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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anatomischer Apparat - Anaximandros.

übungen (3. Aufl., Leipz. 1873); Moisisovics, Leitfaden bei zoologisch-zootomischen Präparierübungen (das. 1879).

Anatomischer Apparat, der Inbegriff aller Instrumente (Messer, Nadeln, Spritzen etc.) und Substanzen (zum Einspritzen etc.), deren der Anatom bei den Zergliederungen des Körpers bedarf.

Anatomisches Besteck, ein Etui, in welchem sich die zur Zergliederung des Menschen- und Tierkörpers nötigen Werkzeuge befinden: Messer, Scheren, Haken, Nadeln etc.

Anatomisches Musēum, Museum, in welchem anatomische Präparate (s. d.) von den höhern Tieren, speziell vom Menschen, aufbewahrt und zur Schau gestellt sind. An jeder Universität befindet sich ein solches und steht unter der Leitung des ordentlichen Professors der Anatomie. Wandernde anatomische Museen zeigen vielfach nur Darstellungen der Teile des menschlichen Körpers in Wachsnachbildungen, sind in der Regel von sehr zweifelhaftem Nutzen und erregen in dem sie besuchenden Publikum nur selten richtige Vorstellungen über die anatomischen Verhältnisse. Anatomische Präparate von niedern Tieren finden sich in den "zoologischen Museen" (s. d.) vor.

Anatomisches Theater, bühnenartig gebauter Hörsaal für anatomische Kollegia.

Anatopismus (griech.), Verwechselung in betreff des Orts.

Anatozismus (griech., lat. Usurae usurarum), Zinseszins, Zinsenverzinsung, im allgemeinen das Schlagen der rückständigen Zinsen zum Kapital am Schluß des Jahrs (Anatocismus anniversarius), was nach altrömischem Recht gestattet war, bis Justinian dies Verfahren verbot, um das hohe und schnelle Anwachsen der Kapitalien zu verhindern. A. conjunctus heißt es, wenn die rückständigen Zinsen zum Kapital geschlagen (im gemeinen Recht als Wucher verboten), A. separatus, wenn die Zinsen, als neues verzinsliches Kapital, dem Schuldner gelassen werden. Das deutsche Handelsgesetzbuch gestattet den A. für den Kontokorrentüberschuß bei Kaufleuten und das preußische Allgemeine Landrecht außerdem bei zweijährigen und ältern Zinsrückständen und bei sogen. Judikatszinsen. Im übrigen überläßt § 4 des Reichsgesetzes über vertragsmäßige Zinsen vom 14. Nov. 1867 die Frage des A. dem Landesrecht. So gewähren Zinskoupons nach preußischem Recht in der Regel keinen Anspruch auf Verzugszinsen. Die vertragsmäßige Ausbedingung von Zinseszinsen ist dagegen nach Aufhebung der Wuchergesetze nicht verboten, wenigstens sind solche Verbote enthaltende landesgesetzliche Bestimmungen leicht zu umgehen, sofern nur nicht die Strafbestimmungen des Gesetzes, betreffend den Wucher, vom 24. Mai 1880 in Anwendung kommen können.

