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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Absorbieren

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Absonderung (in der Physiologie) - Absorbieren.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Absonderung'

Anmerkung: Fortsetzung von Nummer 2)

Kategorie, ohne daß eine Zerstörung von Zellen stattfindet; solche Sekrete sind wiederum wahre Ausscheidungen aus denjenigen Zellen, an deren Außenseite sie angetroffen werden. Hierher gehören die sogen. Drüsenhaare auf der Oberfläche der grünen Teile und zumal des Blütenstands bei den meisten Lippenblütlern und auch vielen andern riechenden Gewächsen: mehrzellige Haare, deren kopfförmige Endzelle auf ihrer Oberfläche ein ätherisches Öl ausschwitzt. Ferner sind hier zu nennen die Absonderungen von Zuckersäften, welche seltener an gewissen grünen Teilen, wie z. B. an den Nebenblättern mancher Wicken, in größter Verbreitung aber an verschiedenartigen Blütenorganen vorkommen, wo diese Stellen als Honigwerkzeuge (Nektarien, s. d.) bezeichnet werden. Auf gleiche Weise schwitzt aus den Epidermiszellen vieler Pflanzenteile Wachs aus, welches als dünner, reifartiger Überzug, so z. B. auf den Pflaumen und Weinbeeren, oder in dickern, körnigen Massen, wie auf den Blättern des Gold- und Silberfarns (Gymnogramme), auftritt. Manche Pflanzen scheiden auch unorganische Substanzen, Salze, an ihrer Oberfläche aus, wie z. B. Kalk die Blattzähne mancher Arten Steinbrech (Saxifraga). Endlich können hier auch die Abänderungen reinen Wassers erwähnt werden, die, zumal bei unterdrückter Verdunstung, also in feuchter Atmosphäre, in Form von Tropfen an den Blattspitzen junger Getreide- und Graspflanzen, an den Blattzähnen vieler andrer Gewächse sowie in größerm Maßstab an den Blättern mancher tropischer Aroideen und in den Blattschläuchen des Kannenstrauchs (Nepenthes) beobachtet werden. - Die vegetabilischen Absonderungen haben für die Lebensfunktionen der Pflanze mittelbare oder unmittelbare Bedeutung. Die Zuckerabscheidung in den Blüten ist ein unentbehrliches Mittel zur Anlockung der Insekten, welche die Bestäubung der Blüten zu besorgen haben. Die Ausscheidung von Wachsüberzügen verhindert die Benetzung mit Wasser und erscheint besonders da angebracht, wo Pflanzenteile mit Spaltöffnungen vor Benetzung zu schützen sind. Die Bildung von ätherischem Öl und Gummi im Innern des Pflanzenkörpers steht vielleicht mit dem Stoffwechsel in einem notwendigen Zusammenhang, und die Balsamüberzüge haben wahrscheinlich die damit versehenen jungen zarten Teile vor zu rapider Verdunstung zu schützen. Es gibt aber auch Absonderungen, die als krankhafte Prozesse zu betrachten sind; sie beruhen auf einer Zerstörung innerer Gewebemassen und nehmen meistens einen solchen Umfang und Grad an, daß das Sekret nach außen ergossen wird. Hierher gehören der Harzfluß (s. d.) und der Gummifluß (s. d.).

