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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Alleinhandel - Allendorf.

"schnell" erhalten, so daß es heute in Zusammensetzungen allgemein gebraucht wird, die gegenüber der italienischen Wortbedeutung pleonastisch oder geradezu sinnlos erscheinen, z. B. a. giojoso ("lustig-lustig"), a. irato ("lustig-zornig"). Wie man von einem Adagio als einem langsamen Satz ganz allgemein spricht, so hat auch das Wort A. die allgemeine Bedeutung eines schnell bewegten Satzes erhalten, und man nennt daher z. B. einen ersten Symphoniesatz ein A., auch wenn derselbe vielleicht mit Vivace oder Con fuoco überschrieben ist. Der selten gebrauchte Superlativ Allegrissimo steht in der Bedeutung etwa mit Presto gleich.

Alleinhandel, s. Monopol.

All-Einheitslehre, in quantitativer Hinsicht die Lehre von der Einzigkeit (quantitativer Monismus), in qualitativer die Lehre von der Einerleiheit des Seienden (qualitativer Monismus). Dieselbe ist in ersterer Hinsicht dem (metaphysischen) Pluralismus (inkl. Dualismus), in letzterer dem (qualitativen) Dualismus (nach welchem Körper und Geist verschiedene Substanzen sind) entgegengesetzt.

Alleinherrschaft, s. Monarchie.

Alleinseligmachende Kirche, Name, welchen die katholische Kirche sich beilegt, indem sie erklärt, daß außerhalb ihres Verbands niemand selig werden könne. Schon Tertullian (s. d.) verglich die Kirche mit der allein rettenden Arche Noahs; Origenes und Cyprianus sprachen den Satz aus: "Außerhalb der (katholischen) Kirche wird niemand selig", welcher dann, nachdem das hierarchische Moment Eingang gefunden hatte, und im Gegensatz zu den Irrlehren der Heterodoxie durch Augustin, Leo d. Gr. und Gregor d. Gr. auf den äußerlichen, organisierten Verband der katholischen Kirche und die Unterwerfung unter den römischen Bischof als legitimen Oberhirten der Kirche bezogen ward und noch jetzt als Dogma festgehalten wird, so daß alle Nichtkatholiken nach katholischem Dogma verdammt sind und Milderungen dieser Lehre, wie sie neuerdings selbst von Katholiken aufgestellt wurden, der orthodoxen Lehre der Kirche widerstreiten. Auch der orthodox-lutherische Lehrbegriff nahm für seine Kirche alleinseligmachende Kraft in Anspruch, wiewohl man sich scheute, die letzten Konsequenzen daraus zu ziehen.

Allelodidaktisch (griech.), auf den gegenseitigen Unterricht gegründet, ihn anwendend.

Allemagne (franz., spr. allmannj), Deutschland.

Allemand, L', Maler, s. L'Allemand.

Allemande (spr. allmāngd'), bekannter deutscher Nationaltanz im 2/4-, auch ¾- oder ⅜-Takt, mit dem Ausdruck ruhiger Fröhlichkeit (Dreher). In Schwaben und der Vorderschweiz noch jetzt beliebt, besteht die A. aus drei Pas marchés, die geschleift werden, und erfordert zu ihrer Ausführung besondere Grazie. Die Tanzmanier, besonders begünstigt unter Ludwig XIV. und später unter Napoleon I. auf der Pariser Bühne als Ballettproduktion sehr in Mode, findet man schon im Mittelalter in Spanien. Außerdem bezeichnet A. ein nicht zum Tanzen bestimmtes Tonstück von mäßiger, behaglicher Bewegung im 4/4-Takte, das einen der Hauptteile der ältern französischen Suite (s. d.) bildet.

Allen, See, s. Shannon.

