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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Albergati Capacelli; Albergen; Albéri; Alberich; Albernheit; Alberōni

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Albergati Capacelli - Alberoni.

Litteraturgeschichte und schrieb französisch: "De la littérature neérlandaise à ses différentes époques" (1854). Als Dichter zuweilen den besten seiner Zeitgenossen gleichkommend, steht er in der historischen Erzählung oder novellenartig-historischen Skizze als anerkannter Meister da. Diese Erzählungen erschienen gesammelt als "Verspreide Verhalen in proza" (Amsterd. 1879-83, Bd. 1-3). Noch hat man von ihm eine sehr geschätzte Sammlung niederländischer Gedichte von 1150 bis 1655 (Amsterd. 1850-52) und einzelne Schriften über kirchliche Kunst ("De heilige linie", 1858, u. a.).

Albergati Capacelli (spr. -tschelli), Francesco, ital. Lustspieldichter, geb. 29. April 1728 zu Bologna aus einer alten Patrizierfamilie, widmete seine Zeit und sein Vermögen ganz der Pflege der dramatischen Kunst. Auf seinem Landgut Zola und in seinem Haus in Bologna hatte er Privattheater errichtet, auf welchen er selbst mit seinen Freunden spielte, und für welche er auch zunächst seine eignen Stücke schrieb, die jedoch bald allgemeiner bekannt und beliebt wurden. Da er in einem Anfall von Eifersucht seine Frau getötet hatte, mußte er 1785 flüchten und kehrte erst nach mehrjährigem Aufenthalt in verschiedenen Städten nach Zola zurück, wo er 16. März 1804 starb. Seine Lustspiele, unter welchen "Il saggio amico" und "Il ciarlatore maldicente" sich bis heute auf der italienischen Bühne erhalten haben, erschienen gesammelt (Vened. 1783-85, 12 Bde.). Auch hat man von ihm "Novelle morali" (Bol. 1783, 2 Bde.). Vgl. Masi, La vita, il tempo, gli amici di F. A. (Bol. 1878).

Albergen, s. Aprikosenbaum.

Albéri, Eugenio, ital. Geschichtschreiber, geb. 1. Okt. 1817 zu Padua als der Sohn eines Professors der Malerei, der wenige Jahre darauf an die Akademie zu Bologna berufen ward, studierte hier und in Padua und trat, kaum 23 Jahre alt, mit dem Werk "Guerre d'Italia del principe Eugenio di Savoia" (Flor. 1839; 2. Ausg., Tur. 1840) hervor, das großes Aufsehen erregte und seine umfassenden militärischen Kenntnisse wie seine historische Bildung bewundern ließ. Außerdem veröffentlichte er: "Vita di Caterina de' Medici" (1838), "Relazioni degli ambasciatori veneti al senato" (1839) und eine italienische, mit Noten versehene Bearbeitung von H. Leos "Geschichte der italienischen Staaten"; ferner gab er Galileis Werke mit Kommentar (1843) heraus und lieferte zahlreiche Artikel in das "Archivio storico italiano" von Florenz, wohin er 1836 von Bologna übergesiedelt war. Im J. 1843 begründete er das "Annuario storico universale". In allen seinen Schriften vertrat A. die liberale Richtung, als er aber 1859 eine gewünschte Professur an der Universität zu Florenz nicht erhielt, trat er auf die Seite der reaktionären Opposition gegen die Regierung. In diesem Sinn ist auch sein letztes Werk: "Il problema dell' umano destino" (1872), abgefaßt. Er starb im Juni 1878 in Vichy.

Alberich 1) A. I., ein lombard. Abenteurer des 10. Jahrh., schwang sich zum Markgrafen von Camerino auf, ward durch die berüchtigte Gewalthaberin Theodora (s. d.) nach Rom gezogen und mit deren Tochter Marozia vermählt und gewann 14. Juni 916 über die Mohammedaner am Garigliano einen glänzenden Sieg. Er wurde hierauf zum Konsul der Römer ernannt, aber wegen seiner despotischen Herrschaft vertrieben und erschlagen (925).

