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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Al pari; Alp; Alpaka; Alpakametall; Alpbalsam; Alpdrücken; Alpen

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Alp - Alpen.

Alp (Alpdrücken, Drula, Mahr, Incŭbus), ein eigentümlicher beängstigender Traumzustand, der manche Menschen beim Einschlafen oder vor dem Erwachen zu befallen pflegt. Der Träumende hat die Empfindung als ob eine Last, ein Tier, ein Gespenst etc. auf ihm läge; er empfindet dabei die entsetzlichste Angst, er versucht, sich zu bewegen oder zu schreien, aber er kann nicht. Gelingt es ihm, sich zu ermuntern, so ist der A. verschwunden und der Anfall vorüber; aber beim Erwachen fühlt man sich meist sehr matt, hat heftiges Herzklopfen, ist in Schweiß gebadet und kann sich nur allmählich beruhigen. Das Alpdrücken wird durch die unklare Empfindung einer während des Schlafes eintretenden Atmungsbehinderung hervorgerufen und hat fernen Grund stets in abnormen körperlichen Verhältnissen. Alles, was zu Träumen überhaupt disponiert, kann auch den A. veranlassen, namentlich starke Mahlzeiten vor dem Einschlafen, Ausdehnung der Gedärme mit Luft, wodurch das Zwerchfell nach oben gepreßt wird, enge Kleidungsstücke, Stockung des Bluts in dem Herzen und den Lungengefäßen. Am häufigsten kommt der A. bei Jünglingen vor, besonders bei reizbaren und nervenschwachen; auch bei fetten und wohlgenährten Personen. Bald kommt der Anfall in jeder Nacht, bald wiederholt er sich nur in größern Zwischenräumen. Da der A. keine Krankheit, sondern nur ein durch Störungen in der Brust oder dem Unterleib veranlaßter Traumzustand ist, so kann auch von einer eigentlichen Kur desselben nicht die Rede sein. Wohl aber kann seine Entstehung verhütet werden, indem man beim Einschlafen die Rückenlage vermeidet, vor dem Schlafengehen den Magen nicht anfüllt und, wenn ein krankhafter Zustand in den Organen der Brust oder des Unterleibs die bedingende Ursache ist, sich ärztlichen Rats bedient. Viele Personen sind in diesem Traumzustand fähig, die Beine zu bewegen, und man hat für solche vorgeschlagen, eine Leine mit einer Klingel so anzubringen, daß ein Stoß mit dem Fuß die Klingel tönen macht und den Schläfer erweckt. Der A. war im Mittelalter und ist bei vielen noch jetzt Anlaß und Gegenstand mannigfachen Aberglaubens. Im Mittelalter wurde er unter die schwarzen Berggeister, Zwerge, Nachtelfen gezählt. Man identifizierte ihn später auch mit dem Teufel; "der Teufel hat dich geritten" ist s. v. w. "dich hat der Mahr geritten". Wie Frau Holle Gespinst oder Haare verwirrt, selbst verworrene Haare trägt, ein struppiges Haar Hollenzopf heißt, so wickelt der Nachtalp das Haar der Menschen, Mähne und Schweif der Pferde in Knoten, daher: Alpzopf, Drulenzopf, Wichtelzopf (von Wicht, d. h. Zwerg oder A.) und Weichselzopf. In Frankreich bildete sich im 13. und 14. Jahrh. der Glaube an den A. als bösen Geist fast systematisch aus. Man wußte von einem männlichen A. (un incube) und einem weiblichen (une succube), welche auf Verführung der Menschen, besonders der Jünglinge und Jungfrauen, ausgingen, welchen Wahn sogar die Sorbonne (1318) bestätigte. Vgl. Cubasch, Der A. (Berl. 1877).

Alp (besser Alb), Schwäbische oder Rauhe, s. Jura, deutscher.

Alpaka, s. Lama.

Alpakametall, s. v. w. versilbertes Neusilber.

Al pari, s. Pari.

Alpbalsam, s. Rhododendron.

Alpdrücken, s. Alp.

