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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Argun; Arguri; Argusaugen; Argyll

803

Argun - Argyll.

Person, die es vortrug; das andre enthielt einen kurzen Abriß der Handlung. Beide schmolzen später in das Loa (s. d.) zusammen. In der Commedia dell' arte verstand man unter dem A. den Stoff, nach welchem die Reihenfolge und der Inhalt der Szenen entworfen wurden, deren Ausführung dann aus dem Stegreif stattfand.

Argun (Argunj), einer der beiden Quellflüsse des Amur (s. d.).

Arguri, ehedem großes und schönes Dorf in Russisch-Armenien, an der Nordseite des Ararat in der sogen. Jakobsschlucht, 650 m über dem Aras gelegen, der älteste bewohnte Ort in der Gegend (der Sage nach von Noah gegründet), mit blühendem Weinbau und nahezu 1600 Einw.; wurde 2. Juli 1840 nebst dem darüberliegenden St. Jakobskloster durch ein mit einem vulkanischen Ausbruch verbundenes Erdbeben vernichtet, wobei 1100 Menschen umkamen.

Argusaugen, bildlicher Ausdruck für mißtrauisch gespannte Wachsamkeit, der griechischen Sage vom "allsehenden" Argos (s. d., S. 802) entlehnt.

Argyll (spr. argeil), schott. Adelstitel, den das jedesmalige Haupt des anglonormännischen, in Schottland eingewanderten Geschlechts der Campbell, seit 1457 als Graf, seit 1641 als Marquis und seit 1701 als Herzog von A., führte, über die Geschichte der Familie vgl. "The house of A. and the collateral branches of the clan Campbell" (Glasg. 1871). Unter den Inhabern des Titels ragen hervor:

1) Archibald, Marquis von, geb. 1598, war, von Karl I. 1635 bei der Besetzung des schottischen Lord-Kanzleramts übergangen, zur Opposition übergetreten und einer der einflußreichsten Führer der streng presbyterianischen Covenanters, so daß er in den schottischen Wirren 1638-41 eine Hauptrolle spielte. Obwohl Karl ihn 1641, um ihn zu gewinnen, zum Marquis ernannte, trat er 1643 durch Pym mit dem englischen Parlament in Verbindung, kämpfte 1645 gegen die Royalisten unter Montrose, ward aber bei Innerlochy geschlagen. Der Ausrufung Karls II. zum König von Schottland 1649 stimmte er erst bei, als er die religiöse Freiheit durch die dem König gestellten Bedingungen gesichert sah, und schloß sich 1651 nach der Unterwerfung Schottlands durch Cromwell der Sache der Republik wieder an. Nach der Restauration ward er von Karl II. amnestiert, trotzdem aber 1661 vom schottischen Parlament des Hochverrats schuldig gesprochen und 27. Mai 1661 enthauptet.

2) Archibald, Graf von, Sohn des vorigen, entschiedener Royalist, erhielt wegen der Dienste, welche er 1653 und 1654 Karl II. in Schottland geleistet, von diesem den größten Teil der konfiszierten väterlichen Güter zurück. In den 20 Jahren, welche der Restauration der Stuarts folgten, blieb er denselben durchaus treu, bewahrte aber die streng presbyterianische Gesinnung, die er von seinem Vater geerbt hatte. Als aber 1681 der Herzog von York die Statthalterschaft Schottlands übernommen hatte, leistete A. den auf des Herzogs Betreiben von dem schottischen Parlament vorgeschriebenen Eid, der sich gegen die Covenanters richtete, nur mit einer einschränkenden Klausel und wurde deshalb verhaftet und als Hochverräter wider alles Recht und formlos zum Tod verurteilt. Er floh nach Friesland, wo er bis zu Jakobs II. Thronbesteigung 1685 zurückgezogen lebte. Da faßte er mit dem Herzog von Monmouth und andern Emigranten den Plan einer Landung in Schottland, um mit Hilfe der Covenanters die verhaßte Regierung zu stürzen. Im Mai 1685 kam A. mit drei Schiffen und etwa 300 Freiwilligen bei den Orkadischen Inseln an. Da aber die Regierung von dem Unternehmen genaue Kenntnis erhalten hatte, traf A., als er im Distrikt Lorne eine Landung versuchte, auf königliche Truppen. Auf dem Rückzug zu Renfrew von einem großen Teil seiner Soldaten verlassen, suchte er über den Clyde zu entkommen, ward aber gefangen und auf Grund der frühern Verurteilung 30. Juni 1685 zu Edinburg enthauptet. - Nach der Revolution von 1689 ward der Urteilsspruch zu gunsten seines ältesten Sohns, Archibald, kassiert und dieser 1701 zum Herzog von A. erhoben.

