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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alfons

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Alfons (Kastilien, Neapel).

druck hatte 888 eine Empörung zur Folge, an deren Spitze A.' eigner Sohn Garcias stand. Als dieselbe unterdrückt und Garcias eingekerkert war, reizte dessen Mutter Jimene von Navarra die Brüder zu neuem Aufstand, in welchem A. unterlag, worauf er sein Reich unter seine drei Söhne verteilen mußte. Später rettete A. durch einen Sieg noch einmal das Reich gegen die einfallenden Mauren. Er starb 910 in Zamora.

[Könige von Kastilien.] 8) A. VI., 1072-1109, folgte seinem Bruder Sancho II., der ihn aus dem von seinem Vater Fernando ihm verliehenen Reich Leon und Asturien vertrieben hatte, nach dessen Ermordung in der Herrschaft über Kastilien, Asturien und Leon, teilte sich 1076 mit dem König von Aragonien in Navarra, kämpfte glücklich gegen die Mauren, eroberte 1085 Toledo, wodurch er sich den Ehrennamen "Spaniens Schild" erwarb, unterlag aber 1086 in der Schlacht bei Salaka und starb nach der Niederlage und dem Tod seines Sohns Sancho 1108 bei Ucles im nächsten Jahr (1109), indem er den Sohn seiner Tochter Urraca, Alfons, zum Nachfolger bestimmte. Seine Regierung war weise und gerecht; er führte eine vortreffliche Rechtspflege ein, gab den Städten große Rechte und Freiheiten und begründete in Spanien das römisch-hierarchische Kirchensystem.

9) A. VII., Raimundez, 1122-57, auch als A. VIII. bezeichnet, war der Enkel des vorigen, der Sohn von dessen Tochter Urraca aus ihrer ersten Ehe mit dem Grafen Raimund von Burgund. Er sollte seinem Großvater Alfons VI. in Kastilien und Leon als König folgen. Doch wurde er von Urracas zweitem Gemahl, Alfons I. von Aragonien, auf Galicien beschränkt. Als aber Urraca mit ihrem Gemahlin Streit geriet, reizte sie den kastilischen Adel, sich zu erheben und A. 1122 zum König auszurufen. Nach einem langwierigen Krieg behauptete sich A. gegen seinen Stiefvater und behielt bei der Teilung 1127 Kastilien, Leon, Asturien und Galicien; nur seinen Anteil an Navarra trat er an Aragonien ab. Er nannte sich fortan Kaiser von Spanien. Danach ordnete A. den Staat und kämpfte glücklich gegen die Mauren, so namentlich 1134 im Bund mit Aragonien und Navarra. Im J. 1147 wurden die Mauren zurückgedrängt, Calatrava, Almeria fielen, und von den übrigen christlichen Fürsten unterstützt, erfocht A. bei Jaen einen neuen glänzenden Sieg über die Mauren. Unter Entwürfen zur gänzlichen Zerstörung des Maurenreichs in Spanien starb er 1157.

10) A. VIII. (IX.), der Edle, Sohn Sanchos III., 1170-1214, Schwiegersohn Heinrichs II. von England, verband sich nach Beilegung der Fehden mit Aragonien und Navarra 1193 mit den Königen von Leon und Navarra gegen die Mauren, erlitt jedoch bei Alarcos (1195) eine große Niederlage. Nachdem er den König von Navarra, der inzwischen in Kastilien eingefallen war, zurückgetrieben hatte, überschritt er wieder die Sierra Morena und schlug die Mauren 1212 bei Tolosa. Unter großen Rüstungen starb er 1214.

