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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika

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Amerika (nutzbare Mineralien, Klima).

eine Totalrevolution im relativen Werte des Geldes, in der Industrie und dem Handel der zivilisierten Völker der Alten Welt hervorgebracht haben. Nach Soetbeers Berechnung lieferte von der gesamten Edelmetallproduktion der Welt (außer China und Japan) von 1493 bis 1875 im Betrag von 9,453,345 kg Gold und 180,511,485 kg Silber A. allein 5,263,840 kg Gold und 153,025,500 kg Silber im Gesamtwert von 42,230,8 Mill. Mk. und 1876-82: 487,688 kg Gold im Wert von 1340,7 Mill. Mk. und 14,360,987 kg Silber im Wert von 2584,9 Mill. Mk., so daß sich Amerikas Gesamtproduktion auf 5,751,528 kg Gold und 167,386,487 kg Silber im Gesamtwert von 46,156,4 Mill. Mk. veranschlagen läßt. Die Hauptproduktionsländer des Goldes sind dem Rang nach: die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Neugranada, Brasilien, Bolivia, Mexiko, Chile, Peru; des Silbers: Peru, die Vereinigten Staaten, Mexiko, Bolivia, Chile. Gold kommt in den goldreichsten Gegenden, wie Brasilien und Kalifornien, ursprünglich auf Quarzgängen des kristallinischen Schiefergebirges vor, aus deren Zerstörung die goldreichen Konglomerate und Alluvionen hervorgegangen sind; in den atlantischen Staaten Nordamerikas, vor allen in Neuschottland, Virginia, den beiden Carolinas und Georgia, verteilt in der Masse oder auf den Schichtflächen der dortigen Talk-, Quarzit-, Chlorit- und Glimmerschiefer und Itakolumite. Die Silbererze treten in Gängen, besonders innerhalb des Übergangsgebirges, seiner Thonschiefer, Grauwacken, Kalksteine und des Dioritporphyrs, auf, so in Nevada und New Mexico, ferner zu Guanajuato, wo die Veta Madre wohl einer der mächtigsten Silbererzgänge der Welt ist, zu Zacatecas, Catorce, und wie in Mexiko, so gehören sie auch im silberreichen Bolivia und Peru, wo die berühmten Minen von Pasco im Kalkstein betrieben werden, dem Übergangsgebirge an, in Chile zu Arqueros dem erzführenden Porphyr. Auch führen vorzüglich die Erzgänge des Dioritporphyrs nicht selten Gold. Platinerze kommen zwar in einigen Alluvionen von Villarica und mit den Diamanten in Matogrosso, Brasilien und auch auf Haïti vor; aber nur die Gold, Edelsteine und Magneteisen führenden Alluvionen von Neugranada, zu Choco und Antioquia, werden ausgebeutet, und bei Antioquia hat man sie selbst noch in Begleitung von gediegenem Gold auf Gängen im Diorit gefunden. Das Kupfer hat eine weite Verbreitung und kommt auf noch mannigfaltigern Lagerstätten vor: auf Gängen im Granit Grönlands und Mexikos, in dem Übergangsgebirge Mexikos, in dioritischen Gesteinen Mexikos und Chiles, im Kupfersandstein Chiles, in größter Mächtigkeit aber im Trapp am Obern See, wo mit dem Kupfer auch gediegenes Silber sich findet. Große Blöcke gediegenen Kupfers finden sich über den Norden Amerikas bis zum Kupferminenfluß zerstreut; in Kanada liegt im Bette des Ontanagon ein Block von 6-8000 Pfd. Dem Kupferdistrikt am Obern See unmittelbar benachbart, breitet sich südwärts der Eisendistrikt mit Magneteisenlagern im kristallinischen Schiefergebirge aus. Ebenso finden wir in andern Gebieten kristallinischer Gebirge Eisenerze in großer Menge, auch das Steinkohlengebirge ist daran reich. Die reichsten Zinngruben sind in Peru, reiche, aber wenig benutzte auch in Neugranada und Mexiko. Antimon und Zink kommen in Peru, Chile, Mexiko, Brasilien vor, werden aber noch wenig gewonnen. Bleiglanz in Verbindung mit Galmei bildet die reichen Erze im silurischen Galenakalkstein von Illinois und Wisconsin; Quecksilber wird in den Gruben von Neualmaden in Oberkalifornien, von Zimapan in Mexiko und von Huancavelica in Peru gewonnen. Außer den Edelsteinalluvionen Brasiliens sind die reichen Smaragdgruben in dem Übergangsgebirge der Quindiukette zu erwähnen, die schönen Feueropale von Zimapan etc. Des Steinkohlen- und Salzreichtums, des Guanos, des Erdöls, das sich auch in dem merkwürdigen Asphaltsee auf Trinidad findet, wurde schon oben gedacht. Mit den Asphaltlagern, wie sie mächtig in der untern Kreide der Quindiukette auftreten, und mit den Steinsalzlagern Neugranadas dürften die sehr uneigentlich Schlammvulkane genannten Salzseen von Turbaco und Zamba südlich von Cartagena, kalte Quellen des Sumpfgases, in Verbindung stehen. Große, aber noch wenig ausgebeutete Vorräte von Schwefel sind in den Kordilleren und in Westindien in der Nähe der Vulkane entdeckt worden. Eine besondere Erwähnung verdient noch der Kryolith von Grönland, der eine eigne Industrie, zuerst in Europa, dann ausschließlich in Nordamerika, hervorgerufen hat und kaum noch an andern Orten vorkommt, sowie das massenhafte Auftreten von Borax in Kalifornien und von Boronatrochalcit ^[richtig: Boronatrocalcit] in den Chilisalpeterlagern Südamerikas. Lager von natürlichem Alaun und von Natronsalpeter finden sich in Chile (von wo er als Ballast nach Europa verschifft wird) und in den Vereinigten Staaten (Kentucky, Tennessee, Virginia); Brom (erst neuerlich entdeckt) in großer Menge in Nevada, Ohio und Pennsylvanien; Glaubersalz und Natron auf den Salzseen an den patagonischen Küsten; Steinsalz am La Plata, in Brasilien, in den Vereinigten Staaten (New York, Massachusetts, Kentucky, Illinois, Missouri etc.), in Zentralamerika, auf der Mosquitoküste, in Neugranada, Mexiko, Bolivia, Kanada, auf den Bahamainseln und im übrigen Westindien. Salzquellen sind in verschiedenen Formationen an unzähligen Orten zu finden.

