Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arlesbeere; Arlesheim; Arlincourt; Arlon; Arlt; Arm

826

Arlesbeere - Arm.

das antike Theater, von dem noch zwei korinthische Säulen, die Orchestra und die untersten Sitzreihen übrig sind (hier wurde 1651 die berühmte "Venus von A." aufgefunden, jetzt eine Zierde des Louvre in Paris); ein grauer Granitobelisk von 15 m Höhe (nicht ägyptisch, seit 1676 aufgerichtet); Reste vom alten Forum, von antiken Thermen und einem Palast Konstantins; zahlreiche, jetzt in einem Museum vereinigte Skulpturen (Dianenkopf, Medea, Apolloaltar u. a.). Die Kathedrale St.-Trophime mit sehr schönem Portal, aber modernisiertem Innern stammt aus dem 12. oder 13. Jahrh.; in dem dazu gehörigen Kloster ist der prachtvolle Kreuzgang bemerkenswert, der in vier Galerien alle Arten des Rund- und Spitzbogenstils zeigt. Außerhalb der Stadt erstreckt sich gegen O. ein grünes, langgedehntes, anscheinend mit großen Steinblöcken bedecktes Feld, die sogen. Alyscamps (Elysii campi), der altheidnische und altchristliche Friedhof, in welchem eine Menge altchristlicher Sarkophage mit Bildwerken aufgefunden wurde. Die Zahl der Bewohner beträgt (1881) 14,431. Handel und Industrie sind nicht von Belang; nennenswert sind nur die Ölerzeugung, die Schafzucht in der Umgebung, dann die Maschinenwerkstätten der Bahn, welche ca. 1200 Arbeiter beschäftigen. Der Rhône kann wegen der Seichtheit nur von kleinern Schiffen (bis 200 Ton.) befahren werden; um dieses Hindernis für die Schiffahrt zu beseitigen, wurde 1834 der Kanal von A. nach Bouc und, da auch dieser nicht genügte, 1864 der Kanal St.-Louis angelegt, der, 60 m breit, 7-9 m tief, vom Hafen von Bouc aus die Mündung des Rhône mit seiner Barre umgeht. A. hat eine hydrographische Schule, eine Bibliothek und war bis 1801 Bischofsitz. Berühmt von alters her ist die Schönheit der Frauen von A. Am rechten Stromufer liegt die Vorstadt Trinquetaille. - A. hieß im Altertum Arelas oder Arelate (kelt. "Sumpfort"), wurde von den Galliern an Stelle des ligurischen Theline gegründet und von Cäsar zur römischen Militärkolonie gemacht. Der Ort erhob sich nun bald zu hoher Bedeutung, wetteiferte mit Massilia im Handel und erreichte seine Blütezeit unter Konstantin, der A. vergrößerte und ausschmückte und unter dem Beinamen Constantina zur Hauptstadt Galliens machte. A. ward jetzt Sitz eines Erzbischofs und ein Hauptstapelplatz des Handels. In der Folge von Westgoten und Sarazenen mehrmals erobert und zerstört, behauptete es dennoch lange seinen Glanz, ward 880 Hauptstadt des burgundischen Königreichs Arelat, machte sich im 12. Jahrh. unabhängig und wurde endlich, nachdem es sich 1251 Karl von Anjou unterworfen hatte, von Ludwig IX. Frankreich einverleibt. Zu A. wurden mehrere wichtige (arelatische) Synoden abgehalten: so 314 gegen die Donatisten, 354 gegen Athanasius, 452 zur Regelung der Kirchen- und Klosterdisziplin, 475 gegen den Prädestinatianer Lucidus, u. a.

Arlesbeere, s. v. w. Elsebeere, s. Sorbus.

Arlesheim, Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Baselland, mit (1880) 939 Einw. Die Kirche, 1681 erbaut, hat schöne Freskomalereien. Hier residierte eine Zeitlang (1678-1792) das Domkapitel des Bistums Basel.

