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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Antillen; Antilleneiche; Antillenmeer; Antilŏchos; Antilopen

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Antillen - Antilopen.

aus. Die Bewohner des Ostabhanges des A. sind größtenteils arabische Nomadenstämme, die des westlichen Drusen. Reich ist der A. an Tempelruinen (darunter vor allen die von Baalbek).

Antillen, die Reihe großer und kleiner Inseln, welche im O. Zentralamerikas einen großen Halbkreis bilden, der sich in einer Länge von 3340 km von 10 bis 23° 30' nördl. Br. und 60 bis 85° westl. L. v. Gr. oder von der Nordostküste Yucatans südöstlich bis an die Mündungen des Orinoko erstreckt und das Karibische Meer fast wie einen Landsee umschließt. Eingeteilt werden diese Inseln in die Großen A., nämlich Cuba, Jamaica, Haïti und Puerto Rico, und in die Kleinen A., welche als "Inseln im Wind" (Isles sous le vent, Islas barlo viento) von den Jungferninseln bis nach Trinidad und als "Inseln unter dem Wind" (au vent, sotto viento) von Trinidad längs der Küste Venezuelas westwärts bis Oruba reichen. Nur die Engländer (und mit ihnen wohl auch deutsche Seefahrer) beschränken den Ausdruck "Inseln im Wind" (Windward Islands) auf die Inseln im N. von Martinique und bezeichnen mit "Inseln unter dem Wind" (Leeward Islands) die kleinen südlichen Inseln bis Trinidad. Die A. mit den Bahamainseln bilden Westindien (s. d.). Ihren Namen verdanken die A. einer fabelhaften Insel Antiglia, welche seit 1424 auf Seekarten einen Platz gefunden hatte und halbwegs zwischen Lissabon und Japan liegen sollte. Auf Peter Martyrs Vorschlag wurde dieser Name auf die von Kolumbus entdeckten Inseln übertragen. Die Kleinen A. werden auch "Karibische Inseln" genannt, nach den streitbaren Kariben (s. d.), die sie meist bewohnten. Vgl. Westindien (mit Karte) und die Artikel über die einzelnen Inseln.

Antilleneiche, s. Catalpa.

Antillenmeer, s. Karibisches Meer.

Antilŏchos, in der griech. Mythe Sohn des Nestor, Freier der Helena, unter den Helden vor Troja durch jugendliche Schönheit, Schnelligkeit und Tapferkeit ausgezeichnet, dem Achilleus innig befreundet, erlegte den ersten Troer, ward von Poseidon vor des Adamas Pfeil beschirmt, meldete dem Achilleus den Tod des Patroklos und erhielt bei dessen Leichenspielen im Wagenrennen den zweiten, im Laufen den letzten Preis. Als Paris den Nestor bedrängte, rettete A. (so sagt Pindar) den Vater mit Aufopferung seines eignen Lebens, denn er fiel dabei von der Hand des Memnon. Sein Freund Achilleus rächte ihn an dem Äthiopier und stellte ihm zu Ehren feierliche Leichenspiele an. Die Asche der drei Freunde Patroklos, A. und Achilleus ruhte unter einem gemeinsamen Grabhügel am Hellespont.

