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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Adjudizieren - Adler.

er das Kaufgeld gezahlt hat, adjudiziert, wodurch er das Eigentum daran erlangt. Hierüber erhält er ein besonderes gerichtliches Zeugnis, den Rekognitionsschein oder Adjudikationsbrief, zugefertigt (s. Zwangsvollstreckung).

Adjudizieren (lat.), gerichtlich zuerkennen, zusprechen; adjudikativ, zuerkennend.

Adjumént (lat.), Hilfsmittel.

Adjunkt (lat.), Amtsgehilfe; adjungieren, beifügen, beiordnen; im amtlichen Sprachgebrauch s. v. w. "als Gehilfen (A.) bestellen". Diese ältere Weise, einem durch Alter oder Krankheit dienstuntüchtig gewordenen Geistlichen oder Lehrer (Emeritus) Stelle und Einkünfte zu belassen, von denen er ganz oder teilweise den Gehilfen besolden und unterhalten mußte, verschwindet gegenwärtig in dem Maß, als ein geordnetes Pensionierungsverfahren auch im Kirchen- und Schulwesen eingeführt wird, bei dem sich durch Versetzung des dienstunfähigen Beamten in den Ruhestand dessen Stelle erledigt. Der A. wurde oft gleich "mit der Aussicht auf Nachfolge" (cum spe succedendi) angestellt. In älterer Zeit hießen auch die jüngern Lehrer höherer Schulen Adjunkten, wie noch jetzt im skandinavischen Norden; ebenso an einigen Universitäten jüngere, den Fakultäten für gewisse Funktionen beigegebene Universitätslehrer.

Adjunktion, s. Accession.

Adjustieren (neulat.), in Richtigkeit bringen, berichtigen (z. B. eine Rechnung); ausgleichen, beilegen, z. B. einen Streit; abgleichen, übereinstimmend machen, eichen (daher Adjustieramt, Eichamt); im Münzwesen das Berichtigen des Gewichts der zu prägenden Platten (s. Münzwesen); Schußfertigmachen der Artilleriegeschosse; ein Instrument mittels einer Stellschraube (Adjustierschraube) genau stellen; mit dem gehörigen Anzug versehen; sich a., sich zurecht machen, ordentlich anziehen; speziell in der österreichischen Armee s. v. w. einkleiden, in die Armee einreihen.

Adjustierschraube, s. Adjustieren.

Adjutánt (lat., franz. Aide de camp, Adjudant), der dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung bei den Übungen und zur Besorgung des Büreaudienstes beigegebene Offizier. In Deutschland hat jeder Truppenteil bis zum Bataillon abwärts einen Adjutanten. Die Adjutanten der Truppenverbände von der Brigade aufwärts nennt man die höhere Adjutantur; zu letzterer gehören auch die persönlichen Adjutanten des Monarchen, fürstlicher Personen, des Kriegsministers und des Chefs des Generalstabs der Armee. Die Adjutanten des Kriegsherrn führen die Bezeichnung General- und Flügeladjutanten. Während dem Rang nach die Adjutanten der Truppen bis einschließlich der Brigade Leutnants, darüber hinaus Hauptleute und jüngere Majore sind, ist für die persönlichen Adjutanten eine bestimmte Rangstufe nicht vorgeschrieben. Die Generaladjutanten des Kaisers sind Generale, die Flügeladjutanten Stabsoffiziere. Letztere beiden Titel werden als Auszeichnung auch Offizieren belassen oder selbst besonders verliehen, welche Truppenkommandos führen oder im diplomatischen Dienst (Botschafter, Militärbevollmächtigte) verwendet werden. Adjutanten fürstlicher Personen tragen eine besondere Uniform, ausgezeichnet durch silberne Achselschnüre auf der rechten Schulter und durch breite rote Streifen an den Beinkleidern, gleich denen, welche die Generale tragen. Vgl. Scheel, Der Adjutantendienst (2. Aufl., Berl. 1874).

Adjutant, Vogelart, s. v. w. Marabu.

Adjūtor (lat.), Aus-, Beihelfer; Adjutorium, Hilfsmittel.

