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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Altfürstliche Häuser; Altgradisca; Althäa; Althaea; Althaldensleben; Althaus; Althee; Altheepasta; Althing; Althochdeutsch; Althorn; Althorp; Altichiero da Zevio

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Altfürstliche Häuser - Altichiero da Zevio.

Altfürstliche Häuser, zur Zeit des alten Deutschen Reichs diejenigen Fürstenhäuser, welche schon auf dem deutschen Reichstag von 1582 Sitz und Virilstimme hatten. Seit 1582 setzten es nämlich die alten fürstlichen Häuser durch, daß, wenn auch der Kaiser das Recht der Standeserhöhung behielt, doch die bloße Erteilung der fürstlichen Würde noch nicht das Recht zur Führung einer Virilstimme auf dem Reichstag gab, daß vielmehr dies Recht von der Genehmigung der dabei interessierten Stände abhängig wurde. So ist der Unterschied zwischen alten und neuen Fürsten entstanden; zu erstern gehörten die Erzherzöge von Österreich, die Pfalzgrafen bei Rhein, die Herzöge von Sachsen, die Markgrafen von Brandenburg (nicht aber die Fürsten von Hohenzollern), die Herzöge von Braunschweig und von Württemberg, die Landgrafen von Hessen, die Markgrafen von Baden, die Herzöge von Mecklenburg und von Holstein, die Fürsten von Anhalt; auch die Fürsten von Liane wurden dazu gerechnet, obwohl sie erst 1592 gefürstet wurden. Auf der Grenze zwischen alten und neuen Fürsten stehen die Herzöge von Arenberg, welche zwar die herzogliche Würde erst nach 1582, die fürstliche aber schon 1576 erhalten haben. Unter den neufürstlichen Häusern unterschied man wieder zwischen solchen, die Sitz und Stimme auf den Reichstagen hatten, wie Hohenzollern, Lobkowitz, Salm, Dietrichstein, Nassau, Auersperg, Fürstenberg, Schwarzenberg, Liechtenstein, Thurn und Taxis und Schwarzburg, und solchen, die nicht im Fürstenkollegium saßen, wie Waldeck und Reuß.

Altgradisca, s. Gradisca.

Althaea L. (Althee, Eibisch), Gattung aus der Familie der Malvaceen, ein- oder mehrjährige, zerstreut rauhhaarige bis samtartig filzige Kräuter mit handförmig gelappten oder geteilten Blättern, einzeln oder in Büscheln achselständigen, meist ansehnlichen Blüten, die bisweilen eine endständige Traube oder Doldentraube bilden. Etwa zwölf Arten in den gemäßigten Klimaten der Alten Welt. A. òfficinalis L. (gemeiner Eibisch, weiße Pappel, s. Tafel "Arzneipflanzen I"), Staude mit starkem Rhizom, 1-1,25 m hohen Stengeln, gestielten, eiförmig spitzen, schwach drei- bis fünflappigen, ungleich kerbig gesägten, weichfilzigen Blättern und großen, fleischfarbigen Blüten, wächst auf feuchtem, am liebsten salzigem Boden in Süd-, auch in Mitteleuropa bis zur Ostsee, im gemäßigten West- und Nordasien, in Nordamerika und Australien, wird besonders bei Nürnberg und Schweinfurt (Produktion ca. 200 metr. Ztr.), auch bei Jena, in Frankreich und Belgien wegen der als Radix Althaeae offiziellen Wurzel kultiviert. Diese wird im Herbst von der zweijährigen Pflanze gesammelt und frisch geschält, ist weißgelblich, etwas biegsam, mit ebenem, nicht faserigem Bruch, riecht eigentümlich süßlich, schmeckt fade schleimig und enthält viel Asparagin, Schleim, Stärke, Zucker, Salze etc. Sie dient als Zusatz zu Brustthee, zur Bereitung von Altheesirup (ein wässeriger Auszug, mit Zucker zur Sirupskonsistenz gekocht), Lederzucker (Pasta gummosa), bei der Appretur etc. und wurde schon von den alten Griechen arzneilich benutzt. A. rosea Cav. (Alcea rosea. L., Stock-, Pappelrose, Rosenmalve), eine zweijährige, auch perennierende Pflanze, im Orient und in Südosteuropa, mit 2-3 m hohem, aufrechtem Stengel, rundlichen, am Grund meist herzförmigen, runzeligen, fünf- bis siebeneckigen Blättern, großen, oft gefüllten, weißen, hell- oder dunkelroten, auch gelben und braunen Blüten, die zu einer langen Traube geordnet sind, wird als Zierpflanze (besonders in den Charterschen Varietäten), in der schwarzroten Varietät aber auch auf Feldern kultiviert und zum Färben der Weine, Liköre und des Essigs, auch in der Färberei zur Erzeugung violetter und andrer Nüancen sowie als schleimiges, etwas zusammenziehendes Arzneimittel benutzt.

