Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ägypten

225

Ägypten (Geschichte: Altertum).

Verherrlichung der Siege in Syrien und Mesopotamien einen großen Säulensaal in Theben (Karnak). Amenophis III. (1524-1488), welcher den großen Ammonstempel bei Luksor errichtete, ist in der klingenden Statue von Theben dargestellt, welche von den Griechen die Memnonssäule genannt wurde. Nach Amenophis IV., der die Religion reformieren und den ausschließlichen Sonnenkultus einführen wollte, entstanden langwierige Kämpfe zwischen Prätendenten, denen erst Horemheb ein Ende machte. Besonders glänzend waren die Regierungen Sethos' I. (1439-1388) und Ramses' II. (1388-28) von der 19. Dynastie, welche von den Griechen unter dem Namen Sesostris vereinigt werden. Ersterer drang bis Syrien und Äthiopien vor. Ramses eroberte Phönikien und den größten Teil Syriens und dehnte auch nach Süden die Grenzen des Reichs am weitesten, bis 700 km südlich von Syene, aus. Kein König hat so zahlreiche großartige Bauten (besonders das Ramesseum) unternommen und so viele Denkmäler hinterlassen wie Ramses II. Er begann auch den Bau eines Kanals, der den Nil mit dem Roten Meer verbinden sollte; derselbe blieb aber unvollendet. Bei dem Bau desselben und der Städte Pithom und Ramses mußten die Israeliten Frondienste leisten. Dieser Bedrückung wegen wanderten sie unter Ramses' Nachfolger Menephta (1322-1302) aus Ä. aus.

Ramses III., der reiche Rhampsinit des Herodot, machte sieggekrönte Kriegszüge nach Asien, überwand die Anwohner des Roten Meers in Seeschlachten und errichtete stattliche Tempel. Seine Nachfolger, elf Könige mit dem Namen Ramses (1244-1091), kamen ganz in Abhängigkeit von der Priesteraristokratie. Jetzt erlosch auch Thebens Glanz. Unterägyptische Dynastien aus Tanis, Bubastis und Sais bestiegen den Thron, wodurch Memphis wieder zur ersten Residenz des Reichs erhoben ward. Die Tochter eines Königs dieser Zeit, Psusennes II., führte Salomo von Israel als Gemahlin heim, und zwischen beiden Königen bestand Freundschaft und friedlicher Verkehr. Psusennes' Nachfolger Sisak (Sesonchis) nahm dagegen den flüchtigen Jerobeam auf, überzog 949 Rehabeam mit Krieg und plünderte Jerusalem, worauf sich eine Darstellung auf der äußern Südseite des Tempels von Karnak bezieht. Er hielt aber den Verfall des Reichs nicht auf; Ä. wurde 730 die Beute des äthiopischen Eroberers Sabako, welcher mit seinen beiden Nachfolgern Sevechos und Tirhaka (Tahraka) bis 672 regierte. Sabako und Tirhaka suchten der Ausbreitung der assyrischen Macht in Syrien entgegenzutreten. Sabako wurde bei Raphia besiegt; Tirhaka brachte aber 701 dem assyrischen König Sanherib in der Schlacht bei Altaku so große Verluste bei, daß derselbe von der Unterwerfung des Reichs Juda Abstand nehmen mußte. Jedoch 672 fiel der assyrische König Assarhaddon nach völliger Unterjochung Syriens in Ä. ein und stürzte die Herrschaft der äthiopischen Könige. Ein Versuch Tirhakas, Ä. wiederzuerobern, mißlang. Ä. wurde von den Assyrern unter 20 Statthalter verteilt, von denen Necho, Statthalter von Memphis und Sais, der mächtigste war. Dessen Sohn Psammetich I. (655-610) befreite, während der assyrische König Assurbanipal einen Aufstand in Babylonien bekämpfte, mit Hilfe griechischer Söldner aus Kleinasien Ä. von der Fremdherrschaft und machte es wieder unabhängig. Da er den fremden Söldnern Ländereien und Vorrechte verlieh, so wanderte ein großer Teil der Kriegerkaste mißvergnügt nach Äthiopien aus. Bald mehrte sich die griechische Bevölkerung im Land, nachdem ihr die Häfen geöffnet worden waren. Necho (610-595) begann von neuem den Bau des Kanals zwischen Nil und Rotem Meer und ließ Afrika durch phönikische Seeleute umschiffen. Auch wollte er den Sturz des assyrischen Reichs benutzen, um seine Macht in Syrien auszubreiten. Er landete 609 an der Küste Palästinas, besiegte den König Josias von Juda bei Megiddo, ward aber, weiter ins Innere vordringend, 605 von Nebukadnezar bei Karchemis am Euphrat geschlagen und mußte ganz Syrien räumen. Sein Enkel Hophra (589-570) unternahm einen Zug nach Palästina, um das Reich Juda zu retten, wurde aber ebenfalls besiegt. Als er 571 die ägyptischen Krieger gegen Kyrene schickte und diese geschlagen wurden, empörten sie sich, erhoben Amasis zum König, und dieser besiegte 570 bei Momemphis Hophra, den die Menge erwürgte. König Amasis (570-526) räumte den Griechen die Seestadt Naukratis ein, die bald einer der wichtigsten Handelsplätze wurde. Jetzt öffnete sich endlich Ä. dem Handelsverkehr, und ungeheure Reichtümer strömten dorthin. Niemals war der allgemeine Wohlstand in Ä. größer und die Bevölkerung zahlreicher als gegen das Ende dieser Herrschaft. Die Zahl der Städte stieg unter Amasis auf 20,000. Auch die Kunst blühte wieder, und manche neue Formen kamen auf, wie auch der Stil in den bildlichen Darstellungen ein andrer wurde und namentlich der festgestellte Kanon der Körperproportionen eine wesentliche Änderung erlitt. Aber die Wehrkraft des Reichs erstarkte nicht in gleichem Maß; Amasis versäumte es, der wachsenden persischen Macht rechtzeitig entgegenzutreten. Sein Sohn Psammetich III. (Psammenit) erlag ihr 525 in der Schlacht bei Pelusion. Ä. wurde persische Provinz.

