie in Düsseldorf und war 1844 bis 1849 Schüler von Th. Hildebrandt und Wilh. v. Schadow. Zunächst hielt er sich hier an das gewöhnliche Genre und brachte mehrere recht beifällig aufgenommene Bilder, darunter die Entlassung eines Gefangenen (1848), die Dorfjugend (1849), Sonntagsmorgen etc. Später malte er auch Porträte, machte sich aber erst einen bedeutenden Namen, als er zur Darstellung des rheinischen Volks- und Wirtshauslebens überging, das er mit den landschaftlichen Schönheiten der Weingegenden zu verbinden weiß und in zahlreichen Bildern von poetischer Auffassung und harmonischem Kolorit darstellt, in immer neuen Motiven und immer neuen Gruppen. Einen besonders glücklichen Humor entwickelte er in Kinderscenen. Zu den bekanntesten und bedeutendsten dieser rheinischen Bilder gehören: der Abend am Rhein (1860), die rheinische Ernte (1861), Herbstabend, der Maitag, Sommernacht am Rhein (1862, Hauptbild, im Museum zu Köln), Abend ↔ im Schwarzwald (1863, Museum in Leipzig), Sommermorgen am Rhein (1864), auf der Wanderschaft (1865), Auszug zur Weinlese (1866), Heuernte an der Lahn, Landhaus am Rhein, Marktbrunnen in einer rheinischen Stadt (1870), Heimkehr vom Feld (1873), Sonntag am Rhein (1875) u. a. Seit 1872 ist er Professor an der Akademie in Düsseldorf.

Bough (spr. bau), Samuel, engl. Landschaftsmaler, geboren in Cumberland, bildete sich als Autodidakt zum Theater- und Dekorationsmaler aus und ging erst allmählich zur Landschaft über, worin er in Edinburg eines bedeutenden Rufs genießt. Unter seinen mit breitem, keckem Pinsel gemalten Bildern sind zu nennen: der Lastwagen, St. Monans, der Tower in London, das Mühlrad, Sonnenuntergang auf See, ein windiger Tag, das Heumachen, am Avon bei Bristol, Winton Castle u. a.

Boughton (spr. bóht'n), George Henry, englisch-amerikan. Maler des landschaftlichen Genres, geb. 1834 bei Norwich, zog schon als dreijähriger Knabe mit seinen Eltern nach Albany (New York), wo er für den Kaufmannsstand bestimmt wurde, aber viel größere Lust zur Malerei zeigte, diese fast ohne Lehrer erlernte und schon 1850 ein eignes Atelier errichtete. Da sein erstes Bild, der Wandersmann (1853), Erfolg hatte, ging er zu seiner weitern Ausbildung nach England, machte dort landschaftliche Studien und stellte 1858 in New York eine Dämmerung im Winter aus, infolge deren man ihn bewog, dorthin zurückzukehren. Zwei Jahre später ging er auch nach Paris, wo sich der Genremaler Edouard Frère seiner besonders annahm. Auf der Rückreise von dort kam er 1863 abermals nach London, nahm hier seinen bleibenden Wohnsitz und stellte seitdem sowohl in London wie in der Nationalakademie zu New York eine Reihe von landschaftlichen Genrebildern aus, die zwar meistens nicht auf den ersten Blick, aber wohl bei näherer Betrachtung durch Vielseitigkeit des Gedankens, Einfachheit der Zeichnung, Tiefe der Empfindung und Anmut des Kolorits fesseln, so daß kein amerikanischer Maler in England popu-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 70.