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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ägypten

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Ägypten (mittlere und neuere Geschichte).

der Kaiserzeit versuchten die Ägypter, ihre Unabhängigkeit wiederzuerringen, mußten aber meist hart dafür büßen, besonders als nach Besiegung der Königin Zenobia von Palmyra, die auch Alexandria einige Zeit innegehabt, ein reicher Kaufmann, Firmus, sich zum Herrn des Landes gemacht, von Aurelian aber unterworfen worden war, und wieder, als Diokletian nach Unterdrückung des Usurpators Achilles nur durch grausame Maßregeln die Ägypter beugen und einschüchtern zu können glaubte.

Das Christentum fand schon im 1. Jahrh. unsrer Zeitrechnung in Ä. Eingang, angeblich durch den Evangelisten Markus, den Stifter des Bistums Alexandria; doch wurde der alte Götterkult nicht sofort verdrängt und z. B. der Isiskult in Philä erst um die Mitte des 6. Jahrh. unter Justinian aufgehoben. In Ä. kam unter dem Einfluß der Landesnatur das Einsiedler- und Klosterleben durch den heil. Antonius von Theben auf. Auch die christlich-theologische Gelehrsamkeit wurde mit Eifer gepflegt und Alexandria bald ein Hauptschauplatz der über das Verhältnis der göttlichen und menschlichen Natur in Christo sich entspinnenden dogmatischen Kämpfe. Aber eben in diesen subtilen Streitigkeiten und in der asketischen Übertreibung rieb sich die Kraft der sich die rechtgläubige nennenden Partei auf, und es wurde die für ketzerisch erklärte Partei der Monophysiten die überwiegende, welche sich einen eignen Patriarchen wählte, während der vom byzantinischen Hof ernannte orthodoxe Patriarch seinen Sitz in Alexandria behielt. Die echt ägyptische (häretische) Kirche nannte sich die koptische (d. h. ägyptische) und verachtete die Orthodoxen als Malchiten oder Kaiserchristen. Durch deren Verfolgungssucht steigerte sich der feindliche Gegensatz zwischen beiden Kirchen so weit, daß die Kopten den Mohammedanern zur Eroberung Ägyptens geradezu Vorschub leisteten.

