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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aldebaran; Aldegonde; Aldegrever; Aldehyd; Aldehyde; Aldehydgrün; Aldeia Galléga; Aldenhoven; Alderman; Alderney

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Aldebaran - Alderney.

Aldebaran, Stern erster Größe im Auge des Stiers, mit mattem rötlichen Licht, gehört scheinbar zur Gruppe der Hyaden, weicht aber in seinen Bewegungserscheinungen von den übrigen Sternen dieser Gruppe ab. An ihm, dem Arcturus und Sirius entdeckte Halley die Eigenbewegung der Fixsterne.

Aldegonde, Philipp von Marnix, Herr von Sainte-A., s. Marnix.

Aldegrever, Heinrich, deutscher Maler, Goldschmied und Kupferstecher, geb. 1502 zu Soest (oder Paderborn), bildete sich nach Albrecht Dürer, dessen Zeichnung er besonders in seinen zahlreichen Kupferstichen (ca. 300) nachahmte. Unter seinen Gemälden stehen seine lebensvollen, wenn auch in der Farbe etwas trocknen und harten Bildnisse obenan, welche sich in der herben, strengen Charakteristik ebenfalls an die Ausdrucksweise Dürers anschließen. Solche Bildnisse, die sein Monogramm und Jahreszahlen tragen, befinden sich im Museum zu Breslau (1535), im Museum zu Braunschweig (1541), in der Galerie Liechtenstein in Wien (1544) und in der Berliner Galerie (1551). Die ihm zugeschriebenen biblischen Bilder sind zweifelhaft. In seinen technisch vorzüglichen, aber künstlerisch wenig geschmackvollen Kupferstichen behandelte er Stoffe aus dem Alten und Neuen Testament, aus der Mythologie und mit besonderm Glück das Sittenbild (zwei Folgen von Hochzeitstänzern) und das Porträt (Bildnisse der Wiedertäufer). Von dauerndem Wert sind seine Ornamentstiche (Vorlagen für Dolchscheiden, Schmucksachen etc.), die im Stil der Renaissance gehalten sind (41 sind in Lichtdrucken von Obernetter, Münch. 1876, erschienen). A., der sich auch Alde Grave nannte, lebte noch 1555. Er gehört zu den sogen. "Kleinmeistern".

Aldehyd (Acetylaldehyd C2H4O ^[C_{2}H_{4}O]) findet sich im Vorlauf von der Spiritusrektifikation, in den Destillationsprodukten der Runkelrübenmelasse, im Wein und Obstwein, entsteht bei der Oxydation von Alkohol und wird dargestellt, indem man saures chromsaures Kali mit einer kalten Mischung von Weingeist, Schwefelsäure und Wasser in einer gut gekühlten Retorte übergießt, dann die Kältemischung entfernt, die sich entwickelnden Dämpfe durch einen aufwärts gerichteten Kühlapparat in wasserfreien Äther leitet, diesen mit Ammoniak sättigt und die ausgeschiedenen Kristalle von Aldehydammoniak mit verdünnter Schwefelsäure destilliert. Gegenwärtig wird A. ausschließlich aus dem Vorlauf der Spiritusfabriken durch fraktionierte Destillation gewonnen. A. ist eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,80, riecht ätherartig erstickend, mischt sich mit Wasser, Alkohol und Äther, ist höchst flüchtig und sehr leicht entzündlich, siedet bei 21°, brennt mit leuchtender Flamme, reagiert neutral, nimmt aber sehr begierig Sauerstoff auf und geht daher an der Luft schnell in Essigsäure über. Er bildet mit Ammoniak eine kristallisierende Verbindung (Aldehydammoniak), ebenso mit saurem schwefligsaurem Natron und kann aus beiden durch Destillation mit Säuren wieder abgeschieden werden (Reinigung des Aldehyds). Setzt man zu A. etwas Ammoniak und dann satpetersaures Silberoxyd, so bedeckt sich das Gefäß mit einem schönen Silberspiegel. A. ist Alkohol C2H6O ^[C_{2}H_{6}O] minus Wasserstoff, daher der Name: Al(cohol) dehyd(rogenatum), und durch Wasserstoff im Entstehungsmoment geht er wieder in Alkohol über. Man benutzt A. zur Darstellung von Teerfarben, Krotonchloral und Silberspiegeln und als Zusatz zu Fruchtäthern. Auch ist er zur Konservierung der Nahrungsmittel tauglich, weil er energisch Sauerstoff absorbiert und dabei in ebenfalls konservierende Essigsäure übergeht.

