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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Apenninen

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Apenninen.

Dolomit und Kalksteine, die von der Quelle des Tiber bis zur Grenze Kalabriens vorherrschen und zum Teil dem Jura, zum Teil der Kreide angehören. Ein harter, weißgrauer Kalkstein, der sogen. Apenninenkalk, hat aber bei weitem den meisten Anteil am Aufbau des ganzen Gebirges. Alle diese Gesteine finden sich jedoch nicht in horizontaler Lagerung, sondern mannigfach gehoben und zusammengefaltet, dabei mit wechselnder Richtung der Schichten.

Die A. werden nach den Gegenden, die sie durchziehen, wie nach ihrer Richtung in mehrere Teile geteilt. Man unterscheidet den Ligurischen und den Etruskischen Apennin (nördliche A.), den Römischen Apennin, die Abruzzen und den Neapolitanischen Apennin (mittlere A.) und den Kalabrischen (oder südlichen) Apennin. Der Ligurische Apennin mit den Apuanischen Alpen reicht von Savona, nach O. immer höher aufsteigend und sich ausbreitend, bis zum Monte Cimone. Die südliche Abdachung fällt schroff gegen das Meer, die nördliche mit vielen Thälern sanft zum Po ab und enthält die Quellen der Trebbia, des Taro, der Secchia und des Panaro, welche alle dem Po zufließen. Die höchsten Spitzen dieses von verhältnismäßig wenigen Pässen (von denen die Bocchetta bei Genua [790 m] der bedeutendste ist) durchschnittenen Gebirges sind im östlichen Teil Monte Cimone (2167 m), Alpe di Succiso (2016 m), Alpe di Camporaghena (2000 m), Rondinaja (1961 m). Der Etruskische Apennin, vom Monte Cimone bis zur Tiberquelle reichend, besteht aus mehreren durch tiefe Thäler getrennten Gebirgsmassen, die sich gegen NO. in kleinen Gebirgsarmen mit zahlreichen Thälern und Flüssen (Reno, Savio und Marecchia), welche teils den Sümpfen von Comacchio, teils dem Adriatischen Meer zufließen, herabsenken. Ähnlich ist der südwestliche Abhang zum Thal des mittlern Arno gebildet. Die höchsten Spitzen dieses Teils sind der Monte Falterone (1648 m) und der Prato Magno (1580 m); der wichtigste Paß, der ihn durchschneidet, ist der von La Futa oder Pietra Mala (915 m), der aber jetzt durch die weiter westlich das Gebirge übersteigende Eisenbahn von Bologna nach Florenz in den Schatten gestellt wird. Der Römische Apennin unterscheidet sich von den vorigen Abteilungen durch seine Richtung wie durch seine Bildung. Der höchste Teil ist der aus einigen gegen SO. ziehenden Gebirgsketten bestehende Hochapennin, der den östlichen Teil des Gebirgslands einnimmt, und dessen höchste Spitze am südlichen Ende, in den sogen. Monti Sibillini, liegt (Monte Vittore 2479 m); die wichtigsten ihn überschreitenden Pässe sind die von Furlo und von Serravalle. Westlich davon liegt ein Hochland, das aus einzelnen Thalebenen (besonders denen von Spoleto und Foligno), die durch vielfache niedrigere Höhenzüge getrennt sind, gebildet wird und mit steilen Abhängen gegen das Thal des mittlern Tiber endet. Die höchsten Erhebungen der A. hat das südlicher folgende, bis zur Quelle des Volturno reichende Gebirgsland der Abruzzen (s. d.), dessen höchster Teil im O. aus zwei parallelen Ketten besteht. Die östliche Kette enthält die kolossale Gebirgsgruppe des Gran Sasso d'Italia mit dem Monte Corno (2919 m), dem höchsten Gipfel der A., die westliche erreicht ihren höchsten Punkt im Monte Velino (2487 m), und zwischen beiden breitet sich das schöne, vom Aterno durchflossene Thal von Aquila aus. Im W. der westlichen Kette liegt gleich einer Vorstufe des höhern Gebirges das kleine Hochland, dessen Mitte der ehemalige Fuciner See (660 m) einnimmt, und das im W. mit steilen Ketten zu den Thalebenen des mittlern Garigliano und des Volturno herabsinkt. Die Fortsetzung der Abruzzen bildet der bis zu den Golfen von Tarent und Policastro reichende Neapolitanische Apennin, der sich nach O. hin zur apulischen Hochebene verflacht, im W. aber wiederum zu einer hohen Kette zusammenschließt, welche sich im S. zu dem gewaltigen Gebirgsstock des Monte Pollino (2415 m) verbreitert und in steilem Absturz am Querthal des Crati und Coscile endigt. Der Neapolitanische Apennin ist ein ausgedehntes Gebirgsland, dem es an mächtigen Erhebungen nicht fehlt; das Matesegebirge steigt mit dem Miletto zu 2118 m auf, ohne daß aber die Straßen von der West- zur Ostseite der Halbinsel hier bedeutende Höhen zu überwinden hätten. Der erloschene Vulkan des Monte Vultur (1329 m) liegt am Ostrand des Gebirges. Mit dem Monte Pollino verwachsen, wenn auch durch eine Einsattelung bei Verbicaro deutlich abgehoben, ist der seinem innern Bau nach völlig verschiedene Kalabrische Apennin, der nur noch an wenig Punkten, gewissermaßen als Zeugen, meist kuppenartig dem ältern Gestein aufgesetzte Reste des Apenninenkalks aufzuweisen hat. Eine schmale, steil zum Tyrrhenischen Meer abfallende Kette (Monte Cocuzzo 1550 m), durch das tiefe Thal des Crati im O. begrenzt, verbindet mit der mächtigen Granitplatte des Silagebirges, das eine mittlere Höhe von 1600 m hat. Dieses nordkalabrische Bergland ist durch die bis 250 m herabsinkende, aus jungtertiärem Gestein aufgebaute Landenge von Tiriolo zwischen den Golfen von Sant' Eufemia und Squillace von dem südkalabrischen geschieden, das, an seiner Westseite ein Herd häufiger furchtbarer Erdbeben, in dem gewaltigen Kegel des Aspromonte (Montalto 1958 m) an der Meerenge von Messina endigt.