Arlincourt (spr. -längkuhrt), Charles Victor Prévôt, Vicomte d', franz. Schriftsteller, geb. 28. Sept. 1789 auf Schloß Mérantres bei Versailles, war zuerst ein Anhänger Napoleons I., nach 1814 aber den Bourbonen treu ergeben und starb 22. Jan. 1856 in Paris. Als Schriftsteller trat A. zuerst mit einem Epos: "Charlemagne", auf, dessen ersten Teil er Napoleon widmete, das er aber zur Verherrlichung der Restauration vollendete (1818, 2 Bde.). Von seinen Romanen ist der beste "Le Solitaire" (1821), der oft aufgelegt und vielfach übersetzt worden ist. Seine nach 1830 geschriebenen Romane polemisieren gegen das Bürgerkönigtum. Im J. 1848 schrieb er leidenschaftliche legitimistische Pamphlete, deren eins, "Dieu le Veut", 64 Auflagen erlebte. Auf der Bühne hatte er gar keinen Erfolg, hauptsächlich infolge seines mangelhaften Stils.

Arlon (spr. -long, deutsch Arel), früher befestigte Hauptstadt der belg. Provinz Luxemburg, auf einer Anhöhe am Semoy, 404 m ü. M., Station der Luxemburger Eisenbahn, hat ein königliches Athenäum, eine Académie des beaux-arts mit Industrieschule und eine Gemäldegalerie, Woll- und Eisenindustrie und (1883) 7684 Einw. A. (das Arolaunum Vicus des Antoninschen Itinerars) stammt aus der Römerzeit, wurde im 10. Jahrh. Grafschaft, dann Markgrafschaft und 1214 mit Luxemburg vereinigt. Hier siegte 19. April 1793 der französische General Jourdan über die Österreicher.

Arlt, Ferdinand, Ritter von, Augenarzt, geb. 18. April 1812 zu Obergraupen bei Teplitz, studierte in Prag, war hier 1840-42 Assistent an der Augenklinik, wurde 1849 daselbst Professor der Augenheilkunde und kam als solcher 1856 nach Wien. Im J. 1870 erhielt er den Orden der Eisernen Krone. A. steht unter den Männern, welche in den letzten vier Jahrzehnten die Augenheilkunde auf die hohe Stufe der Ausbildung erhoben haben, auf der sie sich gegenwärtig befindet, ohne Zweifel neben Gräfe und Donders in erster Linie. Er schrieb: "Die Krankheiten des Auges, für praktische Ärzte geschildert" (Prag 1851-56, 3 Bde.); "Die Pflege der Augen im gesunden und kranken Zustand, nebst einem Anhang über Augengläser" (das. 1846, 3. Aufl. 1865); "Über die Verletzungen des Auges" (Wien 1875); "Die Ursachen und die Entstehung der Kurzsichtigkeit" (das. 1876); "Klinische Darstellung der Krankheiten des Auges" (das. 1881); "Zur Lehre vom Glaukom" (das. 1884). Er begründete mit Donders und Gräfe das "Archiv für Ophthalmologie" (Berl., seit 1854).

Arm (lat. Brachium), ursprünglich die Vordergliedmaße des Menschen und Affen im Gegensatz zu dem Bein, dann im erweiterten Sinn Vordergliedmaße der Wirbeltiere (Flügel, Vorderbein, Brustflosse), bei den Wirbellosen auch wohl Organe zum Ergreifen und Festhalten, z. B. Arme der Tintenschnecken. Der A. der Wirbeltiere, durch den Schultergürtel (s. d.) am Rumpf beweglich, ist bei den höhern Klassen derselben durchgängig in übereinstimmender Weise gebaut und besteht aus Oberarm, Unterarm und Hand. Dagegen weicht die Brustflosse der Fische erheblich ab und läßt sich einstweilen nur gezwungen damit vergleichen. Mehr als fünf Finger kommen nur äußerst selten normal (fossile Reptilien) oder abnorm (Mensch) vor, dagegen ist in sehr vielen Fällen sowohl ihre Anzahl als auch diejenige der Hand- und Armknochen verringert. Die beiden Knochen des Unterarms (Speiche und Elle) verschmelzen bei den Fröschen, verwachsen bei vielen Säugetieren (wobei die Elle mehr oder weniger rückgebildet wird); die zehn Knochen der Handwurzel verschmelzen in den meisten Fällen oder verkümmern bis auf wenige Stückchen (Vögel); noch mehr werden die Finger reduziert, so daß z. B. bei den Vögeln höchstens drei meist verkümmerte, bei den Wiederkäuern nur zwei, bei den Einhufern nur ein völlig entwickelter übrigbleiben. (Näheres s. bei den einzelnen Gruppen.)