Ägypten unter der Fremdherrschaft.

Des Kambyses Härte und namentlich die Anfeindung ihrer Religion begründeten den tödlichen Haß der Ägypter gegen die Perser, der sich in stets wiederholten Aufständen entlud. Durch einen solchen gewann das Land 405 seine Unabhängigkeit wieder und stand nun nochmals unter einheimischen Dynastien, bis es 340 zum zweitenmal von den Persern unter Ochos erobert wurde. Im J. 332 vertauschte es die persische Herrschaft mit der Alexanders d. Gr. und blieb bis 305 unter makedonischer Oberhoheit. Damals nahm der makedonische Statthalter Ptolemäos, des Lagos Sohn, den Königstitel an, und es begann damit die griechische Herrschaft der Ptolemäer (s. d.). Das altägyptische Wesen ging seitdem schnell seinem Verfall entgegen. Vieles von seinem Geistesleben nahm der Hellenismus in sich auf. Alexandria wurde der Mittelpunkt griechischer Gelehrsamkeit, aber auch Hauptsitz eines maßlos gesteigerten Luxus. Unter den Künsten blühte besonders die Baukunst fort, und großartige Bauten in Denderah, Theben, Philä etc. zeigen, daß man auch damals noch dem altägyptischen Baustil möglichst treu blieb. Die Sittenlosigkeit der Herrscherfamilie beschleunigte den Verfall des Staats, und durch Kleopatras Ränke erreichte diese letzte Epoche äußerlicher Unabhängigkeit Ägyptens ihr Ende. Die Schlacht bei Aktion (31 v. Chr.) entschied die Einverleibung Ägyptens in das römische Reich (30 v. Chr.). Augustus behandelte das als "Kornkammer" wichtige Ä. wie eine Domäne und stellte es unter eine besonders sorgfältige Ausnahmeverwaltung. Noch einige Male während