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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Accidentalen - Acerbi.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Accĭdens'

Relation, Aktivität, Passivität und andre äußere Verhältnisse, bestimmt.

Accidentalen (Accidentien, lat.), in der Musik s. v. w. Versetzungszeichen, die im Verlauf eines Tonstücks vorkommen (im Gegensatz zur Vorzeichnung).

Accidentālien (lat.), Zufälligkeiten, solche Eigenschaften eines Rechtsgeschäfts, welche auf das Wesen und die Gültigkeit des Hauptgeschäfts keinen Einfluß ausüben. Sie entspringen in der Regel aus besondern Vereinbarungen und sind ebensowohl den Substantialien (substantialia, Wesentlichkeiten), ohne die das Rechtsgeschäft nicht bestehen kann, wie den natürlichen Eigenschaften (naturalia) desselben, welche gewöhnlich vorhanden sind, aber durch Übereinkunft der Kontrahenten abgeändert werden können, untergeordnet. Accidentiell, zufällig, außerwesentlich, was keiner bestimmten Regel unterworfen ist.

Accidenzen (Accidenzien, lat.), s. v. w. Stolgebühren (s. d.); in der Buchdruckerei im Gegensatz zum Buch- u. Zeitungsdruck die mannigfachen Arbeiten für Industrie, Handel u. für das gesamte gesellschaftliche Leben, wie Wertpapiere, Aktien, Rechnungsformulare, Tabellen, Preiskurante, Zirkulare, Programme, auch Etiketten etc. Diese Drucksachen werden häufig mit großem Aufwand, mit allerlei Zierschriften (Accidenzschriften, s. Schriftarten) und Vignetten, auch mehrfarbig und unter Anwendung verschiedener graphischer Manieren ausgeführt und zwar durch besonders geschulte Accidenzsetzer und Accidenzdrucker auf Maschinen von eigentümlicher Konstruktion (Accidenzmaschinen, s. Schnellpressen) und häufig, besonders in großen Städten, in Druckereien, welche speziell für diese Zwecke eingerichtet sind.

Accipieren (lat.), empfangen.

Accipĭter, Habicht; Accipitrinae (Habichte), Unterfamilie der Falken aus der Ordnung der Raubvögel (s. d.).

Accis, Name für den Paraguaythee.

Accise (Assisia, Accisia, Cisa), die im Inland erhobene innere indirekte Verbrauchssteuer, und zwar als Fabrikaccise am Erzeugungsort der zu besteuernden Waren, als Thoraccise oder Marktgeld, auch Oktroi (s. d.) genannt, beim Eingang in einen bewohnten Ort erhoben. Ursprünglich nur als Markt- oder Thorgeld erhoben, nahm die A. im Lauf der Zeit den Charakter einer allgemeinen staatlichen Steuer an. In Baden heißt "der Accis" sowohl die eigentliche A. als auch die Gebühr von Verkauf und Vererbung unbeweglicher Besitzungen (Immobilienaccis).

Accius (Attius), L., röm. Dichter, geb. 170 v. Chr. zu Pisaurum in Umbrien als Sohn eines Freigelassenen, starb um 90. Nebenbuhler des schon alternden Pacuvius, erhob er die römische Tragödie auf ihren Gipfel. In seinen nach den Alten durch Erhabenheit der Gedanken und Kraft der Sprache ausgezeichneten Stücken, von denen uns etwa 50 durch Titel und Fragmente bekannt sind, bearbeitete er nach griechischen Dichtern fast alle Sagenkreise, besonders den troischen, daneben auch vaterländische Stoffe (Brutus und Decius). Außerdem behandelte er grammatische, litterarhistorische und antiquarische Fragen nach der Mode seiner Zeit in mannigfachen metrischen Formen (z. B. in den "Didascalica" und "Pragmatica" dramatische Poesie und Bühnenwesen). Bruchstücke der Tragödien gesammelt bei O. Ribbeck, "Tragicorum romanorum fragmenta" (2. Aufl., Leipz. 1871), der übrigen Schriften in L. Müllers "Lucilius" (das. 1872). Vgl. Ribbeck, Die römische Tragödie im Zeitalter der Republik (Leipz. 1875). ↔

