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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arethusa; Aretin; Aretinische Silben; Aretino

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Arethusa - Aretino.

Arethusa, im Altertum Stadt in Syrien, am Orontes, zwischen Epiphania und Emesa, von Seleukos Nikator neugegründet; jetzt Restan.

Aretin, 1) Johann Adam, Freiherr von, tüchtiger Jurist und Diplomat, geb. 24. Aug. 1769 zu Ingolstadt, trat 1788 in den bayrischen Staatsdienst, war unter Montgelas' Ministerium Direktor der diplomatischen Sektion, seit 1817 bayrischer Bundestagsgesandter zu Frankfurt a. M., in welcher Stellung er sich durch energische Verteidigung der bayrischen Verfassungsurkunde allgemeine Achtung erwarb; er starb 18. Aug. 1822. A. war mit Stein Stifter des Vereins für ältere deutsche Geschichtskunde und Besitzer einer sehr wertvollen Kupferstich- und Gemäldesammlung, die nach seinem Tod versteigert ward. Ein Verzeichnis derselben lieferte Brulliot (Münch. 1827, 3 Bde.).

2) Johann Georg Joseph Karl Maria, Freiherr von, Bruder des vorigen, geb. 29. März 1770 zu Ingolstadt, machte sich seit 1793 als Administrator des Donaumoosgerichts um Trockenlegung des Donaumooses sehr verdient. Im J. 1796 wurde er zum Hofkammerrat, 1799 zum Landesdirektor in Amberg und 1806 zum Straßen- und Wasserbauinspektor in Tirol ernannt. Beim Ausbruch des Aufstands in Tirol 1809 bekleidete er die Stelle eines Generalkommissars des Eisackkreises zu Brixen und wurde als österreichischer Gefangener nach Fünfkirchen in Ungarn abgeführt. Nach seiner Freilassung erhielt er 1810 vom König von Bayern ein Lehnsgut nebst einer ansehnlichen Pension. Er starb 30. Jan. 1845 in München. Seine zahlreichen Schriften haben größtenteils ein praktisches und vaterländisches Interesse.

3) Johann Christoph Anton Maria, Freiherr von, Bruder der vorigen, Gelehrter, Staatsmann und Publizist, geb. 2. Dez. 1773 zu Ingolstadt, studierte in Heidelberg, Göttingen und Paris, trat früh in den Staatsdienst und ward schon 1799 Landesdirektionsrat. Im J. 1803 ward er nach Aufhebung der Klöster als Regierungskommissar mit Durchsuchung der Klosterbibliotheken beauftragt und 1806 zum Oberbibliothekar an der Zentralbibliothek zu München ernannt. Wegen eines litterarischen Streits mit Thiersch und andern nach Bayern gezogenen protestantischen Gelehrten legte er dies Amt nieder, ward 1811 Direktor, 1813 Vizepräsident des Appellationsgerichts zu Neuburg, 1819 Landtagsabgeordneter und Präsident des Appellationsgerichts zu Amberg, als welcher er 24. Dez. 1824 in München starb. Als Landtagsabgeordneter gab er die freisinnige "Landtagszeitung" (1819 ff.) heraus. Seine Schrift "Die Pläne Napoleons und seiner Gegner in Deutschland" (1809), worin er von einer protestantischen Liga gegen Napoleon sprach und letztern für den Repräsentanten der Deutschheit, d. h. des Kosmopolitismus, erklärte, erregte den oben erwähnten Streit. Auch eine spätere Schrift: "Sachsen und Preußen" (1815), zu gunsten Sachsens brachte ihm vielen Verdruß. Außerdem schrieb er: "Über die westfälischen Friedensakten" (Münch. 1802); "Jahrbücher der Gerechtigkeitspflege in Bayern" (Neub. 1811-1818, 2 Bde.); "Über Staatsverfassung und Verwaltung" (Münch. 1826); die Schauspiele: "Ludwig der Bayer" (1821) und "Das Mädchen aus Zante" (Bamb. 1822); "Des großen Kurfürsten Maximilian I. Anleitung zur Regierungskunst" (das. 1823); "Darstellung der bayrischen Kreditvereinsanstalt" (Münch. 1824); "Staatsrecht der konstitutionellen Monarchie" (Altenb. 1824-27, 2 Bde.; 2. Ausg., vollendet von K. v. Rotteck, Leipz. 1838-40, 3 Bde.).