Adjuvant (lat.), Gehilfe, s. Hilfslehrer.

Adjuvantia, Arzneien, die man andere zusetzt, um deren Wirksamkeit zu erhöhen.

Ad latus (lat., "zur Seite"), Beirat, Beistand; Offiziere a. l. heißen in Österreich diejenigen Offiziere, welche den kommandierenden Generalen zur Hilfe und eventuellen Stellvertretung zugeordnet sind; im Rang sind dieselben meist eine Stufe niedriger als der Kommandierende.

Adler (Aquilinae, hierzu Tafel "Adler"), Unterfamilie der Falken (Falconidae) aus der Ordnung der Raubvögel, große oder sehr große, gedrungen gebaute Tiere mit mittelgroßem, durchaus befiedertem Kopf, hohem, am Grund geradem, gegen die Spitze gekrümmtem Schnabel, welcher statt des seitlichen Zahns eine Ausbuchtung besitzt, und dessen Wachshaut nicht vom Gefieder bedeckt wird, mit fast gerundeten Flügeln, welche bis zur Wurzel oder zum Ende des Schwanzes reichen, und in denen die vierte und fünfte Schwinge meist am längsten sind, mit großem, langem und breitem, gerade abgeschnittenem oder zugerundetem Schwanz, mittellangem, kräftigem, nur oben oder völlig befiedertem Lauf, der häufig von dem lockern Schenkelgefieder (Hosen) bedeckt ist, mit starken, gekrümmten und spitzen Krallen. Das Weibchen ist stets größer und meist auch schöner als das Männchen. Die A. sind die stärksten und kühnsten Raubvögel, sie fressen in der Regel nur frischen Raub, den sie mit den Fängen ergreifen und forttragen, nehmen aber auch mit Aas vorlieb. Adlerarten bewohnen die ganze Erde, sie finden sich am häufigsten in den wärmern Gegenden und mehr auf dem Festland als auf den Inseln. Die Mehrzahl lebt im Wald, einzelne sind Gebirgs-, andre Steppenbewohner, und manche leben an Küsten oder Binnengewässern. Die größern Arten sind bei uns Stand- und Strichvögel, die kleinern Arten wandern und dringen bis in das Innere von Afrika vor, zwar in Gesellschaften, aber paarweise zusammenhaltend. Im April langen sie wieder an ihren Nistungsplätzen an, in deren Nähe sie kein zweites Paar dulden. Manche bewohnen während ihrer langen Jugendzeit ganz andre Gegenden und Länder als die alten gepaarten Vögel ihrer Art. Sie bauen auf einer hervorspringenden Felsplatte, in der Krone eines starken Baums, im Notfall auf dem flachen Boden ihren Horst, der auf langen, oft armstarken Knüppeln ruht und so fest geschichtet ist, daß er dem stärksten Sturm trotzt. Das Weibchen legt im April oder Mai 1 oder 2, selten 3 Eier und zeitigt sie in 4-5 Wochen. Männchen und Weibchen zeigen sich gleich besorgt um die Brut. Die selbständig gewordenen Jungen streichen mehrere Jahre einzeln umher, ehe sie sich an einem bestimmten Ort ansiedeln. Die Alten aber verlassen ihren Brütort nur zeitweilig, suchen ihn, wenn sie wandern, regelmäßig wieder auf und benutzen denselben Horst mehrere Jahre. In der Gefangenschaft werden manche Adlerarten bald zahm und dauern außerordentlich lange aus. In Wien wurde ein A. 104 Jahre im Käfig gehalten.

Zur Gattung Aquila Möhr., mit großem, langem Schnabel, dessen Firste schon unter der Wachshaut gebogen ist, bis zum Ende des breiten, mittellangen, gerade abgeschnittenen Schwanzes reichenden Flügeln, in denen die vierte Schwinge die längste ist, und mittelhohen, sehr kräftigen Läufen, gehören: Der Steinadler (gemeiner, schwarzer, brauner oder Rauchfußadler, A. fulva L.), bis 95 cm lang, 2 m und darüber breit (Weibchen), sehr gleichmäßig dunkel-^[folgende Seite]