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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Angelsächsische Altertümer; Angelsächsische Sprache und Litteratur

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Angelsächsische Altertümer - Angelsächsische Sprache und Litteratur.

8. Jahrh. stammen. Der eigentliche Gesetzgeber der Nation aber war Alfred d. Gr. Seine noch vorhandenen Gesetze, die sich an jene ältern Sammlungen anschlossen, gelten für die Grundlage des sogen. gemeinen Rechts (common law). Unter den Nachfolgern Alfreds zeichnete sich Athelstan (gest. 941) als Gesetzgeber aus. Nach ihm wurde wenig mehr für die Gesetzgebung gethan, und in den folgenden Kämpfen ging die bestehende Ordnung größtenteils zu Grunde. Erst Knut stellte die Einrichtungen Alfreds wieder her, und später wird unter dem Namen Eduards des Bekenners gewöhnlich die Gesamtheit der angelsächsischen Gesetze zusammengefaßt.

Sitten und Lebensart der A. bewahrten den rein germanischen Charakter. Kriegerischer Sinn, Liebe zur Freiheit, Achtung vor den Frauen und Gastfreundschaft waren ihre Haupttugenden, die jedoch durch die zahlreichen Fehler roher, ungebändigter Kraft verdunkelt wurden. Krieg, Jagd, Gelage und Würfelspiel waren die Lieblingsbeschäftigungen; die Hauptnahrungszweige waren Ackerbau, Viehzucht und Fischerei. Städte gab es nur wenige und von geringer Größe. Einen Fortschritt bewirkte das Christentum. Die Missionäre (meist italienische Benediktiner) leiteten das Volk auch zu einer edlern Befriedigung seiner leiblichen Bedürfnisse an. Sie lehrten die A. den Gebrauch des Pflugs, vervollkommten die Kunst des Fischfanges, ermunterten durch ihr Beispiel zur Urbarmachung der Sümpfe und Wälder etc. Auch zur Veredelung der Sitten trug die christliche Kirche viel bei. Als ein vorzüglicher Wohlthäter seiner Nation auch in dieser Hinsicht steht Alfred da, unter dem die allgemeine Gesittung sich bedeutend hob. Auch Künste und Wissenschaften entwickelten sich bei den A. mit dem Christentum. Der Bau und die Ausschmückung der Kirchen weckten und beförderten die Baukunst, Malerei, Bildhauerei und andre Künste, worin sich selbst mehrere Geistliche auszeichneten. Die Arbeiten in Metall, vorzüglich in Gold und Silber, waren später sogar im Ausland berühmt. Unter Alfred blühte die Kirchenbaukunst. Besonders wurde die Musik ausgebildet. Der Handel war unbedeutend und entwickelte sich erst seit Alfreds Zeit. Die wissenschaftliche Bildung beschränkte sich auf die Geistlichen, welche in der von Augustin zu Canterbury gestifteten und vom Erzbischof Theodor verbesserten Schule, ferner in den Schulen von York, Weremouth, Westminster, St. Albans, Worcester, vielfach auch im Ausland, namentlich in Italien, ihre Bildung erhielten. Die berühmtesten Gelehrten und Glaubenslehrer der A. sind: Aldhelm, Abt zu Malmesbury und Bischof von Sherburn, Beda der Ehrwürdige, Willibrord, Winfried oder Bonifacius und Alkuin. Zur Zeit der Däneneinfälle sank das geistige Leben tief. Erst Alfred richtete die Unterrichtsanstalten neu ein, zog ausgezeichnete Gelehrte, einheimische und fremde, an seinen Hof und an die alten und neuen Schulen, besonders nach Oxford. Unter diesen waren sein Biograph, der Mönch Asser, Plegmund, Erzbischof von Canterbury, Grunbald, ein Mönch aus Frankreich, Johannes aus Korvei in Sachsen. So entstand bei den A. bald eine reichhaltigere Litteratur als bei den übrigen germanischen Nationen (s. Angelsächsische Sprache und Litteratur).

