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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Allenstein - Allgemeines Stimmrecht.

Allenstein, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, an der Alle und den Linien Thorn-Insterburg, Güldenboden-A., A.-Kobbelbude und A.-Lyck der Preußischen Staatsbahn, hat 1 Schloß, 1 evangelische und 1 große kath. Kirche (1865-71 restauriert), 1 Synagoge, 1 Gymnasium, 1 großes Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern (St. Marienhospital), 1 Provinzialirrenanstalt, Eisengießerei, Zündhölzerfabrikation, 5 Dampfsägemühlen, 1 Holzbereitungsanstalt, Hopfenschwefeldarre, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei, Holz-, Getreide- und Hopfenbau und (1883) 8003 Einw. (darunter 2007 Evangelische und 351 Juden). A. ist Sitz eines Land- und Schwurgerichts (für die zehn Amtsgerichte zu A., Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode, Passenheim, Soldau, Wartenburg und Willenberg), einer Reichsbanknebenstelle. Es erhielt 1353 kulmische Rechte. Für einen neuzubildenden Regierungsbezirk der Provinz Ostpreußen ist A. als Hauptstadt in Aussicht genommen.

Allentando (ital.), langsamer werdend.

Allentown (spr. -taun), Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, in schöner Lage am Lehigh, 70 km nordwestlich von Philadelphia, einer der Hauptsitze der Eisenindustrie, hat außerdem große Tabaks- und andre Fabriken, mehrere Schulen (darunter das deutsche Mühlenberg College) und (1880) 18,063 Einw., darunter viele Deutsche. A. wurde 1762 gegründet und war noch zu Anfang dieses Jahrhunderts ein unbedeutender Ort.

Aller, schiffbarer Nebenfluß der Weser, entspringt bei Seehausen im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, 155 m ü. M., fließt in fast nördlicher Richtung zwischen niedrigen, oft sumpfigen Ufern, eine kurze Strecke die Grenze zwischen Braunschweig und Preußen bildend, tritt dann, sich nordwestlich wendend, ins Braunschweigische und von da in die Provinz Hannover, wird bei Celle schiffbar und mündet unterhalb Verden. Ihre Länge beträgt 162 km. Ihre bedeutendsten Zuflüsse sind die Örze und Böhme (von der Lüneburger Heide), die Oker mit der Ilse (vom Oberharz), die Leine mit der Innerste (vom Eichsfeld und dem Oberharz).

Allerchristlichste Majestät (lat. Rex christianissimus, franz. Sa Majesté très-chrétienne), Titel der Könige von Frankreich, den Ludwig XI. 1469 vom Papst Paul II. für sich und seine Nachkommen erhielt. Während der Kaiserzeit kam er außer Gebrauch, doch nahmen ihn Ludwig XVIII. und Karl X. wieder an. Der "Bürgerkönig" Ludwig Philipp führte ihn nicht.

Allergetreuester Sohn der Kirche (Allergetreueste Majestät, lat. Rex fidelissimus, franz. Sa Majesté très-fidèle), Titel der Könige von Portugal, den Johann V. 1748 von Papst Benedikt XIV. erhielt.

Allerheiligen, Fest der kathol. Kirche, Gedächtnisfest aller Heiligen und Märtyrer, wird in der griechischen Kirche seit dem 4. Jahrhundert am Sonntag nach Pfingsten gefeiert, ward begründet in Rom, als Bonifacius IV. um 610 das Panthéon als Panagion allen Märtyrern weihte, und durch Gregor IV. (835) auf den 1. November verlegt.

Allerheiligen, Ruine eines 1196 gestifteten, 1802 aufgehobenen und bald darauf durch den Blitz zerstörten Prämonstratenserklosters im Thal des Lierbachs (eines Nebenflüßchens der Rench), im nördlichen Schwarzwald in Baden. Die malerischen, in einsamer, düsterer Wildnis gelegenen Trümmer und der in sieben Fällen abstürzende Bach ziehen zahlreiche Touristen herbei. Vgl. Fecht, Das Kloster A. (Karlsr. 1872).

