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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ariége; Ariel; Arier; Aries

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Ariége - Aries.

beim Vortrag im Salon stets zu geschehen pflegt), formellen Unterschieds vom Lied gänzlich entbehren, heißen Kavatinen, Arietten oder auch wirklich Lieder (Kouplet, Kanzone). Die ästhetische Bedeutung der A. im musikalischen Drama (Oper) ist ein Stillstehen der Handlung zu gunsten der breitern Entfaltung eines lyrischen Moments; Wagner und seine Anhänger halten ein solches für unberechtigt und stilwidrig, während eine andre starke Partei die A. gerade für die schönste Blüte der dramatischen Musik ansieht. Es sind dies Prinzipienfragen, in denen nicht eine Verständigung, sondern nur Parteinahme möglich ist. Die lediglich zu gunsten des Virtuosentums geschaffene Bravourarie ist freilich ein ästhetisch verwerfliches Ding; doch ist wohl zwischen ihr und der großen A. des Fidelio ein Unterschied, groß genug, um zu gestatten, daß die Verächter jener Verehrer dieser sind.

Ariége (spr. -ehsch), Fluß im südlichen Frankreich, entspringt in den Pyrenäen am Puy Nègre an der Grenze von Spanien und Andorra, fließt durch das gleichnamige Departement und durch einen Teil des Departements Obergaronne und mündet südlich von Toulouse in die Garonne. Er ist 150 km lang, wovon 32 schiffbar sind, aber fast gar nicht benutzt werden.

Das nach ihm benannte Departement ist aus der ehemaligen Grafschaft Foix und dem Couserans gebildet, grenzt gegen S. an Spanien und die Republik Andorra, im W. und N. an das Departement Obergaronne, im O. an Aude, im SO. an das Departement Ostpyrenäen und hat einen Flächenraum von 4894 qkm (88,8 QM.). Das Land dacht sich von den Pyrenäen gegen die Garonne ab, welche in einiger Entfernung von der nördlichen Grenze des Departements hinströmt. Es besteht aus zwei tiefen Gebirgsthälern von fast gleicher Breite, dem des Salat und dem der Ariége, die durch eine Gebirgsabzweigung der Pyrenäen voneinander geschieden werden und in das Becken der Garonne einmünden. Die Pyrenäen erheben sich an der südlichen Grenze mit den Piks de Maubermé (2880 m), de Montvallier (2839 m), de Montcalm (3080 m) und einigen andern Spitzen bis über die Schneegrenze. Die beiden genannten Haupt- sowie deren zahlreiche Nebenthäler, welche von wilden Gebirgsbächen durchströmt werden, sind von nördlichen Ausläufern der Pyrenäen umgeben und oft nur durch Saumpfade zugänglich. Im N. des Departements, wo die Thäler sich zu Ebenen erweitern, ist das Land zum Teil sumpfig. Das Klima ist verschieden, im N. mild und angenehm, im gebirgigen Süden zur Winterzeit schneidend kalt, im Sommer sehr heiß. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1881) 240,601 Seelen. Das Gebirge mit seinen weide- und wiesenreichen Thälern begünstigt die Viehzucht. Die Waldungen, welche aus Fichten, Eichen, auch Korkeichen und Buchen bestehen, bergen zahlreiches Wild, darunter auch Gemsen, Bären und Wölfe, und liefern Nutzholz, Terpentin und Pech als Ausfuhrartikel. Zum Anbau von Getreide, Mais, Hanf, Flachs etc. eignet sich nur der nördliche Teil des Landes, doch überschreitet der Ertrag den Bedarf des Departements; Kartoffeln, Obst, mittelmäßiger Wein werden auch in den gebirgigern Gegenden in Überfluß gebaut. Das Ackerland nimmt über 1/3, Heide- und Weideland etwas weniger, Wald über 1/5, Wiesen über 1/10, Weinberge etwa 1/40 des Areals ein. Einen wichtigen Erwerbszweig bildet der Bergbau auf Eisen, Blei, Kupfer, Zink, Steinkohlen etc. Unter mehreren Salz- und heißen Quellen sind die von Ax und Ussat die bekanntesten. Die Industrie des Landes liefert vorzugsweise Tuch und Wollwaren, chemische Produkte, Papier, Kunsttischlerwaren, Fayence und Glaswaren. Zwei Linien der Südbahn führen durch die beiden Hauptthäler bis Tarascon und St.-Girons. An die erstere schließt sich die Straße, welche über den Paß von Puy Morens nach der Cerdagne und Spanien führt. Das Departement zerfällt in drei Arrondissements: Foix, Pamiers und St.-Girons, und hat Foix zur Hauptstadt.