Von den Monumenten der angelsächsischen Baukunst hat sich wenig erhalten. Die Bildhauerkunst stand auf niedriger Stufe; dagegen überrascht der Stil und die Ausführung der Malereien, welche viele der berühmtesten angelsächsischen Manuskripte in der Cottonschen Bibliothek etc. schmücken. Auch die Schreibkunst zeigt sich hier in großer Vollendung, und die Initialen sind in Gold und Farben ausgeführt. Die Musik beschränkte sich auf den Gebrauch von Leier, Harfe, Flöte, Waldhorn und Tuba oder Trompete. Die Geschichte der A. schrieben Turner (6. Aufl., Lond. 1852), Kemble (deutsch von Brandes, Leipz. 1852-54, 2 Bde.), Palgrave (1872), Winkelmann (Berl. 1884). Vgl. die Litteratur bei Großbritannien (Geschichte).

Angelsächsische Altertümer, s. Metallzeit.

Angelsächsische Sprache und Litteratur. Von der Mitte des 5. bis gegen Ende des 6. Jahrh. ergriffen Anwohner der Nordsee: Jüten, Sachsen, Angeln, Friesen, allmählich von dem größten Teil des heutigen England und dem südlichen Schottland dauernd Besitz. Die Sprache dieser niederdeutschen Stämme in ihrer neuen Heimat bis in das 12. Jahrh. nennt man die angelsächsische (jetzt häufig auch die altenglische), ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der Mundarten; nur dem Dialekt nördlich des Humber gibt man gewöhnlich eine besondere Bezeichnung: Nordhumbrisch, was durch die Eigenartigkeit seiner Laut- und Flexionsverhältnisse gerechtfertigt erscheint. Etwa seit der Mitte des 9. Jahrh. gelangte durch die Übermacht des westsächsischen Reichs die Mundart seiner Bewohner zum Rang einer Schriftsprache; in ihr sind die vorhandenen Litteraturdenkmäler zumeist abgefaßt. Wie überall, so hat auch auf die Sprache der Angelsachsen und Nordhumbrier ihre Berührung mit andern Völkern einen namentlich in Bezug auf die Vermehrung des Wortvorrats nicht unbedeutenden Einfluß ausgeübt. Am wenigsten nachweisbar ist dieser von der Sprache der von den Angelsachsen besiegten keltischen Briten, deutlicher von dem Lateinischen, zumal nach der Einführung des Christentums, sowie von dem nahe verwandten Altnordischen, der Sprache der Norweger und Dänen, die seit 787 beständig Einfälle in England machten und vorübergehend sogar (1016-42) die Oberherrschaft daselbst erlangten. Vor Einführung des Christentums bedienten sich die Angelsachsen der Runen als Schriftzeichen, später im allgemeinen des lateinischen Alphabets; nur für zwei Laute (w und hartes th) sah man sich genötigt, die betreffenden Runenzeichen beizubehalten, und weiches th bezeichnete man durch eine Modifikation des lateinischen d (đ). Die Konsonanten entsprechen im ganzen den gotischen und neuenglischen. Der Vokalismus zeigt, wie das Neuenglische, eine Menge von unreinen Mischlauten auf, wie sie durch Trübung, Brechung, Umlaut und Schwächung entstehen; so erscheint z. B. das gotische a als a, ae, o, ea, e, i, y. Gegen das Gotische und Althochdeutsche gehalten, erscheint die Nominal- wie die Verbalflexion schon abgeschwächt, aber im Vergleich mit dem spätern Englisch noch in reicher Fülle und der syntaktischen Hilfsmittel wenig bedürftig. Von der Reduplikation haben sich noch deutliche Spuren erhalten. Der angelsächsische Wortschatz ist bereits sehr bedeutend und erfährt durch die Herausgabe von bisher ungedruckten Werken noch stets Bereicherung. Infolge der Eroberung Englands durch die Normannen (1066) wurde das angelsächsische Idiom auf die untern Volksschichten zurückgedrängt, während die höhern Kreise und die Schule sich der Sprache der Eroberer bedienten. Vgl. Englische Sprache.

In früherer Zeit haben sich um das Studium der angelsächsischen Sprache unter andern die Engländer Somner, Hickes und Lye Verdienste erworben; von dem Dänen Rask erschien 1817 eine angelsächsische Grammatik, eine englische Übersetzung derselben