Allen, 1) Ethan, amerikan. Freiheitskämpfer, geb. 10. Jan. 1738 zu Litchfield in Connecticut, von wo seine Eltern bald nach seiner Geburt nach Cornwall in Vermont auswanderten, wurde beim Ausbruch der Revolution Oberst einer Abteilung Vermonter und führte als seine erste Waffenthat die Einnahme von Ticonderoga aus (10. Mai 1775). Darauf der Armee des Generals Schuyler sich anschließend, leistete er bei Montgomerys Expedition nach Kanada treffliche Dienste, geriet aber bei einem verunglückten Handstreich auf Montreal in die Hände der Briten, die ihn als Gefangenen nach England schickten und erst 1778 gegen den Obersten Campbell auswechselten. Als in Vermont die alten Kolonialunruhen wieder ausbrachen, wurde A. zum General der Staatsmiliz und später zum Abgesandten an den Kongreß ernannt, bei dem er es durchsetzte, daß Vermont als ein besonderer Staat angesehen wurde. Er war dann längere Zeit Mitglied der Legislatur dieses Staats und starb 13. Febr. 1789. A. hat verschiedene Werke politischen Charakters und auch eine heftige Schrift gegen die geoffenbarte Religion ("Reason the only oracle of man", 1784; neue Ausg., Bost. 1854) verfaßt. Sein Leben beschrieb De Puy (Buffalo 1853).

2) Charles, amerikan. Staatsmann und Rechtsgelehrter, geb. 9. Aug. 1797 zu Worcester in Massachusetts, begann seine politische Laufbahn 1829 als Mitglied der Legislatur seines Geburtsstaats, nahm 1848 in hervorragender Weise an der Freibodenbewegung (free-soil movement) teil, wurde wiederholt in den Kongreß gewählt und bekämpfte die Politik der südlichen Sklavenhalter. Beim Ausbruch des Sezessionskriegs war er ein Mitglied des Friedenskongresses (1861). Er starb 6. Aug. 1869 in Worcester.

3) David Oliver, amerikan. Missionär, geb. 1800 zu Barre in Massachusetts, zeichnete sich durch seine wirksame Missionsthätigkeit in Ostindien aus. Sein Werk "History of India, ancient and modern" (Bost. 1856) hat bleibenden Wert. A. starb 17. Juli 1863 zu Lowell in Massachusetts.

4) Karl Ferdinand, dän. Geschichtsforscher, geb. 23. Nov. 1811 zu Kopenhagen, studierte an der Universität daselbst, bereiste 1845-48 Holland, England, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweden und Norwegen, um Archivforschungen anzustellen, ward 1851 Privatdozent, 1862 Professor der Geschichte und nordischen Archäologie an der Universität Kopenhagen und starb 27. Dez. 1871 daselbst. Er schrieb: "Haandbog i Fädrelandets Historie" (Kopenh. 1840, 7. Aufl. 1873; deutsch, Leipz. 1849), "Lärebog i Danmarks Historie" (Kopenh. 1842, 12. Aufl. 1876), zwei vortreffliche Lehrbücher; "De tre nordiske Rigers Historie under Kong Hans, Christiern den Anden, Frederik den Förste, Gustav Vasa, Grevefelden ^[richtig: Grevefeiden], 1497-1536" (das. 1864-72, Bd. 1-5), die eine der hervorragendsten Leistungen nordischer Geschichtschreibung ist; ferner mehrere politische Broschüren: "Om Sprog og Folkeeiendom, melighed i Hörtugdömmet Slesvig eller Sönderjylland" (das. 1848), "Det danske Sprogs Historie i Hertugdömmet Slesvig eller Sönderjylland. Med 4 Sprogkort" (das. 1857-58, 2 Bde.; deutsch, Schlesw. 1857), welche beide Schriften heftigen Widerspruch von deutscher Seite hervorriefen.

Allenburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Wehlau, an der Alle, mit Amtsgericht, Reichsbanknebenstelle und (1880) 2107 meist ev. Einwohnern.

Allendorf, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen, an der Werra und an der Linie Bebra-Göttingen der Preußischen Staatsbahn, mit Amtsgericht, großer Papierwaren- (Tüten), chemischer Fabrik, Holzschleiferei und (1880) 2835 ev. Einwohnern. Gegenüber der Flecken Soden mit 784 Einw. und einem schon 973 genannten Salzwerk. Vgl. Wagner, Geschichte der Stadt A. (Marb. 1865).