Die innere (nördliche und nordöstliche) Abdachung des Apennin zum Pogebiet ist eine sanfte, die östliche, der Adria zugekehrte fast durchaus eine steile, so daß nur an den Küsten Raum für eine Straße übrigbleibt und die Gegend, wo die Poebene keilförmig zwischen Apennin und Meer endigt, in der Nähe von Rimini und südwärts davon für friedlichen und kriegerischen Verkehr hohe Wichtigkeit erlangt. Dort trat die Via Ämilia ans Meer und lag die Grenze zwischen der Halbinsel und dem diesseitigen Gallien, dort mündete der Rubico und weiter südlich der Metaurus, in dessen Thal die große Straße über den Apennin ins Tibergebiet führt. Von zahlreichen kleinen Küstenflüssen durchfurcht, tritt der Apennin so nahe an das Meer, daß die Küste seinem Kamm parallel fast geradlinig und einförmig, buchten- und hafenlos verläuft und in der That Italien dem Orient den Rücken kehrt. Nur der Bergvorsprung von Ancona mit seinem durch Kunst verbesserten Hafen, die der Achsel bei Genua entsprechende Ellbogenspitze und die landfest gewordene, aus Apenninenkalk aufgebaute Insel des Monte Gargano (Monte Calvo 1560 m) schaffen etwas Abwechselung. Die Ebene von Apulien (Tavogliere di Puglia ^[richtig: Tavoliere di Puglia]), die sich um den Golf von Manfredonia lagert, scheidet den Gargano vom Apennin und setzt sich nach S. in die Halbinsel Apulien hinein fort in einer höhern, aber sich nach S. hin immer mehr senkenden Kalkplatte, welche, wasserarm und fast der Flußläufe entbehrend, von altersher das Weidegebiet für große Schafherden gewesen ist, neben welchen nur noch der Ölbaum reichen Ertrag liefert. So zahlreiche größere Städte auch an dieser Küste liegen, so hat dieselbe doch nur einen, allerdings ausgezeichneten Hafen, Brindisi, das daher, wie im Altertum, auch in der neuesten Zeit wieder von großer Wichtigkeit ist.