3) John, Enkel von A. 2), geb. 10. Okt. 1678, folgte 1703 seinem Vater als Herzog von A. und wurde 1705 auch zum englischen Peer mit dem Titel Herzog und Graf von Greenwich erhoben. Er focht 1706 unter Marlborough in Flandern, ward 1711 an Lord Stanhopes Stelle Kommandeur der britischen Truppen in Spanien und 1712 Oberbefehlshaber in Schottland, aber wegen seiner Opposition gegen die Maßregeln des Hofs abgesetzt. Nach Georgs I. Thronbesteigung wieder in königlichem Dienst, schlug er 1715 bei Dumblane die Jakobiten unter dem Grafen Marr. Im J. 1718 beförderte er als erklärter Feind des Ministers Walpole dessen Sturz und ward hierauf Generalfeldzeugmeister und Mitglied des Kabinetts. Er starb 1743.

4) George John Douglas Campbell, achter Herzog von, geb. 30. April 1823, folgte seinem Vater 1847, machte sich früh als publizistischer Schriftsteller bei Erörterung der schottischen Kirchenverhältnisse bekannt, wobei er namentlich die Abschaffung des Laienpatronats befürwortete ("Presbytery examined", Edinb. 1848). Neben den erblichen Ehrenämtern eines britischen Peers (als Baron Sundridge), Lord-Lieutenants von Argyllshire, Erbsiegelbewahrers und königlichen Hofmarschalls in Schottland etc. vereinigt er eine Menge andrer Würden in seiner Person, ist Mitglied des Geheimen Rats, Präsident der Royal Society von Edinburg, Präsident der Geologischen Gesellschaft zu London, Trustee des Britischen Museums. Im J. 1851 wurde er Kanzler der Universität St. Andrews und war 1854-55 Lord-Rektor der Glasgower Hochschule. Im Oberhaus vertrat er stets liberale Grundsätze, gehörte 1852 dem Ministerium Aberdeen als Geheimsiegelbewahrer an, wurde 1855 unter Palmerston Generalpostmeister, schied 1858 mit jenem aus der Regierung aus, trat 1859 als Geheimsiegelbewahrer in dieselbe wieder ein und blieb in dieser Stellung unter dem dritten Ministerium Russells. Seit Dezember 1868 gehörte er als Staatssekretär für Indien dem Kabinett Gladstones an und bewährte sich in den Debatten des Oberhauses über die irische Kirchenbill als glänzenden Redner. Im J. 1874 mit Gladstone zurückgetreten, bekämpfte er im Oberhaus lebhaft die orientalische und indische Politik der konservativen Regierung. Im April 1880 übernahm er in dem umgebildeten Ministerium Gladstone abermals das Amt des Geheimsiegelbewahrers, legte dasselbe aber im April 1881 wieder nieder, weil er mit der von Gladstone eingebrachten irischen Landbill nicht einverstanden war. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Essay on the ecclesiastical history of Scotland" (2. Aufl., Bost. 1849); "India under Dalhousie and Canning" (Lond. 1865); "The reign of law" (1866, 3. Aufl. 1871); "Primeval man" (1869) und "The eastern question" (1879, 2 Bde.). - Sein ältester Sohn, John, Marquis von Lorne, künftiger Erbe des Herzogstitels von A., geb. 6. Aug. 1845, vermählte sich 21. März 1871 mit der Prinzessin Luise