4) Karl Maria, Freiherr von, Geschichtsforscher, ältester Sohn des vorigen, geb. 4. Juli 1796 zu Wetzlar, focht in den Freiheitskriegen 1813-15 mit und diente dann bis 1825 teils im Generalstab, teils in diplomatischer Stellung, ward nach längerer Zurückgezogenheit auf dem Land 1843 Legationsrat im Ministerium des Äußern und 1846 Geheimer Haus- und Staatsarchivar, im März 1847 der bayrischen Gesandtschaft in Berlin beigegeben und 1848 und 1849 mit mehreren diplomatischen Missionen betraut. Im Auftrag König Maximilians widmete er sich seit 1855 der Einrichtung des bayrischen Nationalmuseums, dessen Vorstand er 1860 wurde. Seit 1851 Wirklicher Geheimer Rat, wurde er 1859 zum lebenslänglichen Mitglied des Reichsrats ernannt, 1867 in das Zollparlament gewählt. Während der Session desselben starb er 29. April 1868 in Berlin. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: "Chronologisches Verzeichnis der bayrischen Staatsverträge" (Pass. 1838); "Darstellung der auswärtigen Verhältnisse Bayerns" (das. 1839); "Geschichte des Kurfürsten Maximilian I." (das. 1842); "Wallenstein" (Münch. 1844) und "Altertümer und Kunstdenkmäler des bayrischen Herrscherhauses" (das. 1855-71, 9 Hefte).

Aretinische Silben, s. Solmisation.

Aretino, 1) Pietro, ital. Dichter, geb. 20. April 1492 zu Arezzo, genoß als natürlicher Sohn eines Edelmanns, Luigi Bacci, eine höchst mangelhafte Erziehung, zeigte aber frühzeitig ein bedeutendes Talent für satirische Gedichte, deren eins (ein beißendes Sonett auf den Ablaßhandel) seine Verbannung aus der Vaterstadt zur Folge hatte. A. ging nach Perugia, wo er kurze Zeit das Buchbinderhandwerk trieb, sodann (1517) nach Rom. Hier fand er am päpstlichen Hof eine kleine Anstellung und für seinen Hang zu witzigen und unzüchtigen Gedichten volle Nahrung. Schon war er in ganz Italien deshalb gefürchtet, als er sich durch 16 schamlose Sonette ("Sonetti lussuriosi"), die er als eine Art Kommentar zu ebensoviel obscönen Zeichnungen von Giulio Romano verfertigt hatte, auch die Verbannung aus Rom zuzog (1524). A. fand bald einen neuen Gönner an Joh. von Medici in Florenz und begleitete diesen nach Mailand zu Franz I. von Frankreich, der großes Gefallen an seinem Witz fand und seine Rückkehr nach Rom vermittelte. Dort wurde er infolge eines Liebeshandels von einem Nebenbuhler meuchlings überfallen und gefährlich verwundet, und da er nach seiner Genesung keine Genugthuung vom Papst erhalten konnte, verließ er Rom abermals und kehrte zu Johann von Medici zurück, der, in einem Treffen verwundet, in Aretinos Armen starb. A. wandte sich nun (1527) nach Venedig, um hier, wo er alle Freiheit für seine Ausschweifungen wie für seine satirische Feder fand; nur von dem Ertrag der letztern zu leben. Sein Ziel war jetzt, Geld zu gewinnen, und bei der Leichtigkeit, mit welcher er arbeitete, und der Schlauheit, womit er die Großen auszubeuten verstand, gelangte er bald zu großem Wohlstand. Selbst Kaiser Karl V. und König Franz I. beschenkten ihn mit goldenen Ketten. Der erstere bot ihm sogar die Ritterwürde an, die A. aber ausschlug. Während Clemens VII. in der Engelsburg gefangen saß, wurde er von A. in Schmähschriften aufs heftigste angegriffen. Nach des Papstes Befreiung aber vermittelte dessen Majordomus Vasone eine Aussöhnung, und Clemens verzieh dem reuigen Satiriker. Ungeachtet der Fruchtbarkeit seines Geistes konnte jedoch A. nicht alle seine zahlreichen Arbeiten allein vollbringen, zumal es ihm für manche fast ganz an gelehrten Kenntnissen fehlte. Er nahm deshalb