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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika

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Afrika (Gewässer).

Ndscharo (5694 m) und des Kenia (5400 m), und ihre nördlichen, noch nicht erforschten Nachbarn am Baringosee sollen gleichfalls über 1500 m hoch sein. Unmittelbar am Äquator finden sich also die höchsten Erhebungen des Kontinents. Leider ist die zentralafrikanische Plateaustufe noch sehr unvollkommen bekannt. Die Berglandschaften in der Umgebung der großen Seen sind sämtlich waldreich und haben ein gesundes, herrliches Klima.

Das südafrikanische Plateauland ist eine Hochebene von durchschnittlich 1200 m Höhe, die terrassenförmig und steil zur Küste der beiden Ozeane abfällt. Vom S. ausgehend, hat man, um das Plateau des Hochlands zu gewinnen, drei Randketten zu überschreiten, welche ebenso viele Terrassen nach dem Meer hin begrenzen. Die erste dieser Terrassen (80-100 m Höhe) trägt Berge von 1000-1500 m Höhe, die zweite, die sogen. Karroo (d. h. die harte), ragt wie eine Festungsmauer empor und ist nur auf den schlundartig geöffneten Pässen zu erreichen. Sie trägt Längsketten, die nach SO. streichen und bis 2300 m hoch werden (Seven Weeks Poort 2325 m, Coxcomb 1753 m). Von der Karroo gelangt man endlich nördlich auf die öde Große Karroo (1100 m Seehöhe), die von einem ockerfarbigen, aus Sand und Thon bestehenden Boden gebildet wird, der im Sommer zur Festigkeit der Ziegel ausdorrt und wenige Meter unter der Oberfläche festes Gestein birgt. Wenige Tage nach einem Regenfall und namentlich in der Regenzeit keimen alle die unzähligen Zwiebelgewächse, welche der steinharte Boden einschließt, und die Hochebene verwandelt sich in einen lachenden Blumenteppich und in ein wogendes Grasmeer, das von großen Wildherden belebt ist. Am nördlichen Rande der Großen Karroo erheben sich abermals Gebirge (1500-1800 m hoch), so die Roggeveld- und im S. die Nieuweveldberge, die Schneeberge (Spitzkop 2500 m). Im NO. beginnt ein den Oranje begleitender Gebirgszug, aus den Rhinoster-, Bambeos- und Stormbergen (1800 m) bestehend, die sich weiterhin als Kathlamba oder Drakenberge bis an den Limpopo fortsetzen (Mauchspitze 2675 m). Der Westrand des südafrikanischen Hochlandes ist gleichfalls von zum Meer steil abfallenden Terrassen gebildet. Eine merkwürdige Bildung ist der 1082 m hohe Tafelberg in der Nähe der Kapstadt. Im allgemeinen steigen die Berge dieser Terrassen bis 1500 m hinan. Nördlich vom Oranje zieht eine Küstenterrasse bis zum Cunene hin. Nur im Damaland greifen drei kleinere Plateaustufen tiefer nach dem Innern hinein, ohne jedoch höher als 1200 m anzusteigen. Das zwischen den beschriebenen Randgebirgen befindliche Land trägt den Charakter großer Einförmigkeit, wiewohl es nicht eine gleichmäßig platte Hochebene ist. Im westlichen Dama- und Hereroland sind Gipfel von 2600 m Höhe. Die Kalahari (s. d.) ist eine vorwiegend mit niedrigem Buschwerk bewachsene Steppe mit nur sehr geringen Sanddünenkomplexen (Karri-Karri).