Accólti, Bernardo, ital. Dichter aus der berühmten toscanisch-aretinischen Familie der A., ward als Sohn des Benedetto A., damaligen Kanzlers der Republik Florenz, 1465 geboren. Seine poetische Begabung, namentlich sein glänzendes Talent als Improvisator, erwarb ihm die Bewunderung seiner Zeitgenossen und den Beinamen l'unico Aretino ("der einige Aretiner"). Leo X. schätzte ihn sehr und ernannte ihn zum apostolischen Sekretär (abbreviatore). In dieser Stellung starb er 1535. Seine poetischen Werke (Vened. 1519-35 u. ö.) bestehen aus vermischten Gedichten und einem Lustspiel: "Virginia", und tragen den Stempel des schlechten Geschmacks seiner Zeit, sind daher gegenwärtig vergessen. Auch hat man einige Briefe von ihm.

Accoménda (mittellat., von accomendare, "anvertrauen"), im Mittelalter ein namentlich in Italien gebräuchliches Vertragsverhältnis, bei welchem der eine Kontrahent (accomendans) dem andere (accomendatarius) ein Kapital anvertraute, mit welchem dieser ein Handelsgeschäft für Rechnung des Akkomendanten gegen einen bestimmten Gewinnanteil des letztern betreiben sollte. Dies Rechtsverhältnis, welches man auch Accomandita oder Comenda nannte, bildete die Grundlage der modernen Kommanditgesellschaft (s. d.).

Accompagnato (ital., spr. -panjā-, "begleitet"), technischer Ausdruck für das mit fortgehender Begleitung versehene Recitativ (s. d.).

Accorso, s. Accursius.

Accouchement (franz., spr. ackūschmáng), s. Geburtshilfe.

Accrescendi jus (lat.), s. Akkreszenzrecht.

Accrescendo (ital., spr. -kresch-, abgekürzt accresc.), musikalische Vortragsbezeichnung, s. v. w. anwachsend, stärker werdend.

Accrington (spr. äkkringt'n), blühende Fabrikstadt in Lancashire (England), 8 km östlich von Blackburn, mit Kattundruckerei, Baumwollspinnerei, Bleichen, chemischen Fabriken, mechanischen Werkstätten und (1881) 31,435 Einw. In der Nähe die Fabrikorte Church (4850 Einw.) und Clayton le Moors (6695 Einw.).

Accursius (Accorso), berühmter ital. Rechtsgelehrter, Schüler des Azo, geboren um 1182 zu Bagnolo bei Florenz, lehrte seit 1221 in Bologna, starb zwischen 1259 und 1263, Verfasser der sogen. Glossa ordinaria (s. Glosse), welche sich auf die Arbeiten der frühern Glossatoren gründet. Auch seine drei Söhne waren Juristen. Vgl. Claussen, Denuo edendae Accursianae glossae specimen (Halle 1828); Landsberg, Die Glosse des A. (Leipz. 1883).

Acephalen, s. Akephalen.

Acer, s. v. w. Ahorn.

Aceraceen, s. Acerineen.

Acerbi (spr. atschérbi), Giuseppe, ital. Reisender, geb. 3. Mai 1773 zu Castel Goffredo bei Mantua, war der erste Italiener, der auf einer 1798 unternommenen Reise durch Skandinavien und Lappland bis ans Nordkap vordrang, welche Reise er in englischer Sprache beschrieb (Lond. 1802, 2 Bde.; deutsch von Weiland, 1803). Zu der von ihm 1816 in Mailand begründeten "Biblioteca italiana" lieferte er nach seiner Ernennung zum österreichischen Generalkonsul in Ägypten (1826) wertvolle Beiträge über dieses Land. Er benutzte seinen zehnjährigen Aufenthalt daselbst zu Reisen durch Unter- und Mittelägypten, nach Fayûm, dem Roten Meer und selbst nach Asien sowie zur Anlegung reicher Naturaliensammlungen, womit er die Museen zu Mailand,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 79.