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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aphrophora; Aphrosyne; Aphthen; Aphthenseuche; Aphthit; Aphthonios; Aphyllen; Apia

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Aphrophora - Apia.

Bock, der Hase, die Taube, der Sperling, die Schwalbe, der Jynx (s. d.), der Schwan, heilig sind. Aber auch der menschlichen Zeugung steht sie vor, ja sie wurde auch die Göttin der Hetären und Lustknaben, ähnlich wie im Mittelalter die büßende Magdalena die Schutzheilige der Dirnen war. Der Dienst der A. Pandemos wurde in Athen auf Theseus zurückgeführt. Als Göttin der Liebe hat sie in ihrem Gefolge die Peitho (Suada), die Chariten, den Himeros, Pothos, Hymenäos, vor allen aber den Eros, welchen der Mythus zu ihrem Sohn macht. Die Römer identifizierten die A. mit der altitalischen Göttin Venus (s. d.). Vgl. Roscher, Lexikon der Mythologie, Sp. 390 ff.

A. gehört zu den von der alten Kunst mit am häufigsten dargestellten Gottheiten. Die ältere Periode und die erste Blütezeit der griechischen Kunst (Pheidias) stellte sie bekleidet, teils thronend, teils stehend, dar. Erst in der zweiten Blütezeit (Skopas und Praxiteles) wagte man die Göttin in ihrer nackten Schönheit zu zeigen, aber auch hier nur mit Motivierung der Nacktheit durch das Bad. Mit der Zeit stellte man die Göttin in ihrer Nacktheit nur um ihrer Schönheit willen dar, bis man ihr endlich alles Göttliche abstreifte und sie nur noch als schönes, häufig ganz genrehaft aufgefaßtes Weib erscheinen ließ. Ebenso stieg natürlich auch die Gesichtsbildung vom Ernsten und Würdigen zum Lieblichen und Anmutigen und von da zum Sinnlichen und Koketten herab. Dem spätern Ideal der A. ist das anmutige Oval des Gesichts, das Lächeln und besonders das schmale, schwimmende, die Liebessehnsucht ausdrückende Auge eigen. An Stelle der zierlichern Körperformen dieser jüngern Zeit bildete die ältere die A. mit kräftigern Formen von junonischer Fülle und großartiger Erscheinung. So war noch die berühmteste Statue der Göttin, die knidische A. des Praxiteles, aufgefaßt, von welcher uns Münzbilder und eine Statue des Vatikans eine Vorstellung geben, während die Münchener Kopie (Fig. 1) schon zärtlicher gestaltet ist. Berühmt war auch das Gemälde der A. Anadyomene von Apelles. Unter den uns erhaltenen Statuen behauptet den ersten Rang die durch Hoheit der Auffassung vor allen ausgezeichnete A. von Melos im Louvre (1820 auf der Insel Milo in der Umgebung des Theaters aufgefunden, Fig. 2), über deren Meister, Zeit und Auffassung die Wissenschaft noch zu keinem sichern Resultat gelangt ist, die aber jedenfalls nicht mit dem einen Apfel haltenden Fragment, welches ebenfalls in Milo gefunden wurde, ergänzt werden darf (vgl. Göler v. Ravensburg, Die Venus von Milo, Heidelb. 1879; Hasse, Venus von Milo, Jena 1882; Kiel, Venus von Milo, Hannov. 1882). Außer ihr sind als die berühmtesten Statuen namhaft zu machen: Die in Neapel befindliche A. von Capua, als Siegesgöttin (Venus Victrix) dargestellt, den Fuß auf den Helm des Ares setzend, mit den Armen den Schild emporhebend, eine Nachbildung des Typus der melischen A., aber von sehr geringer Ausführung; die A. Medici zu Florenz, nach der jetzt als modern erwiesenen Inschrift ein Werk des Kleomenes aus Athen (im Portikus der Octavia zu Rom gefunden, früher in der Villa Medici daselbst, seit 1770 in Florenz; s. Tafel "Bildhauerkunst IV", Fig. 5), und die im Bad kauernde A. im Vatikan (wahrscheinlich nach Dädalos von Sikyon), ein Beispiel der genrehaften Auffassung. Ist in den beiden letztern Statuen fast alles Göttliche abgestreift, so grenzt die A. Kallipygos zu Neapel (angeblich in den Kaiserpalästen zu Rom gefunden) trotz der Formvollendung beinahe an das Gemeine. Besondere Bildungen sind die meergeborne, die Schiffahrt schützende A. (daher im Chor der Nereiden und Tritonen in einer Muschel sitzend und ähnlich gebildet) und die kriegerische A., welche mit Ares sehr häufig so gruppiert wurde, daß sie denselben umfaßte oder ihm Helm und Schild hielt. In Sparta kannte man altertümliche Holzbilder von A., welche sie geharnischt zeigten, und noch in pompejanischen Wandbildern erscheint sie gelegentlich als den Schmuck ablegend und zur Lanze greifend. In Reliefs und auf geschnittenen Steinen wird sie gern mit dem Eros tändelnd oder von den Chariten geschmückt dargestellt, oder sie ist die kundige Liebesvermittlerin zwischen Paris und Helena. Diesen letztern Mythenkreis, zumal das Urteil des Paris, hat die antike Kunst unzählige Male behandelt. In Pompeji findet man dagegen den Mythus von Adonis (der verwundet in ihrem Schoß liegt) bevorzugt. In Szenen der Brautschmückung, des heitern Frauenverkehrs wird sie mit Vorliebe auf attischen Vasen eingeführt. Hier ist sie durch die Zierlichkeit und Haltung des Gewandes und durch Attribute (Spiegel, Blume, Taube, auch Jynx und Hase) kenntlich. Über die Aphroditedarstellungen des Altertums vgl. Bernoulli, A. (Leipz. 1874).

^[Abb.: Fig. 2. Aphrodite von Melos (Paris, Louvre).]

Aphrophora, s. Cikaden.

Aphrosyne (griech.), Unvernunft, auch als Personifikation.

Aphthen, s. Schwämmchen.

Aphthenseuche, s. Maul- und Klauenseuche.

Aphthit, 1879 in Marseille erfundene goldähnliche Metalllegierung zu Juwelierarbeiten, wird aus 800 Kupfer, 25 Platin, 10 Wolframsäure und 170 Gold dargestellt.

Aphthonios, griech. Rhetor aus Antiochia, um 400 n. Chr., verfaßte ein bis ins 17. Jahrh. auf Schulen und Universitäten vielbenutztes Lehrbuch über die Elemente der Rhetorik ("Progymnasmata", d. h. Vorübungen im Stil), eigentlich eine neue Bearbeitung des gleichbetitelten Abschnitts der Rhetorik des Hermogenes (hrsg. von Petzholdt, Leipz. 1839, und in den Sammlungen der "Rhetores graeci" von Walz und Spengel). Außerdem besitzen wir von A. noch 40 äsopische Fabeln (hrsg. im Äsop von de Furia).

Aphyllen (griech.), blattlose Pflanzen; aphyllisch, blattlos.

Apia, Hauptort der Samoagruppe auf der Nordseite der Insel Upolu, an einer halbmondförmig ins Land einschneidenden Bucht, welche aber wegen ihrer beschränkten Tiefenverhältnisse und des gegen Nordwinde mangelnden Schutzes nicht genügende Sicherheit gewährt. Der Ort besteht aus zwei Teilen; der