11) A. X., der Astronom, der Weise (el Sabio) der Philosoph genannt, Sohn Ferdinands III. des Heiligen, geb. 1226, kam 1252-82 in Kastilien und Leon zur Herrschaft, erlangte 1257 die deutsche Königskrone, wenngleich er Deutschland nie besucht hat, und suchte auch Erbansprüche auf Schwaben, von seiner Mutter Beatrix, Philipps von Schwaben Tochter, her, geltend zu machen. Unterstützt von Aragonien, Katalonien und Valencia, schlug er die Mauren, eroberte Jeres, Medina Sidonia, San Lucar, Cadiz, einen Teil von Algarbien und vereinigte Murcia mit Kastilien. Doch belastete er das Volk mit schweren Steuern und beschwor 1275 durch die Bestimmung, daß nicht die Söhne seines ältesten Sohns, Ferdinand, sondern sein zweiter Sohn, Sancho, ihm auf dem Thron folgen sollte, einen verderblichen Bürgerzwist und einen Krieg mit Frankreich herauf, da der französische König Philipp III. sich seiner Schwester Blanka, der Witwe Ferdinands, und ihrer Kinder annahm. Als schließlich A. zu gunsten seiner Enkel eine Teilung des Reichs vornehmen wollte, empörten sich sein Sohn Sancho und die kastilischen Großen und entthronten 1282 A., der nach mehreren vergeblichen Versuchen zur Wiedererlangung des Throns als Flüchtling 4. April 1284 in Sevilla starb. A. ist der Begründer der kastilischen Nationallitteratur. Er beendigte die von Ferdinand III. begonnene Gesetzsammlung "Leyes de las partidas", welche 1501 allgemeines Landrecht wurde. Um die Sternkunde machte er sich hochverdient durch Verbesserung der Ptolemäischen Planetentafeln, welche nach ihm die Alfonsinischen (s. Alfonsinische Tafeln) genannt wurden (1252); er verwandte darauf 40,000 Dukaten. Ferner ließ er von seinen Historiographen die erste allgemeine Geschichte von Spanien in kastilischer Sprache zusammenstellen, von Juden das Alte Testament zu Toledo ins Spanische übersetzen und die öffentlichen Urkunden in der Landessprache abfassen. Auch klassische Werke über Astronomie, Mathematik und Philosophie ließ er ins Kastilische übersetzen. A. war selbst Dichter und Schriftsteller; mehrere größere Gedichte, auch ein chemisches und ein philosophisches Werk sind von ihm vorhanden. Die königliche Akademie veranstaltete eine Ausgabe seiner "Opusculos legales" (Madr. 1836). Vgl. Busson, Das römische Königtum A.' X. von Kastilien (Münst. 1866).

12) A. XI., 1312-50, König von Kastilien und Leon, war beim Tod seines Vaters Ferdinand IV. erst zwei Jahre alt. Während sein Oheim Peter und sein Großoheim Johann um die Vormundschaft stritten, fielen die Mauren ins Reich ein. Als beide Vormünder in der Schlacht bei Tiscar 1319 gefallen waren, ergriff A., kaum 15jährig, die Regierung mit starker Hand, stellte durch blutige Strenge (daher Rächer genannt) das königliche Ansehen und die Ruhe im Land her, schützte die Grenzen und machte den mächtigen Mohammed V. von Granada tributpflichtig. Diesem kam aus Afrika Abul Hassan mit einem gewaltigen Heer und einer großen Flotte zu Hilfe, und die Mauren Spaniens strömten ihm in Scharen zu. Um das bedrängte wichtige Tarifa zu retten, brach A. mit 18,000 Reitern und 40,000 Mann Fußvolk, zum Teil verbündeten Portugiesen, aus Sevilla auf und schlug die ihm entgegenziehenden Mauren am Flüßchen Salado 30. Okt. 1340 aufs Haupt. Nach zwei Siegen der kastilischen Flotte an der afrikanischen Küste fiel eine Menge fester Plätze Granadas, darunter Algeziras, seitdem der Hauptstützpunkt der Unternehmungen der Christen gegen Afrika. Mitten in seinen Rüstungen zur völligen Vertreibung der Mauren aus Spanien starb A. bei der Belagerung von Gibraltar an der Pest 1350.

[Neapel und Sizilien.] 13) A. II., König von Neapel und Sizilien, Sohn und Nachfolger Ferdinands I., erhielt das Herzogtum Kalabrien, kämpfte im Bund mit dem Papst und Venedig gegen den Fürsten von Rimini, Robert Malatesta, und eroberte 1481 das von den Türken genommene Otranto wieder. Nach dem Tod seines Vaters folgte er 25. Jan.