Das Alpenland von Abessinien ragt wie eine Burg am Ostrand der nördlichen afrikanischen Plateaufläche empor und nimmt in der Richtung von N. nach S. stetig an Breite zu. Der Abfall nach O. geschieht in steilen, mauerartigen Stufen, während der Abfall nach W. ein allmählicher ist. Die ganze Hochfläche (ca. 220,000 qkm) ist mit zahlreichen Berghöhen besetzt, und die höchsten Erhebungen desselben befinden sich im W. und in der Mitte desselben (Josephberg 4197 m, Ras Daschan und Ankua 4620 m, Layata 4532 m, Buahit 4510 m, Barotschwaha 4504 m, Abu Jared 4483 m). Alle Flüsse entspringen in großer Seehöhe. Ihre Betten sind in das Hochlandsmassiv tief eingeschnitten. Gegen S. setzt sich das abessinische Hochland in den Berglandschaften von Kaffa und Enarea fort in einer mittlern Höhe von 2-3000 m. Auch gegen O. hin am Nordrand der Somalhalbinsel reicht das Hochland in ziemlich bedeutender Hohe gegen das Kap Gardafui. - Im N. des abessinischen Hochlands reicht von der Küste des Roten Meers bis in die Nähe der ägyptischen Hauptstadt ein wild zerklüftetes, von zahlreichen trocknen Flußbetten (Wadis) durchfurchtes Randgebirge, das im Dschebel Soturba, seinem Hauptgipfel, 2103 m Höhe erreicht. Von Abu Hamed zieht sich die tiefe und fruchtbare Thalrinne des Nils gegen N., die von zwei mäßigen Bergketten, der libyschen und arabischen, begleitet wird.

Die Bodenbeschaffenheit der afrikanischen Inseln ist zumeist eine gebirgige; viele derselben (Azoren, Kanaren etc.) zeigen auch Spuren vulkanischer Thätigkeit. Die Rieseninsel Madagaskar (s. d.) bildet an ihrer Ost- und Nordseite eine hohe gebirgige Region (1000-1500 m), im W. und S. aber eine weite Ebene. Die Gebirge sind zum Teil reichbewaldet und erheben sich bis zu 3000 m Höhe.

Gewässer.

Die klimatischen Verschiedenheiten in Verbindung mit dem Bau des Bodens bedingen in A. große Gegensätze in den hydrographischen Verhältnissen. Das Atlassystem gestattet nur die Bildung kleiner Küstenflüsse, wie Scheliff, Tafna, Isly u. a., und zahlreichem Binnenflüsse, welche teils in den geschlossenen Längenthälern des mittlern Algerien von Salzseen (sogen. Sebchas oder Schotts) aufgenommen werden, teils nach S. in die Niederung des Wadi Righ heraustreten und in den dortigen Salzseen und Sümpfen sich verlieren. Die Regenarmut des Wüstengürtels ist Ursache, daß fließende Gewässer hier zu den Seltenheiten gehören; der bei Nun in den Atlantischen Ozean mündende Wadi Draa mit dem Sakiet ist der einzige bekannte Fluß dieser Zone. Dagegen ist hier das Gebiet der Regenbäche (Wadi, im O. Chor genannt), die bei einem Gewitterregen plötzlich zu verheerender Größe anschwellen, um ebenso rasch wieder zu versiegen. Ganz anders, wo der tropische Regen mit seiner Wasserfülle regelmäßig eintritt; in diesem breiten Tropengürtel besitzt A. eine große Zahl mächtiger Ströme und ausgedehnter Binnenseen und steht an Wasserreichtum keinem andern Erdteil nach. Alle schwellen zu gewissen Zeiten infolge dieser regelmäßigen Regen an. Nach dem Mittelmeer führt aus dieser Zone nur der Nil hinaus, während zahlreiche Flüsse in den Atlantischen und Indischen Ozean münden. Der Nil (s. d.) hat unter den Flüssen Afrikas den längsten Lauf. Unter 5° nördl. Br. tritt er aus dem Gebirgsland hervor und durchfließt dann weite Ebenen, bis er unter Chartum in die Gebirge der Nubischen Wüste eintritt, um sie in mächtigen Windungen zu durchlaufen und bei Assuân nach Ägypten einzutreten; unterhalb Kairo teilt er sich in die zwei das Nildelta umfassenden Arme, den von Rosette und Damiette. Der Name Nil ist erst bei Chartum gebräuchlich, wo er sich aus den beiden großen Quellflüssen Bahr el Abiad und Bahr el Azrak (dem Weißen und Blauen Nil) sammelt. Unterhalb der Vereinigung nimmt er nur noch einen großen Zufluß, den Atbara (Takazzé), aus Abessinien auf. Atbara und Bahr el Azrak (in Abessinien Abaí genannt) führen die