3) In der Physiologie versteht man unter Absonderung im weitesten Sinn sämtliche Vorgänge, bei denen gewisse Stoffe aus dem Blut ausgeschieden werden. Man unterscheidet einfache Ausschwitzungen und Absonderungen im engern Sinn oder Sekretionen. Bei den erstern sind im wesentlichen nur physikalische Vorgänge (Filtration und Diffusion) beteiligt, und es treten hierbei flüssige Blutbestandteile, ohne eine chemische Veränderung zu erfahren, durch die Gefäßmembranen nach außen. Die Produkte dieser Ausschwitzungen bezeichnet man als Transsudate; sie gleichen in ihrer chemischen Zusammensetzung mehr oder weniger der Blutflüssigkeit, wenn auch in manchen dieser Flüssigkeiten die Eiweißkörper nur sehr spärlich vertreten sind. Die Fibrin erzeugenden Stoffe sind in vielen Fällen so schwach vertreten, daß die Transsudate nicht freiwillig gerinnen. Sie sind klar ↔ und durchsichtig, farblos oder schwach gelb gefärbt, besitzen ein geringeres spezifisches Gewicht als das Blutserum und haben eine alkalische Reaktion. Zu den einfachen Transsudaten gehören die Flüssigkeiten in den Höhlen der serösen Häute, die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, das Wasser zwischen Hornhaut und Kristalllinse im Auge, das Fruchtwasser etc. Die Absonderungen im engern Sinn (Sekretionen) sind die Produkte besonderer Absonderungsapparate, der sogen. Drüsen (s. d.). Sie unterscheiden sich von den einfachen Ausschwitzungen dadurch, daß sie neben dem aus dem Blut stammenden Wasser auch noch eigentümliche Stoffe enthalten, zu deren Bildung bloße physikalische Vorgänge nicht genügen, sondern chemische Prozesse erforderlich sind. Letztere verlaufen in den Zellen der absondernden Organe, die hierdurch gelieferten spezifischen Bestandteile mischen sich dann den Produkten der einfachen Ausschwitzung bei. Über den allgemeinen Charakter der chemischen Vorgänge in den Absonderungszellen läßt sich nicht viel sagen. Viele Sekretionen sind mit lebhafter Wärmebildung verknüpft, und es ist daher wohl möglich, daß die chemischen Prozesse bei der A. Oxydationsprozesse sind. Bei manchen Sekreten gehen die spezifischen Bestandteile aus einem Zerfall von Drüsenzellen hervor (Milch, Speichel, Hauttalg etc.). Die Absonderungsorgane sind sehr verschieden eingerichtet. Die einfachsten Vorrichtungen sind mit Blutkapillaren versehene Membranen, welche mit einer einfachen Zellschicht versehen sind; es sind dies die sogen. serösen Häute, welche zur A. von Höhlenflüssigkeiten dienen, z. B. Bauchfell, Brustfell, Herzbeutel etc. In zahlreichen Absonderungsorganen sehen wir die sezernierende Fläche durch Einstülpungen vergrößert, zuweilen stoßen wir auch auf eine Oberflächenvergrößerung durch Ausstülpung. Eine eingestülpte sezernierende Fläche bildet eine Drüse, eine ausgestülpte eine Zotte; erstere sind außerordentlich verbreitet, letztere finden sich nur in den Synovialhäuten. Die Absonderungen stehen unter dem Einfluß des Nervensystems. Dieser kann bewirken: a) eine Veränderung des Blutdrucks in den Absonderungsorganen durch Erweiterung oder Verengerung der Blutgefäße; b) eine Veränderung der in der Drüse verlaufenden chemischen Prozesse. Veränderungen der ersten Art kommen durch Vermittelung der Gefäßnerven (s. Blutbewegung) zu stande, während die andern an die Thätigkeit spezifisch sekretorischer Nervenfasern gebunden sind, welche direkt an die Drüsenzellen treten. Die Absonderungen sind für den lebenden Körper von der größten Wichtigkeit, indem sie teils zur Verdauung dienen, wie der Speichel, der Magensaft, der pankreatische Saft, die Galle; teils die beim Stoffwechsel für den tierischen Haushalt unbrauchbar, ja schädlich gewordenen Stoffe auszuführen bestimmt sind (Harnstoff, Kohlensäure); teils die Beweglichkeit der Organe vermehren, wie der Schleim der Bindehaut des Auges, die Thränen, die Gelenkflüssigkeiten; teils die innere und äußere Oberfläche des Körpers vor schädlichen Einwirkungen schützen, wie der Schleim der Schleimhäute, die Hautschmiere; teils zur Erhaltung der Art dienen, wie der tierische Same und das Ei. Über die einzelnen Absonderungen s. die betreffenden Artikel.

Absorbieren (lat.), auf-, einsaugen; vollständig in Anspruch, ganz in sich aufnehmen. Absorbentia, höchst unzweckmäßige Bezeichnung für neutralisierende Säuren oder Alkalien, welche bei Vergiftungen als Gegengifte gereicht werden. Über die absorbierenden, austrocknenden Mittel s. Austrocknende Mittel.