Antilopen (Antilopīna Laird, hierzu Tafel "Antilopen"), Unterfamilie der Horntiere (Cavicornia), aus der Ordnung der Huftiere und der Unterordnung der Paarzeher (Artiodactyla). Die ungemein artenreiche Gruppe umfaßt sehr verschiedenartig gebaute Tiere, welche sich zwar im allgemeinen durch schlanke, hirschähnliche Gestalt auszeichnen, in einzelnen Gliedern aber den Rindern oder Pferden nahetreten. Charakteristisch sind die drehrunden oder konischen, geraden oder verschieden, oft sehr merkwürdig gekrümmten, glatten oder mit Querwülsten versehenen, runzeligen, meistens beiden Geschlechtern eignen Hörner. Das oft auffallend gezeichnete Haarkleid ist fast immer eng anliegend, doch zeigt sich häufig am Hals eine kleine Mähne und um den Mund herum ein Bart. Der gewöhnlich kurze Schwanz wird bisweilen dem des Rindes oder Hirsches ähnlich. Thränengruben und Klauendrüsen, Leistendrüsen und Afterklauen treten sehr ungleichmäßig auf. Die Weibchen werfen ein, selten zwei Junge und tragen sie in etwa 6 Monaten aus. Das Kalb ist nach 14-18 Monaten erwachsen. Die Größe der A. schwankt von der eines Pferdes bis zu der eines Hasen. Sie leben meist in größern Herden in baumlosen Steppen, einige auch im Hochgebirge, gehen ihrer Nahrung ebensowohl zur Tages- wie zur Nachtzeit nach und sind in beständiger Bewegung, die bei manchen Arten nicht nur sehr schnell, sondern auch höchst gewandt und anmutig ist. Überhaupt sind die A. sehr hochstehende Tiere, ausgezeichnet durch geistige wie leibliche Vorzüge. Ihre Ausdauer im Lauf ist nicht geringer als ihre Schnelligkeit, ihre Sinne sind scharf, ihre stets rege Wachsamkeit läßt sie den stärkern Raubtieren seltener zur Beute werden, als man bei ihrem oft sehr zahlreichen Auftreten vermuten möchte. Hinsichtlich ihrer Nahrung sind sie wenig wählerisch und höchst genügsam, vorzüglich fressen sie Gräser und Kräuter, Blätter, Knospen und junge Triebe und können dabei anhaltend dürsten. Fühlen sie sich vor Verfolgung sicher, so zeigen sie ein sehr heiteres, munteres, selbst neckisches Wesen. Ihre Stimme, welche blökend, stöhnend oder pfeifend ist, lassen sie selten, gewöhnlich nur zur Brunftzeit hören, wo es dann zwischen den Böcken zu heftigen Kämpfen um die Ziegen kommt. Manche Arten lassen sich leicht zähmen und werden zu förmlichen Haustieren, wie denn auch die alten Ägypter gewisse Arten als Haustiere züchteten. Durch ihr schmackhaftes Fleisch, ihre Haut, welche Kleidungsstücke, Säcke, Leder und Riemenwerk liefert, und ihre Hörner, woraus allerlei kleinere Utensilien verfertigt werden, bringen sie weit größern Nutzen, als sie auf Saatfeldern Schaden anrichten. Die Gazelle ist seit uralter Zeit das selbst auf den Menschen angewandte Bild der Anmut und Grazie, und die Hörner der Mendesantilope dienten bei den alten Ägyptern als würdige Attribute der Götter und Helden. Die A. gehören bis auf zwei Arten nur der Alten Welt an; ungemein reich an Arten ist Afrika, die nächstgrößte Zahl beherbergt Asien, in Europa kommen nur die Saiga-Antilope und die Gemse vor. Man sieht viele Arten in den zoologischen Gärten, wo sie durch ihre Schönheit die Aufmerksamkeit fesseln. Zu den A. gehört auch das "Einhorn", aber welche Form speziell der Annahme einer einhörnigen Art und damit auch dem ganzen Sagenschatz vom Einhorn zu Grunde liegt, ist noch nicht entschieden. In brasilischen Höhlen sind fossile Reste von A. gefunden worden, während Südamerika jetzt keine hierher gehörige Form besitzt.

Die Hirschziegenantilope (Sassi, Cervicăpra bezoartica Pall.), fast 1,25 m lang, mit 15 cm langem Schwanz, 80 cm hoch, unserm Damhirsch ähnlich gebaut, nur noch schlanker und zierlicher, mit 40 cm langen, fast geraden, aufrechten, rückwärts gerichteten, geringelten und schraubenförmig gedrehten Hörnern nur beim Männchen, großen, langen Ohren, kurzem, buschig behaartem Schwanz, großen Thränengruben und Klauendrüsen. Das Männchen ist auf der Oberseite und an der Außenseite der Gliedmaßen dunkel braungrau und fahlgrau, das Weibchen dunkel isabellbraun, beide auf der Unterseite und der Innenseite der Gliedmaßen scharf abgesetzt weiß. Das Tier bewohnt Vorderindien, namentlich Bengalen, und lebt in Herden von 50-60 Stück. Es ist dem Mond geheiligt, nimmt im Tierkreis die Stelle des Steinbocks ein und wird in zahllosen Gedichten wegen seiner Schönheit gepriesen. Man hält es in Parken; die Hindu pflegen es