Allerheiligenbai, s. Bahia.

Allerheiligeninseln (franz. Les Saintes), kleine franz. Inselgruppe in Westindien, südlich von Guadeloupe, von dem sie eine Dependenz bilden, 14 qkm groß mit 1200 Einw. Sie haben felsigen Boden, produzieren zwar etwas Baumwolle, Kaffee und Nahrungspflanzen, sind aber besonders wichtig, weil sie einen der sichersten Häfen umschließen, den starke Befestigungen in ein "Gibraltar der Antillen" verwandelt haben.

Allerheiligstes, die geheimste innere Abteilung der Tempel (Adyton) bei den alten Völkern, wohin den Profanen der Zutritt versagt war; bei den Juden insbesondere die hinterste Abteilung der Stiftshütte, später des Tempels, wo bis zum Exil die Bundeslade aufgestellt war. Nur der Hohepriester betrat einmal im Jahr, am Versöhnungstag, das Allerheiligste. In der katholischen Kirche versteht man darunter die geweihte, in einem Gefäß (Monstranz) zur Verehrung ausgestellte Hostie; auch das Gefäß, welches jene bewahrt.

Allerkatholischte Majestät bildet einen Teil des Titels der Könige von Spanien.

Allermannsharnisch, s. Lauch; langer A., s. Gladiolus.

Allerseelen, Fest der kathol. Kirche zum Gedächtnis der Gestorbenen, für die an diesem Tag ein feierliches Totenamt gehalten wird, ward zuerst 993 im Kloster Clugny durch Abt Odilo eingeführt, durch Papst Silvester II. 998 allgemein empfohlen. Es wird gefeiert am Tag nach Allerheiligen (2. Nov.), an vielen Orten durch eine Wallfahrt zum Gottesacker, wo die mit Blumen und Lampen geschmückten Gräber mit geweihtem Wasser besprengt werden. S. Fegfeuer.

Allersheim, bayr. Dorf, am Ries, zwischen Donauwörth und Öttingen, historisch merkwürdig durch die Schlacht vom 3. Aug. 1645 zwischen den Franzosen und Hessen unter Enghien und den Bayern unter Mercy, welcher hier fiel; hierauf wurden die Bayern in die Flucht geschlagen. Doch hatte Enghien den Sieg mit furchtbaren Verlusten erkauft.

Allevard (spr. allwahr), Stadt im franz. Departement Isère, Arrondissement Grenoble, im malerischen Thal des Bréda, mit einer gashaltigen Jod- und Schwefelquelle (16° C.), welche gegen rheumatische Leiden wirksam ist, Bergbau auf Eisen, Mangan, Kupfer, Blei, einer Eisenhütte und (1876) 2015 Einw.

Allgaier, Johann, Schachspieler, geb. 19. Juni 1763, trat 1798 in österreichischen Militärdienst, mußte denselben aber wegen Kränklichkeit 1816 verlassen und suchte sich nun seinen Lebensunterhalt kümmerlich durch Schachunterricht zu erwerben. Eine von ihm besonders gepflegte kühne Variante des Königsgambits wird danach A.-Gambit genannt. Seine "Anweisung zum Schachspiel" (Wien 1795, 7. Aufl. 1841) war das erste derartige brauchbare Buch in deutscher Sprache.

Allgäu, s. Algäu.

Allgemeines Stimmrecht (franz. Suffrage universel), die Befugnis, zum Zweck der Mitwirkung bei den wichtigsten Regierungshandlungen mitstimmen zu dürfen, insofern diese Befugnis jedem Staatsangehörigen, welcher sich im Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte befindet, eingeräumt ist. Eine direkte Mitwirkung der Gesamtheit der Staatsbürger bei der Gesetzgebung und eine unmittelbare Teilnahme derselben an der Verwaltung des Staats sind selbstverständlich nur bei einem ganz kleinen Staatskörper, wie z. B. in einigen Schweizer Kantonen, möglich. In