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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Albanien; Albano

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Albanien - Albano.

Ihr Reich, dessen Hauptstadt Albana am Kaspischen Meer war, wurde erst im 10. Jahrh. durch türkisch-tatarische Stämme gestürzt.

Albanien, ein mehr ethnographischer als geographischer Begriff, welcher das ganz oder hauptsächlich von Albanesen (s. d.) bewohnte Land, d. h. die türkischen Wilajets Skutari, Janina und Teile von Kossowo und Saloniki, bezeichnet. Albanesen aber wohnen nördlich bis an die Grenze Montenegros, bis Novibazar und an Nisch heran, südwärts bis etwa zum 40. Breitengrad (mit Griechen gemischt längs der Küste bis 39° 12') und von der Küste des Adriatischen Meers östlich bis Bitolia, Üskub und Leskowatz. Außerdem hat man sich gewöhnt, in A. auch den griechischen Süden und Osten von Epirus einzurechnen. Über die physikalische Geographie des türkischen A. vgl. Türkisches Reich, mit Karte.

Geschichte. Im Altertum hieß A. Illyrien, und seine Bewohner, welche Indogermanen waren und Illyrier hießen, während der Name Albanesen (Albani) auf einen kleinen Gau beschränkt blieb, waren als wild und kriegerisch gefürchtet. Von der Küste her drang griechische Kultur ein, wie noch zahlreiche Trümmer bezeugen. Unter König Pyrrhos spielte das Land kurze Zeit in der Geschichte eine Rolle, dann ward es, in viele kleinere Gemeinwesen zersplittert, von Makedonien abhängig. Um 200 v. Chr. begann die Unterwerfung des Landes durch die Römer. Zahlreiche Pflanzstädte erhoben sich an den Küsten; Apollonia (jetzt Polina) ward der Sitz der Wissenschaften, Dyrrhachium durch Handel groß und reich. In den Gebirgen aber erhielten sich die alte Sprache und das alte Volk. In der Völkerwanderung verschwand auch in A. die römische Herrschaft. Völlige Barbarei führten die im 7., 8. und 9. Jahrh. eindringenden slawischen Völkerscharen zurück, unter deren Herrschaft ein großer Teil der Bevölkerung namentlich im Norden slawisiert wurde. Um 870 ward Ochrida (das alte Lychnidos) die Residenz eines Bulgarenfürsten. Erst nach dem Sturz der Slawenherrschaft (1018) nahmen die Reste der alten Bevölkerung wieder Besitz vom Land. Mit dem byzantinischen Reich lag das unruhige und räuberische Volk fast fortwährend in Krieg. Dann folgten langwierige Kämpfe mit den Türken. Schon um 1380 stritten die Albanesen mit den Slawen und Ungarn vereinigt für das Evangelium gegen den Islam; in der furchtbaren Schlacht bei Kossova (1389) verblutete der Kern des albanesischen Heers. Viele albanesische Stämme wanderten in die verheerten, menschenleeren Gegenden Attikas, Thessaliens und des Peloponnes aus und gründeten zahlreiche albanesische Pflanzstädte, die später den Türken unter Bajesid und Murad tapfern Widerstand leisteten. Die Glanzzeit der albanesischen Geschichte damaliger Zeiten knüpft sich an den Namen Skanderbegs, welcher kühne Fürst 25 Jahre lang (von 1443 bis 1467) mit ebensoviel Heldenmut wie Glück gegen die ganze Macht der Türken kämpfte, während sein Schwiegervater Acatina Topia den Süden Albaniens schirmte. Selbst nach Skanderbegs Tod wehrten sich die Albanesen noch geraume Zeit gegen die Türken; ihre Verteidigung von Skutari ist berühmt und ihre letzte, größte Waffenthat jener Periode. Durch den 1478 zwischen den Türken und Venezianern geschlossenen Frieden ward A. türkische Provinz, doch konnte das Land nie völlig beruhigt werden. Seit der Mitte des 17. Jahrh. griff der Islam in dem bisher christlichen A. mehr und mehr um sich. Auch drängten sich