Klima.

Der tiefgreifende Einfluß, welchen die Verteilung von Wasser und Land, die Gestaltung und Gliederung der Festländer auf die klimatischen Verhältnisse der letztern ausüben, tritt auf dem amerikanischen Kontinent in dem Gegensatz zwischen dessen Süd- und Nordhälfte äußerst scharf hervor. Südamerika hat unter allen Kontinenten die gleichmäßigsten Temperaturverhältnisse. Es verdankt dies seiner geographischen Lage, der Abwesenheit allseitiger Gebirgsbarrieren sowie dem Umstand, daß sich der Kontinent polwärts immer mehr verschmälert und dadurch dem ausgleichenden, die Extreme mildernden Einfluß des Meers unter Breiten sich öffnet, wo die Temperaturdifferenzen auf kompaktern Festländern schon bedeutend werden. Gerade umgekehrt verbreitert sich Nordamerika rasch gegen den Pol hin und leidet deshalb auf weite Strecken unter der Exzessivität, dem schroffen Gegensatz von heißen Sommern und kalten Wintern, wie solche das Kontinental- oder Landklima charakterisieren. Der östlichen Erdfeste gegenüber erscheint namentlich Nordamerika ungünstiger gestellt, indem die Verschmälerung des Landes in den warmen Regionen und wiederum die massige Ausbreitung in den kalten Regionen eine Verminderung der allgemeinen Wärme bedingen. Während Nordamerika sich mit sibirischer Breite um den Polarkreis lagert, entbehrt es an seinem Südrand der wärmesammelnden afrikanischen, arabischen, indischen Landmassen, welche in der Alten Welt die Wirkung der großen nördlichen Erstreckung und Ausbreitung ausgleichen. Bei Vergleichen zwischen den Temperaturverhältnis-^[folgende Seite]