Anaxagŏras, griech. Philosoph der ionischen Schule, geb. 500 (nach andern 534) v. Chr. zu Klazomenä in Ionien, stammte aus reicher und vornehmer Familie, zog sich aber freiwillig von dem öffentlichen Leben zurück, um sich ausschließlich dem wissenschaftlichen Nachdenken zu widmen. 40 Jahre alt, siedelte er aus seiner Heimat nach Athen über, wo er der Freund des Perikles und des rationalistischer Denkweise zugeneigten Euripides ward und möglicherweise sogar von dem um 30 Jahre jüngern Sokrates gehört worden ist. Seine Lehre bestand in einer qualitativen Atomistik, die mit jener der heutigen Chemie darin Ähnlichkeit besitzt, daß sie wie diese die Verschiedenheit der Naturkörper auf untereinander verschiedene unveränderliche Grundstoffe zurückführt und dieselben danach in gleichartig (aus homogenen) und ungleichartig (aus heterogenen Teilchen) zusammengesetzte einteilt. Für jene hat Aristoteles, dem wir diese Nachrichten verdanken, den Ausdruck: Homöomerien angewendet. Im Urzustand (Chaos), lehrte A., war überall das Verschiedenartigste durcheinander gemengt; erst allmählich trat eine Sonderung ein, wodurch Gleiches mit Gleichem (Luftartiges mit Luftartigem, Gold mit Gold) vereinigt, Ungleiches von Ungleichem (Metall von Gestein) ausgeschieden wurde. Doch geschah dies nicht vollständig, sondern in jedem auf diesem Wege gewordenen Naturkörper ist neben dem Gleichartigen, welches das Vorwiegende und nach dem das Ding (z. B. Gold) genannt ist, auch etwas ihm Fremdartiges, aber dadurch eben mit andern Naturkörpern Gemeinsames anzutreffen, d. h. alle wirklichen Dinge sind ihrer (qualitativen) Verschiedenheit unbeschadet auch untereinander verwandt. Urheber der Sonderung, durch welche das anfängliche Chaos zum Kosmos, d. h. zum geordneten Weltall, ward, ist nun nach A., der hierin von seinen teils hylozoistischen, teils pantheistischen, teils materialistischen Vorgängern abweicht, der weltordnende, von den stofflichen Dingen wesenhaft unterschiedene, über den Stoff mächtige Geist (nus), das ideelle, einheitliche und intelligente Bewegungsprinzip (Gott). Durch dasselbe einmal erregt, verbreitet sich die Bewegung in dem unendlichen bildsamen Stoff immer weiter, wobei sich infolge des (kreisförmigen) Umschwungs die äußersten peripherischen Teile desselben, das Firmament und die Gestirne, von dem übrigen ablösen und ihre Rotation um die im Mittelpunkt ruhende walzenförmige und von der Luft getragene Erde unablässig fortsetzen. Auch die Meteorsteine, z. B. der im Altertum berühmte von Ägospotamoi, sind nach. A. nichts andres als im Umschwung begriffene Steinmassen, welche infolge allmählich nachlassender Schwungkraft auf die Erde herabfallen. Dieses gegen alle Mantik und Wahrsagerei (aus den Gestirnen) feindselige Bemühen, sämtliche Naturerscheinungen auf natürliche Ursachen zurückzuführen, brachte den A. seiner dem Theismus günstigen Lehre vom Nus ungeachtet in den bei seiner Bekämpfung der polytheistischen Volks- und Staatsreligion sehr erklärlichen Verdacht der Gottlosigkeit und zog ihm eine nach Meinung einiger vielmehr auf seinen Beschützer Perikles gemünzte Anklage zu, von deren Folgen ihn dieser mit Mühe befreite. A. ging hierauf ins Exil nach Lampsakos, wo er 428 starb. Seine eignem Schriften, worunter eine im Altertum vielgelesene: "Über die Natur", sind verloren gegangen. Ihre Fragmente haben Schaubach (Leipz. 1827) und Schorn (Bonn 1829) gesammelt. Vgl. Zévort, Anaxagore, sa vie et sa doctrine (Par. 1843); Breier, Die Philosophie des A. (Berl. 1840); Gladisch, A. und die Israeliten (Leipz. 1864).

Anaximándros, griech. Philosoph der ionischen Schule, angeblich der nächste Schüler des Thales, war 611 zu Milet geboren und starb nach 547 v. Chr. Er ging wie sein Lehrer von der Annahme eines Grundstoffs aus, aus welchem alles entstehe, und in welcher es wieder zurückkehre, betrachtete aber nicht wie dieser eins (das Wasser) der vier sinnenfälligen Elemente (Wasser, Luft, Feuer und Erde) als solchen, sondern die allem Sinnenfälligen zwar zu Grunde liegende, selbst aber nicht sinnenfällige Urmaterie, welche er, weil sie ihrer Beschaffenheit nach unbestimmt, ihrer Ausdehnung nach unendlich gedacht werden müsse, apeiron ("das Unbegrenzte") nannte. Aus derselben geht das Begrenzte, d. h. sowohl seiner Beschaffenheit