Aldehyde, eine Klasse chemischer Verbindungen, welche aus Alkoholen durch Austritt von Wasserstoff entstehen und durch Aufnahme von Sauerstoff in die zu dem Alkohol gehörige Säure übergehen. Einige A. kommen in der Natur vor, z. B. Cuminaldehyd im Römischkümmelöl, Cinnamylaldehyd im Zimtöl; Eiweißkörper und Gelatine liefern A. durch Oxydation, am häufigsten aber werden A. durch Oxydation der Alkohole gebildet. Aus Säuren kann man sie erhalten, indem man deren Kalksalz mit ameisensaurem Kalk destilliert. Sie bestehen aus einem Alkoholradikal und der Atomgruppe CHO, z. B. Acetaldehyd CH3.CHO. Es sind meist flüchtige, leicht oxydierbare Körper, welche sich durch große Beweglichkeit des Moleküls auszeichnen; sie bilden mit sauren schwefligsauren Alkalien kristallinische Verbindungen, aus denen durch Destillation mit Säuren oder Alkalien der Aldehyd rein gewonnen werden kann. Auch mit Ammoniak verbinden sich die A. und bilden verschiedenartige Körper, durch Natriumamalgam werden sie bei Gegenwart von Wasser zu Alkoholen reduziert, aus ammoniakalischer Silberlösung scheiden sie metallisches Silber ab, welches die Gefäßwandung spiegelnd bekleidet.

Aldehydgrün, s. Anilin.

Aldeia Galléga, Stadt in der portug. Provinz Estremadura, Distrikt Lissabon, mit (1878) 5487 Einw. und prachtvoller Aussicht auf die Bai von Lissabon.

Aldenhoven, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Aachen, Kreis Jülich, mit Amtsgericht und (1880) 1093 kath. Einwohnern. Am 1. März 1793 schlugen hier die Österreicher unter dem Prinzen Josias von Koburg die Franzosen unter Dumouriez, wodurch der von den letztern beabsichtigte Einfall in Holland vereitelt wurde. Am 2. Okt. 1794 fand eine zweite Schlacht statt, in welcher die Franzosen unter Jourdan über die Österreicher siegten.

Alderman (spr. ahlderman; angelsächs. Aldorman, "Ältester"), im Angelsächsischen Vorsteher einer Genossenschaft, besonders aber Titel der Oberbeamten der Kreise oder Grafschaften (shires) und der Ältesten (senatores) des Reichs, die, anfangs von den Königen ernannt, dann von den Freigutsbesitzern erwählt, in den Volksversammlungen (witena-gemot) stimmten und in Kriegszeiten die Miliz ihrer Grafschaften zu führen pflegten. Nach der dänischen Eroberung wurde der Name durch den der dänischen Jarls (Carls) verdrängt. Jetzt bilden in den Städten Großbritanniens und zum Teil auch in denen der Vereinigten Staaten von Nordamerika die Aldermen den vierten Teil des Stadtrats, an dessen Spitze der Mayor (in London, York und Dublin Lord-Mayor) steht, der aus den Aldermen auf ein Jahr gewählt wird, während diese selbst von den Stadtverordneten, welche die übrigen drei Viertel des Stadtrats bilden, in London aber direkt von den Wahlberechtigten eines jeden Stadtviertels (ward) gewählt werden. Ihre Funktionen bestehen vornehmlich in der polizeilichen Oberaufsicht über den Distrikt, den sie repräsentieren. Die drei ältesten unter ihnen sowie die, welche bereits die Würde des Mayors bekleidet haben, fungieren zugleich als Friedensrichter.

Alderney (spr. allderni; franz. Aurigny, das alte Arica oder Riduna), engl. Felseninsel im Kanal, an der französischen Küste westlich vom Kap de la Hague, die nördlichste der englischen Kanalinseln, 16 qkm groß mit 2700 Einw., die einen aus dem Englischen und Französischen gemischten Dialekt