2) A. II., Sohn des vorigen und der Marozia, vertrieb seinen Stiefvater, König Hugo von Italien, ließ seine Mutter einkerkern (932) und bemächtigte sich mit Hilfe des Volks als "Fürst und Senator aller Römer" der Herrschaft über Rom, die er nach Art der altgriechischen Tyrannen führte; energisch, jung, kräftig, furchtbar gegen seine Feinde, fesselte er alles an sich. In dieser Stellung behauptete sich A. 20 Jahre, während deren über Rom die ärgste Sittenverderbnis hereinbrach und A. über das Papsttum wie über ein von ihm allein abhängiges Amt verfügte. Später leistete er, um gegen Berengar von Ivrea gesichert zu sein, dem Kaiser Otto I. von Deutschland in seinem Bemühen, Oberitalien zu gewinnen, Vorschub, starb aber 954, nachdem er die Römer hatte schwören lassen, seinen Sohn Octavianus (als Papst Johann XII.) zum Papst zu wählen, um so die päpstliche und weltliche Herrschaft zu vereinigen.

Alberich, Elfenkönig, s. Elfen.

Albernheit, entweder ein hoher Grad von Einfalt oder Dummheit als beharrliche Eigenschaft einer Person, oder eine einzelne Äußerung oder Handlung, an welcher das Merkmal des Unverstands auffallend hervortritt.

Alberōni, Giulio, Kardinal und span. Staatsminister unter Philipp V. von Spanien, geb. 21. Mai 1664 zu Fiorenzuola unweit Piacenza als Sohn eines armen Weingärtners, ward in einer Klosterschule zu Piacenza unterrichtet, erhielt später die Stelle eines Kirchendieners an der Domkirche daselbst und dann die Priesterweihe. Der Bischof Roncoveri schenkte ihm seine Gunst, übertrug ihm die Erziehung seines Neffen und empfahl ihn dem Herzog von Parma, der ihn als französischen Dolmetsch bei seinen Verhandlungen mit Vendôme, dem Befehlshaber des französischen Heers in Italien im spanischen Erbfolgekrieg, gebrauchte. Vendôme schätzte ihn als witzigen Gesellschafter und als Kochkünstler und nahm ihn 1706 mit nach Paris, 1711 nach Spanien. Nach dem Tod seines Gönners ernannte ihn der Herzog von Parma zu seinem Geschäftsträger in Madrid. Hier gelang es ihm 1714, die Vermählung Philipps V. mit Elisabeth Farnese (s. Elisabeth), der Nichte des Herzogs von Parma, zu stande zu bringen. Die Folge dieser Heirat war der Sturz der bisher am spanischen Hof allmächtigen Prinzessin Orsini und Alberonis Erhebung zum Ratgeber der Königin und des Ministers del Giudice, an dessen Stelle er 1717 trat, nachdem er vom Papst zum Kardinal ernannt worden war. Von jetzt an regierte A. im Einverständnis mit der Königin unumschränkt. Er hatte bei seiner Verwaltung zunächst die innere Hebung und Kräftigung der Nation im Auge. Er stellte die eingerissene Unordnung im Finanzwesen ab, brachte Einheit und Kraft in die Regierung, beschränkte die Steuerfreiheit des Klerus, vernichtete zu gunsten einer aufgeklärten Autokratie die provinziellen Freiheiten, belebte die Industrie durch Ansiedelung ausländischer Arbeiter und hob den Handel; er verbesserte das Kriegswesen, schuf eine neue Flotte, legte Gewehrfabriken an, setzte die Festungen in guten Stand und führte Zucht und Ordnung ins Heer zurück. Die Mittel hierzu schuf er sich durch kluge Ersparnisse, indem er die übergroße Zahl der Beamten verringerte, nicht durch neue Steuern. Diese Erfolge vernichtete er aber wieder durch eine abenteuerliche auswärtige Politik. Von den Wünschen der Königin, welche ihren von der spanischen Thronfolge ausgeschlossenen Kindern auswärtige Throne verschaffen wollte, sowie von eignem Ehrgeiz verleitet, faßte er den Plan, Mailand, Neapel, Sizilien und Sardinien für Spanien zu erobern. Er rüstete eine mächtige Flotte und ein starkes Heer und ließ plötzlich (1717) Sardinien besetzen. Gegen