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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Agŭas Caliéntes; Aguesseau; Aguilar; Aguilas; Aguilera; Agulhas, Kap; Aguti

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Aguas Calientes - Aguti.

Guadalquivir durch Ferdinand VII. einbrachte, ebenso auch die griechische von 1834. Die von seinem Hause ausgegangenen Papiere wurden Aguados genannt. Er starb 14. April 1842 mit Hinterlassung eines ungeheuern Vermögens und einer ausgezeichneten Gemäldegalerie, von der Gavard (Par. 1839-1847, 4 Bde.) eine Beschreibung gegeben hat.

Agŭas Caliéntes, ein Binnenstaat der Republik Mexiko, erst 1853 aus Teilen des Staats Zacatecas gebildet, grenzt im N. an Zacatecas und San Luis Potosi, im W. und S. an Jalisco, im O. an Guanajuato und Zacatecas und umfaßt 6095 qkm (104,3 QM.) mit (1880) 91,115 (nach andern Angaben 140,430) Einw. Die Oberfläche ist teils eben, ein Plateau von 1600 m mittlerer Höhe bildend, teils gebirgig, insbesondere im nordöstlichen Teil, der von Zweigen der Sierra Madre durchzogen wird. Der Boden ist fast allenthalben sehr ergiebig und liefert Getreide und Hülsenfrüchte von vorzüglicher Qualität. Im westlichen Teil des Staats, welcher ein heißeres Klima hat, reifen einzelne tropische Früchte. Unbedeutend sind dagegen die mineralischen Produkte. - Die gleichnamige Hauptstadt, in 1950 m Meereshöhe, ist regelmäßig gebaut, hat zahlreiche öffentliche Plätze, Kirchen und Kapellen und (1880) 31,872 Einw., welche etwas Wollweberei treiben. Von der ehemaligen Blüte der Stadt unter der spanischen Herrschaft zeugen noch einzelne Gebäude von hoher architektonischer Schönheit, so das Munizipalgebäude, das Gefängnis, die Markthallen etc. Die Stadt, an der Kreuzung zweier frequenter Straßen, inmitten reicher Fruchtgärten gelegen, ist Hauptstapelplatz für den Handel im Innern Mexikos und hält zu Weihnachten eine große Messe. Den Namen führt A. von den zahlreichen warmen Quellen (bis 50° C.) in der Umgegend.

Aguesseau (spr. aggésso), Henri François d', Kanzler von Frankreich, geb. 27. Nov. 1668 zu Limoges, wurde, früh als Advokat und Redner sich auszeichnend, 1690 Generaladvokat und 1700 Generalprokurator beim Parlament zu Paris. Seine ausgezeichneten Verdienste um die Reform der Rechtspflege sowie um Wahrung der Freiheiten der gallikanischen Kirche gegenüber der päpstlichen Bulle Unigenitus wurden 1717 unter der Regentschaft des Herzogs von Orléans durch seine Erhebung zum Kanzler von Frankreich belohnt. Sein Widerstand gegen die Lawsche Finanzspekulation hatte seine Entlassung 1718 zur Folge. Aber schon 1720 wurde er restituiert. Unter Dubois' Ministerium (1722) nochmals auf sein Landgut Fresnes verwiesen, erlangte er 1727 durch den Kardinal Fleury seine Ämter und 1737 auch das große Siegel wieder. Wegen Altersschwäche trat er 1750 als Kanzler zurück und starb 9. Febr. 1751. A. war einer der gelehrtesten Staatsmänner Frankreichs und besaß nicht nur bedeutende juristische Kenntnisse, sondern auch eine tiefe und umfassende ästhetische und humanistische Bildung. Er erstrebte eine Reform der Gesetze, ohne ihre Basis zu erschüttern. Die Lehren von den Schenkungen, Testamenten, Substitutionen, Evokationen etc. sind durch ihn wesentlich verbessert worden. Seine gesammelten Schriften (Par. 1759-1789, 13 Bde.; 1865, 2 Bde.) erschienen deutsch von Weber (Leipz. 1767, 8 Bde.). Vgl. Boullée, Histoire de la vie du chancelier d'A. (Par. 1849); Monnier, Le chancelier d'A. (2. Aufl., das. 1864).