Ariel (hebr., "Löwe, d. h. Streiter, Gottes"), Name mehrerer alttestamentlicher Personen, auch Jerusalems selbst als unbezwingbarer Heldenstadt, dann auch nach andrer Etymologie Name des Brandopferaltars; in späterer Dämonologie ein Wassergeist. Auch bei Arabern und Persern wird A. von einem Helden gebraucht. Hiermit kommt Shakespeares A. im "Sturm" nur dem Namen nach überein. Dieser, ein Luftgeist, war früher im Dienste der Hexe Sykorax, der Mutter des Kaliban. Zu zart zur Ausrichtung ihrer niedrigen Aufträge, verweigerte er ihr den Gehorsam und ward von ihr mit Hilfe mächtigerer Geister zur Strafe in die Spalte einer Fichte geklemmt, aus welcher Marter ihn nach zwölf Jahren Prosperos Zauber befreite. Dankbar diente nun A. diesem und kehrte endlich, von demselben entlassen, in sein luftiges Element zurück. Andre Dichter führen A. als Unschuld schützenden Engel vor.

Arier (v. sanskrit. ârya, "der Angehörige des eignen Stammes", als Adjektiv "der Ehrenwerte"), ursprünglich der Name, welchen sämtliche Glieder der großen indogermanischen Sprachengruppe auf sich anwandten. Nach Spaltung der Indogermanen (s. d.) in einen westlichen Stamm, der sich verzweigte in Griechen, Römer, Deutsche, Litauer und Kelten, und in einen östlichen Stamm der Iranier wurde der Name als Volksbezeichnung im Osten festgehalten und von der neuern vergleichenden Sprachforschung angenommen zur Unterscheidung dieser östlichen Indogermanen von ihren Stammesgenossen im Westen. Die A. zerfallen in zwei große Stämme: in die Iranier, auf dem großen Hochplateau von Iran oder Persien, und in die Inder, welche wir in Indien und zwar vorwiegend in den nördlich vom Windhyagebirge gelegenen Bezirken und längs der Westküste finden. Inder und Iranier stehen unter sich in einem nähern Verwandtschaftsverhältnis als mit den übrigen indogermanischen Völkern; es wird dies bezeugt durch die genaue Übereinstimmung zwischen der altindischen und iranischen Sprache und durch die zahlreichen Spuren gemeinsamer Entwickelung im Leben und besonders in der Religion. Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1867); Spiegel, Eranische Altertumskunde, Bd. 1 (das. 1871); Pösche, Die A. (Jena 1878); Zimmer, Altindisches Leben (Berl. 1879).

Aries (lat.), der Widder; das erste Zeichen des Tierkreises. In der Kriegskunst der alten Römer ist A. auch Name einer Kriegsmaschine (Mauerbrecher, Sturmbock). Derselbe bestand aus einem 20-60 m langen Balken, der vorn mit einem Widderkopf versehen und zum Einrennen der Mauern bestimmt war (s. Abbildung, S. 808). Ursprünglich von Soldaten auf den Armen getragen, wurde er später durch ein Gerüst in die Schwebe gehängt, oft an seinem hintern Ende zur Verstärkung der Wucht mit Steinen beschwert und dann im Schwunge gegen die Mauer gestoßen. Meist wurde der A., um die Bedienungsmannschaft zu schützen, mit einem auf Pfählen und Rädern ruhenden Dach (testudo) versehen. Die Belagerten suchten entweder durch Feuer das Geschütz zu zer-^[folgende Seite]