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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Acerina - Ach.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Acerbi'

Pavia, Padua und Wien bereicherte. Er starb in seinem Geburtsort 29. Aug. 1846.

Acerīna, s. Kaulbarsch.

Acerineen (Aceraceen, Ahorngewächse), dikotyle, etwa 50 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Äsculinen (s. d.), baumartige Holzgewächse mit meist wässerigem Milchsaft, gegenständigen, gestielten, meist einfachen, handförmig gelappten und handnervigen Blättern ohne Nebenblätter. Sie unterscheiden sich von den nahe verwandten Sapindaceen (s. d.) vorzugsweise durch aktinomorphe Blüten und dimere Pistille. Die meisten Arten gehören in die Gattung Acer (Ahorn), und sie sind alle in der nördlichen gemäßigten Zone, in Europa und vorzugsweise in Amerika einheimisch. Sie nützen hauptsächlich durch ihr hartes, weißes Holz; in Amerika gewinnt man aus ihrem reichlichen Frühlingssaft Zucker. Von den vorweltlichen 63 A. finden sich in den Tertiärschichten zahlreiche Blätterabdrücke, ferner Holz und die charakteristischen Flügelfrüchte.

Acerōsae, s. v. w. Nadelhölzer, s. Koniferen.

Acerra (spr. atsch-), Stadt in der unterital. Provinz Caserta, an der Eisenbahn von Rom nach Neapel, Bischofsitz mit einer nach dem Erdbeben von 1788 umgebauten Kathedrale, Krappbau, Schwefelquellen und (1881) 14,121 Einw. A. erhielt bereits 331 v. Chr. das römische Bürgerrecht, wurde von Hannibal zerstört, aber später wieder aufgebaut.

Acervieren (lat.), häufen, anhäufen.

Acérvus (lat., "Haufe"), in der Logik die sophistische Weise, durch fortgesetztes Fragen nach einem aus gleichen Teilen bestehenden, relativen, nicht in feste Grenzen einzuschließenden Begriff in Verlegenheit zu setzen. Folgendes Beispiel erklärt zugleich den Namen: Man fragt, ob Ein Korn einen Haufen ausmache; Antwort: Nein. Nun fragt man, ob zwei Körner den Haufen bilden, und so fragt man weiter fort, indem man immer nur Ein Korn zusetzt, wobei am Ende herauskommen würde, daß der Unterschied eines einzigen Korns endlich einen Haufen ausmacht. Das Trügerische dieses Sophismas liegt darin, daß Haufe als relativer Begriff erst durch Gegenüberstellung eines andern Begriffs seine Bedeutung erhält und daher nicht durch eine bestimmte Anzahl Körner bedingt ist. Vgl. Sorites.

Acetabŭlum, die Gelenkpfanne im Becken für den Kopf des Oberschenkels.

Acetāte, s. v. w. Essigsäuresalze, z. B. Natriumacetat, essigsaures Natron.

Acetīne, s. Essigsäure.

Acetomēter (Essigmesser), Apparat zur Prüfung der Stärke des Essigs oder des Essigsäuregehalts desselben, besteht aus einer an einem Ende zugeschmolzenen graduierten Glasröhre, worin der mit etwas Lackmustinktur rot gefärbte Essig mit sehr schwacher Ätzammoniakflüssigkeit solange versetzt wird, bis die rote Farbe eben in Blau übergegangen, der Essig also neutralisiert ist. Die Skala ergibt die Menge des benutzten Essigs und des zugesetzten Ammoniaks, woraus sich der Gehalt an Essigsäure leicht berechnen läßt.