Althäa, s. Meleagros.

Althaldensleben, Dorf in der preuß. Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Neuhaldensleben, an der Bever, 2 km von der Eisenbahnstation Neuhaldensleben, mit einer Simultankirche, großartigem Klostergarten nebst Park, fünf Thonwarenfabriken mit starkem Export, großer Steingutfabrik und (1880) 2344 (460 kath.) Einwohnern. Die Industrie wurde durch Nathusius (s. d.) begründet, der 1810 das von der westfälischen Regierung aufgehobene, 965 ursprünglich für Benediktinernonnen gestiftete Cistercienserkloster ankaufte.

Althaus, Theodor, Schriftsteller, geb. 22. Okt. 1822 zu Detmold, studierte in Bonn, Jena und Berlin Theologie und Philologie, wendete sich dann, litterarisch thätig, nach Leipzig, wo er die "Märchen aus der Gegenwart" (Leipz. 1847) schrieb und sich bald völlig der Publizistik widmete. Im J. 1848 redigierte er die "Barmer Zeitung", seit dem Herbste d. J. die "Zeitung für Norddeutschland" in Hannover. Infolge eines revolutionären Aufrufs (zu gunsten der Reichsverfassung von 1849) im Sommer 1849 angeklagt, ward er zu zweijährigem Staatsgefängnis verurteilt, im November 1849 nach Hildesheim übergeführt, im Frühjahr 1850 begnadigt. Als litterarisches Resultat seiner Haft trat das phantasievolle, eine ideale Demokratie verkündende Buch "Aus dem Gefängnis" (Barm. 1850) hervor. A.' Gesundheit war infolge der Haft gebrochen; er suchte Heilung in einem Seebad und im nächsten Jahr zu Gotha, wo er 2. April 1852 starb. Seine schwungvollen, formschönen und tiefsinnigen Gedichte wurden 1853 als Manuskript für die Familie gedruckt. Einzelne Proben daraus finden sich in Ad. Sterns "Fünfzig Jahre deutscher Dichtung" (2. Aufl., Leipz. 1877).

Althee, s. Althaea.

Altheepasta, s. Lederzucker.

Althing, die gesetzgebende Versammlung auf Island (s. d.).

Althochdeutsch, s. Deutsche Sprache.

Althorn, Art tieferer Ventiltrompete in Es oder F.

Althorp, Viscount, s. Spencer.

Altichiero da Zevio (spr. -kjehro, Aldighiero), verones. Maler des 14. Jahrh., war unter dem Einfluß Giottos in Verona und Padua thätig, wo er zum Teil mit seinem ebenbürtigen Zeitgenossen Avanzi (s. d.) im Auftrag der edlen Häuser der Scaliger und Lupi arbeitete. In Padua ließ Bonifazio Lupi die von ihm 1372 gegründete Jakobs-, später Felixkapelle von A. und Avanzi mit Fresken zieren. Außer einem großen Fresko der Kreuzigung sieht man hier Szenen aus der Legende des heil. Jakobus. Der Stil der Kreuzigung ist ein großartiger, ernster, der vielfach an Giottos Weise in Hinsicht des Ausdrucks, der Bewegung und Gruppenbildung sowie des dramatischen Elements erinnert. Das Streben nach Natürlichkeit gibt den Kompositionen eine erfreuliche Frische. Die Zeichnung ist einfach, groß und bestimmt, das Kolorit bereits vielfacher Modellierung fähig. Noch bedeutender treten diese Eigenschaften der Künstler, deren Wirksamkeit sich nicht trennen läßt, in ihren Gemälden in der 1377 erbauten Georgskapelle zu Padua an den Tag, wo außer Szenen aus der Passionsgeschichte die Hauptmomente der St. Georgs-Legende dargestellt sind.