Seit der Teilung des römischen Reichs im J. 395 eine Provinz Ostroms, teilte Ä. den Verfall dieses Reichs. Raubzügen von Äthiopien und Arabien aus machtlos preisgegeben, wurde es durch die Perser unter dem Sassaniden Chosroes II. bis an die Südgrenze durchzogen (616). Wenige Jahre nach ihrem erkauften Abzug (641) wurde es von Amru, dem Feldherrn des Kalifen Omar, zu einer Provinz des Reichs der Kalifen gemacht. Mit den Arabern erhielt der Islam bald das Übergewicht über das Christentum. Jeder Gewaltthat preisgegeben, sank die koptische Bevölkerung in völlige Ohnmacht. Die Statthalter Ägyptens versuchten bald, sich von der Obergewalt der Kalifen zu befreien, so Achmed, mit dem 868 die Dynastie der Tuluniden auf den Thron Ägyptens kam. Nachdem 905 der Kalif von Bagdad sich wieder zum Oberherrn des Landes gemacht, stiftete Abubekr Mohammed, der Ikschide, 935 eine neue Dynastie unabhängiger Herrscher Ägyptens; aber schon 969 eroberte Moez Eddin Allah, der erste fatimidische Kalif, das Land und gründete die Stadt Masr el Kahira (die Siegreiche), das heutige Kairo, das er zur Hauptstadt erhob. Der glanzvollen Herrschaft der Fatimiden in Ä. wurde 1171 durch den Kurden Saladin ein Ende gemacht, der sich zum Sultan von Ä. und Syrien aufschwang und als solcher eine neue Dynastie, die der Ejubiden, gründete, unter der das Land sich aus seinem tiefen Verfall etwas hob und namentlich Alexandria eine der blühendsten Städte des Orients wurde, deren Handel sich von Spanien bis Indien erstreckte. Die ersten Kalifen hatten das Land an arabische Pflanzer verpachtet, der Ejubide Nedschem Eddin aber verteilte es unter seine aus gekauften Sklaven bestehende Leibwache, die Mamelucken (s. d.), als Lehen, und von diesen wurden die Bewohner des flachen Landes völlig zu Leibeignen herabgedrückt. Aber dieselbe übermütige Miliz machte auch der Herrschaft der Ejubiden selbst ein Ende; denn als Nedschems Sohn Moadham mit dem gefangenen König Ludwig IX. von Frankreich einen Vertrag abschloß, ohne die Mamelucken dabei zu Rate zu ziehen, ermordeten ihn diese (1250) und erhoben aus ihrer Mitte Moez Ibegh zum Sultan. Mit diesem begann die Herrschaft der mameluckischen Dynastie oder der Bahariden. Unter ihr versank das Land in den traurigsten Zustand; den ungezügelten Begierden einer wilden Prätorianerschar preisgegeben, wurde es überdies durch die Zwistigkeiten der Mameluckenemire, von denen die Sultane abhängig waren, zerrissen. Kräftigere Herrscher waren Bibars I. (gest. 1277), welcher der um sich greifenden Anarchie Einhalt that und seine Herrschaft über die südlichen Grenzlande sowie über Syrien und einen Teil Arabiens ausdehnte, und Mohammed I. (gest. 1341), welcher durch Begünstigung des Ackerbaus, Verminderung der Abgaben und Anlegung von Kanälen sich um das Land große Verdienste erwarb. Der Übermut der aus Cirkassiern sich ergänzenden Mamelucken stieg aber immer höher, und 1382 gelang es wieder einem ihrer Obern, Barkok Dhaher, sich zum Sultanat emporzuschwingen. Mit ihm bestieg die zweite mameluckische Dynastie, die cirkassische oder die der Bordschiten, den Thron. Ihre Geschichte bietet eine ununterbrochene Reihe von Empörungen, Gewaltthaten und Greueln aller Art. Sultan Barsebai eroberte Cypern 1426, infolgedessen die dortigen Könige zu ägyptischen Statthaltern erniedrigt wurden. Aber im Innern wurde die Zerrüttung immer größer; die Mamelucken setzten Sultane ein und ab und übten den furchtbarsten Druck aus, bis endlich der Osmanensultan Selim I. 1517 das Land eroberte und in eine türkische Provinz verwandelte. Als solche wurde es zwar von Paschas regiert, blieb aber doch in einer gewissen Unabhängigkeit. Unter dem Pascha bestanden nämlich 14 Mameluckenbeis fort, an deren Zustimmung die Paschas hinsichtlich ihrer Maßregeln gebunden waren, daher diese bald zu willenlosen Werkzeugen der tyrannischen Willkür jener herabsanken. Die Mameluckenbeis befehligten die Miliz, erhoben die reichen Staatseinkünfte und zahlten nur einen Tribut an den Pascha So stand Ä., statt unter einem, unter vielen Tyrannen, die fortwährend einander bekämpften und das Land vollständig ruinierten. Ä. sank zu völliger Bedeutungslosigkeit herab. 1763 machte sich Ali Bei von der Pforte fast ganz unabhängig und unterwarf einen Teil von Arabien und Syrien. Er wurde von seinem Schwiegersohn Mohammed Abudhabad gestürzt, der sich 1773 von der Pforte als Pascha von Ä. bestätigen ließ. Nach ihm teilten die Beis Murad und Ibrahim die Herrschaft unter sich und machten sich von der Pforte fast ganz unabhängig. Unter ihnen landete General Bonaparte mit einem französischen Heer 1798 in Ä. und schlug die Mamelucken bei den Pyramiden (s. Ägyptische Expedition der Franzosen). Bonapartes Plan, sich Ägyptens, dieses Schlüssels zum Orient, zu bemächtigen, schlug zwar fehl; aber die Augen der europäischen Mächte waren wieder auf Ä. gelenkt und die Schwäche der Türkei bloßgelegt. Die Mamelucken suchten, von den Briten, die Alexandria bis März