Acetōn (Essiggeist, Brenzessiggeist, Dimethylkohlenoxyd) C3H6O entsteht bei der trocknen Destillation essigsaurer Salze oder aus Essigsäuredämpfen bei Rotglut und findet sich daher im rohen Holzgeist. Reines A. erhält man durch trockne Destillation von essigsaurem Baryt. A. bildet eine farblose Flüssigkeit von starkem, an Essigäther erinnerndem Geruch und brennendem Geschmack, spez. Gew. 0,814; es mischt sich mit Wasser, Alkohol und Äther, siedet ↔ bei 56° C. und läßt sich leicht entzünden. Es löst Kampfer, Fette, Schießbaumwolle und scharf gedarrten Kopal. Ein Teil des letztern gibt mit 2,8 Teilen A. einen sehr schnell trocknenden Firnis, welcher das Harz in dauerhafter glasglänzender Schicht hinterläßt, und man hat daher das A. zur Bereitung von Firnissen empfohlen. A. wurde als geheimer Weingeist schon von den Adepten medizinisch benutzt und findet auch jetzt noch derartige Verwendung. Vgl. Becker, Das A. und seine medizin. Anwendung (Mühlh. 1867).

Acetōne (Ketone), eine Klasse chem. Verbindungen, als deren Vorbild das Aceton betrachtet werden muß. Sie entstehen bei trockner Destillation der Kalksalze gewisser einbasischer Säuren nach folgendem Schema:

2CH3.CO.OH=CH3.CO.CH3+CO2+H2O
EssigsäureAcetonKohlensäureWasser

und man kann sie als Säuren betrachten, in welcher das Hydroxyl (OH) durch ein Alkoholradikal ersetzt ist. Sie enthalten also zwei Alkoholradikale, verbunden durch die Atomgruppe CO, und je nachdem sie zwei gleiche oder zwei verschiedene Alkoholradikale enthalten, unterscheidet man einfache und zusammengesetzte A. Die A. sind meist flüchtige, aromatisch riechende Flüssigkeiten und stehen in vielen Beziehungen den Aldehyden sehr nahe. Wie diese, verbinden sie sich mit saurem schwefligsaurem Natron und liefern bei Behandlung mit Wasserstoff im Entstehungsmoment Alkohole. Aber sie liefern bei der Oxydation nicht diesen Alkoholen entsprechende Säuren, sondern solche von niederm Kohlenstoffgehalt. Ein Aceton, das Methylcaprinol, findet sich im ätherischen Rautenöl.

Acētum (lat.), Essig; A. concentratum, konzentrierter Essig; A. crudum, gewöhnlicher Essig; A. destillatum, durch Destillation gereinigter Essig oder stark verdünnte Essigsäure (s. d.); A. glaciale, Eisessig (s. Essigsäure); A. pyrolignosum, Holzessig; A. plumbi, plumbicum s. saturninum, Bleiessig; A. vini, Weinessig.

Acetuni, ursprüngliche Bezeichnung, unter welcher das jetzt unter dem Namen Atlas # bekannte Gewebe in Europa eingeführt wurde.

Acetȳlaldehyd, s. v. w. Aldehyd.

Acetylēn (Äthin, Klumegas) C2H2, Kohlenwasserstoff, findet sich im rohen Leuchtgas, besonders im Petroleumgas, entsteht bei unvollkommener Verbrennung mancher Substanzen, beim Hindurchleiten von ölbildendem Gas oder Ätherdampf durch eine glühende Röhre und direkt aus den Elementen, wenn man elektrische Funken zwischen Spitzen gereinigter Kohle in reinem Wasserstoffgas überschlagen läßt. Es ist farblos, von unangenehmem Geruch, spez. Gew. 0,92, ziemlich löslich in Wasser, erzeugt beim Einatmen Vergiftungs- und Erstickungserscheinungen, verbrennt mit leuchtender, rußender Flamme, detoniert, mit Chlorgas gemischt, selbst im zerstreuten Licht und unter Abscheidung von Kohle. Beim Erhitzen verwandelt es sich leicht in isomere Kohlenwasserstoffe, wie Benzol, Styrol etc.; mit oxydierenden Körpern gibt es Oxalsäure, Essigsäure, Ameisensäure. In ammoniakalischer Kupferchlorürlösung erzeugt es einen braunen explosiven Niederschlage und dieselbe Verbindung entsteht auch bei Einwirkung auf metallisches Kupfer, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, kupferne Gasleitungsröhren überall zu vermeiden.

Acetȳlsäure, s. v. w. Essigsäure.

Ach, s. Aa.

Ach., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Erich Acharius (s. d.).