Alpen (wahrscheinlich v. kelt. alp oder alb, s. v. w. "hoch, Berg"), Hochgebirge, welche, unähnlich gewöhnlichen Gebirgsketten, aus einzelnen Gebirgsstöcken (Gruppen) zusammengesetzt sind. Die einzelnen Berge sind durch sattelförmige Erhebungen (Cols) und schmale Rippen (Joche), oft auf langen Distanzen, zusammengeknüpft. Von bedeutender absoluter Höhe, steigen sie öfters über die Schneelinie empor und haben gemeiniglich eine breite Basis. Ihre Gehänge sind tief gefurcht, zerrissen, gezackt, mit schroffen, oft lotrecht abstürzenden, häufig sehr tiefen Schluchten. Die A. werden gewöhnlich nach dem Land benannt, in welchem sie liegen. Schlechthin führt den Namen A. das große Hochgebirge Zentraleuropas (bestehend aus den Schweizer, Savoyischen, Tiroler, Salzburger, Steirischen etc. A.). Außerdem sind zu nennen: die Siebenbürgischen, die Skandinavischen A. in Europa, die Abessinischen A. in Afrika, die Nordamerikanischen Seealpen etc.

Alpen (hierzu Karte "Höhenschichten der Alpen"). Der Name dieses mächtigen Hochgebirges im mittlere Europa, des höchsten dieses Erdteils und zugleich des vollkommensten und am besten entwickelten aller Hochgebirge der Erde, wurde schon von den Römern bei der Bevölkerung vorgefunden und ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (alb, s. v. w. hoch). Die A. erstrecken sich vom untern Rhônethal gegen O. bis an die Ebenen Oberungarns und erscheinen, von N. wie von S. gesehen, schon aus der Ferne wie eine durch Höhe und Reichtum der Formen überwältigende Gebirgsmauer, auf dem größten Teil ihrer Länge von Hochgipfeln überragt, die mit ewigem Schnee bedeckt sind. An allen Seiten erheben sich die Berge schroff und von den daran grenzenden Landschaften scharf geschieden; den schroffsten Abhang wenden sie jedoch der Südseite zu, wo auch die relative Höhe die bedeutendste ist. Ringsum sind die A. von Ebenen umgeben, und nur an drei Punkten stehen sie mit andern Gebirgen in Zusammenhang, mit den Apenninen im SW., dem Schweizer Jura im NW., den Kalkplateaus der Balkanhalbinsel im SO. Im SW. reichen sie, wenngleich die geologische Bildung sich noch östlicher bis zum Paß der Bocchetta verbreitet, mit ihrer charakteristischen Natur nur wenig über den Col di Tenda gegen O., wo sie mit den Anfängen der italienischen Gebirge in unmittelbarer Verbindung stehen, und sind hier bis zur Mündung des Rhône durch das Küstenland des Mittelmeers begrenzt; die Westgrenze bildet das Rhônethal bis zum Genfer See, wo am Rhôneknie unterhalb der Stadt der Schweizer Jura mit den A. in Verbindung tritt; die Nordgrenze bilden die großen Ebenen des Aaregebiets in der Schweiz und des Donaugebiets in Deutschland bis nach Wien, die Ostgrenze die Ebene von Oberungarn. Im S. des Thals der Drau stehen dagegen die letzten Ausläufer der A. in den sogen. Julischen A. mit den Bergzügen Kroatiens und dem istrisch-dalmatischen Hochland in unmittelbarer Verbindung; an der Südseite bildet bis zum Col di Tenda die lombardische Tiefebene die Grenze des Hochgebirges. Dasselbe dehnt sich hiernach über zwölf Längengrade (6-18° östl. L. v. Gr.) von dem untern Rhône bis zum Donauthal bei Wien 1036 km weit aus, während die Breite im W. kaum 75, im O. dagegen durch das strahlenförmige Auslaufen der Ketten bis über 300, durchschnittlich etwa 175 km beträgt. Die A. nehmen also, von 43-48° nördl. Br. liegend, fast genau die Mitte zwischen Äquator und Nordpol ein. Sie bedecken ohne die angrenzenden Hochebenen ein Gebiet von etwa 240,000 qkm und haben eine mittlere Erhebung von 1400 m. Man erhält ein Bild von der Masse des Gebirges, wenn man bedenkt, daß