die Albanesen bald zum türkischen Kriegsdienst und bildeten, zumal nachdem die Janitscharen zu Haustruppen herabgesunken waren, den Kern der türkischen Armee. Die tapfersten türkischen Heerführer waren meist Albanesen. Auch zu den höhern Zivilstellen des Reichs gelangten Albanesen immer häufiger. Als 1770 die Russen den Aufstand der Griechen gegen die Türken anfachten, sandten die letztern gegen das unglückliche Nachbarvolk die Albanesen, welche ihrem uralten Haß gegen die Griechen und ihrer Mordlust vollen Lauf ließen. Ali, der Fürst von Tepelen, begann um diese Zeit seine merkwürdige Laufbahn. Nach und nach brachte er ganz A. unter seine Herrschaft. Als er sich aber, um als vollkommener Despot herrschen zu können, durch Mord und Verrat seiner albanesischen Freunde zu entledigen trachtete, traten diese auf die Seite der Türken, und so ward seine Macht (1822) schnell wieder gebrochen. Alis 40jähriger, fast ununterbrochener Kampf zur Befestigung seiner Herrschaft hatte das ohnehin so kriegerische Volk indes so sehr an das wilde Kriegsleben gewöhnt, daß, als nach des Despoten Sturz die griechische Revolution ausbrach, es die neue Gelegenheit zu Raub und Plünderung mit Eifer ergriff. Die mohammedanischen Albanesen traten auf die Seite der Türken, die christlichen, besonders die in den südlichen Gebirgen wohnenden Armatolen und Klephthen (namentlich die Sulioten), auf die der Griechen. In diesem langen Kampf mit ihren mohammedanischen Brüdern gingen die christlichen Albanesen größtenteils zu Grunde. Nach der Schlacht bei Navarino und der Anerkennung der griechischen Unabhängigkeit wendete sich die wilde Thatenlust der Albanesen gegen die Türken. Unter Arslan Bei und Mustafa, Pascha von Skutari, erhoben sie die Fahne des Aufstands. Der Pascha von Bagdad, Daud, ward mit in den Bund gezogen, und Mehemed Ali schürte von Kairo aus das Feuer mit Gold. Das Reich sollte von allen Seiten angegriffen werden. Da erschien Reschid Pascha, nachdem er in Adrianopel mit Rußland Frieden geschlossen, 1829 mit dem ganzen türkischen Heer. Verrat bahnte ihm den Weg zum Ziel; er lud die Häuptlinge der Albanesen nach Monastir zu gütlicher Ausgleichung der Streitpunkte, indem er für sicheres Geleit sein Ehrenwort verpfändet hatte, und die Arglosen gingen in die Falle. 400 Häuptlinge kamen mit starkem Gefolge, wurden aber bei den ihnen zu Ehren veranstalteten Festen niedergemacht, worauf rasch und leicht die Unterwerfung des Landes folgte. Ein abermaliger Aufstand der mohammedanischen Bevölkerung wütete seit 1843 in A. infolge der angeordneten Truppenaushebung. Derselbe breitete sich rasch über die Gebirgsgegenden von Rumelien bis nach der Bulgarei aus. Omer Pascha aber schlug die Albanesen zunächst bei Kaplanly und unterwarf durch das Treffen von Kalkandelen und die Eroberung von Prischtina die ganze Provinz. Ein neuer Aufstand im Sommer 1847 wurde bald unterdrückt. Im J. 1879 widersetzten sich die nördlichen Stämme der Albanesen den durch den Berliner Frieden festgesetzten Abtretungen von Teilen Albaniens an Serbien und Montenegro und empörten sich, um sie zu hindern, sogar gegen die türkische Regierung, wurden aber 1880 und 1881 von Derwisch Pascha zur Unterwerfung gezwungen. Vgl. Gopcevic ^[Gopčević], Oberalbanien und seine Liga (Leipz. 1881), und die Litteratur bei Albanesen.

Albano (A. Laziale), Stadt in der ital. Provinz Rom, südöstlich von Rom, in herrlicher Gegend am Albanersee und an der Eisenbahn Rom-Neapel, ein verarmter Ort, aber gut gebaut, hat eine prächtige Kathedrale und (1881) 6560 Einw., die sich vorzugs-^[folgende Seite]