Aguilar (spr. aghilār), 1) (A. de la Frontera) Bezirksstadt in der span. Provinz Cordova, am Cabra und 5 km von der gleichnamigen Station der Eisenbahn von Cordova nach Malaga, in weiter, weinreicher Ebene und unweit der großen, fischreichen Seen Zoñar und Rincon gelegen, hat ein maurisches Kastel, die Klosterkirche Santa Clara mit wertvollen Gemälden und (1877) 11,712 Einw. In der Nähe entspringen Salzquellen. -

2) (A. de Campos) Stadt in der span. Provinz Valencia, im obern Thal der Pisuerga und an der Eisenbahn von Valencia nach Santander, mit 700 Einw., einem Schloß, einer lateinischen Schule und berühmten Jahrmärkten.

Aguilar (spr. ághilar), Grace, engl. Schriftstellerin, aus jüdischer, aus Spanien stammender Familie, geb. 2. Juni 1816 zu Hackney bei London, war von Jugend auf von sehr schwächlicher Gesundheit, die durch trübe Erfahrungen noch mehr erschüttert wurde, und starb auf einer Reise nach Bad Schwalbach 16. Sept. 1847 in Frankfurt a. M. Ihre schriftstellerischen Leistungen, mit denen sie schon im 16. Jahr auftrat, behandeln vorzugsweise häusliche Erziehung und mütterliche Liebe, so namentlich die beiden zusammenhängenden Erzählungen: "Home influence" (36. Aufl., Lond. 1881; deutsch, Leipz. 1858) und "Mother's recompense" (21. Aufl. 1869; deutsch, Leipz. 1882). Weitere Schriften sind: "Women of Israel" (6. Aufl. 1870); "The Jewish faith" (1847); "Woman's friendship" (14. Aufl. 1874; deutsch, Leipz. 1857); die Novelle "The vale of cedars or the martyr" (11. Aufl. 1869; deutsch, Oldenb. 1857) u. a., welche alle zartes poetisches Gefühl und warme Begeisterung für den Glauben ihrer Väter bekunden, dabei aber echt christliche Moral predigen.

Aguilas (spr. aghilas), Hafenstadt in der span. Provinz Murcia, malerisch am Fuß eines ins Meer vorspringenden Felsenbergs gelegen, mit Fort, großen Schmelzhütten und (1877) 8947 Einw., welche bedeutenden Ausfuhrhandel mit silberhaltigem Blei, Eisenerz, Schwefel, Esparto und Feigen betreiben.

Aguilera (spr. aghilēra), Ventura Ruiz, span. Dichter, geb. 2. Nov. 1820 zu Salamanca, studierte daselbst Medizin, ohne indessen Arzt zu werden, ging später nach Madrid, wo er sich der progressistischen Partei anschloß, wurde nach längerer journalistischer Thätigkeit Direktor des archäologischen Museums daselbst und starb 1. Juli 1881. Seinen Ruf als Dichter begründeten seine volkstümlichen "Cantares", denen er bald darauf "Ecos nationales" und "Elegias" folgen ließ. Letztere wurden in fast alle europäischen Sprachen übersetzt (ins Deutsche von Fastenrath im "Buch meiner spanischen Freunde", Bd. 2, Leipz. 1870). Weniger bedeutend sind die "Satyras" und seine Novellen. Eine Sammlung sinnig-stimmungsvoller Weihnachtslieder bietet die "Legenda de Noche-Buena" (1872; deutsch von Fastenrath, Leipz. 1880). A. weiß in seinen Dichtungen glühende Vaterlandsliebe und wehmütige Klage, warme Begeisterung und feinsinnige Betrachtung mit gleicher Vollendung zum poetischen Ausdruck zu bringen. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1873 in Madrid, ein Band ausgewählter Gedichte 1880.

Agulhas, Kap (spr. -úljas, Nadelkap), Vorgebirge an der Küste des Kaplands, 152 m hoch, seit 1849 mit einem Leuchtturm, bildet die eigentliche Südspitze von Afrika (34° 49¾' südl. Br. und 20° 0¾' östl. L. v. Gr.). Unmittelbar davor die Bank A. (Nadelbank).

Aguti (Steißtier, Dasyprocta Ill.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Meerschweinchen (Caviidae), untersetzt gebaute, hochbeinige Tiere mit schlankem Hals, langem, spitzschnauzigem Kopf, kleinen, runden Ohren, nacktem Stummelschwanz, dreizehigen Hinter- und fünfzehigen Vorderfüßen und starken, breiten, hufartigen Krallen.