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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Artaxĭas; Arteaga; Artefakt; Artels; Artemidōros

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Artaxias - Artemidoros.

mit Unruhen zu kämpfen. In Ägypten wurde der Aufstand des Inaros trotz der athenischen Hilfe unterdrückt. Gegen die Athener erlitt seine Flotte bei Kypros 449 eine Niederlage, und A. verzichtete nun darauf, die kleinasiatischen Griechen wieder zu unterwerfen. Eine Empörung des syrischen Satrapen Megabyzos wurde gedämpft. Überhaupt gelang es A., die Ruhe und Ordnung im Reich vollständig wiederherzustellen, die Finanzen zu regeln und viele Mißbräuche abzuschaffen. Er starb 425. Ihm folgte ein Sohn Xerxes II. Unter A. führte Esra seine Kolonie nach Palästina und wirkte Nehemia zu Jerusalem.

2) A. II., Mnemon (der "Gedächtnisstarke"), früher Arsakes, ältester Sohn und seit 404 v. Chr. Nachfolger des Königs Dareios Nothos, besiegte und tötete seinen jüngern Bruder, Kyros, der selbst nach der Krone strebte und von 13,000 schwerbewaffneten Griechen unterstützt wurde, in der Schlacht bei Kunaxa, nordwestlich von Babylon, 401. In dem darauf entstehenden Krieg mit Sparta rettete sich A. vor dem siegreichen Agesilaos (396-395) nur durch Geld, womit er eine Koalition Griechenlands gegen Sparta und so die Zurückberufung des Agesilaos bewirkte. Die fortdauernde Uneinigkeit der Griechen sicherte A. vor weitern Angriffen durch diese, und der Antalkidische Friede (387) gab ihm die Herrschaft über die kleinasiatischen Griechen zurück, während im Innern des Reichs die Zerrüttung mehr und mehr zunahm. Um Thronstreitigkeiten unter seinen Söhnen vorzubeugen, nahm A. gegen das Ende seiner Regierung den Dareios, den ältesten der drei Söhne aus gesetzmäßiger Ehe, zum Mitregenten an; allein dieser verschwor sich wider das Leben des Vaters, der ihm die jüngere Aspasia, seine Geliebte, entriß, und wurde hingerichtet. Von den übrigen Söhnen wünschten die Perser den sanften und freundlichen Ariaspes als König, während A. selbst den Arsames bevorzugte; beide wurden jedoch durch die Bosheit des herrschsüchtigen Ochos aus dem Wege geräumt. Im Schmerz darüber starb der 94jährige A. 361.

3) A. III., Ochos (pers. Vahuka, der "Wagenfahrer"), natürlicher Sohn und seit 361 v. Chr. Nachfolger des vorigen, besiegte den aufständischen Satrapen Artabazos und zerstörte Sidon. In Ägypten focht sein Feldherr Mentor (350) so siegreich, daß König Nektanebis II. mit seinen Schätzen nach Äthiopien floh. Das Land wurde furchtbar gezüchtigt. Während A. üppig schwelgte, bekämpfte Mentor die übrigen Feinde des A. in Kleinasien so erfolgreich, daß das Perserreich zu einer Macht gelangte, wie sie seit Kambyses und Dareios Hystaspis nicht mehr gesehen worden war. Um sich vor dem makedonischen König Philipp zu sichern, unterstützte A. 341 Perinthos, starb aber 338 durch Gift, das ihm der Eunuch Bagoas beibringen ließ. Auf A. folgte sein jüngster Sohn, Arses, der 336 ebenfalls ermordet wurde.

4) A. IV. (Ardeschir), Babegan, Gründer des neupers. Reichs und der Sassanidendynastie, Sohn Papeks (daher Babegan), eines Persers, der sich zum unabhängigen Fürsten von Persien gemacht, empörte sich gegen den arsakidischen Herrscher des Partherreichs, Artabanos IV., besiegte diesen in drei Schlachten, tötete ihn und setzte 226 n. Chr. sich selbst die Krone auf, indem er sich für einen Nachkommen der Achämeniden ausgab und das altpersische Wesen herstellte. Sofort bekriegte er die Armenier und Meder, forderte dann von den Römern die Räumung aller ehemals zum Perserreich gehörigen Provinzen und bedrohte Syrien und Mesopotamien. Im J. 234 zog ihm der Kaiser Alexander Severus entgegen, mußte sich aber mit großem Verlust über Armenien und den Euphrat zurückziehen. Indessen fühlte sich auch A. so geschwächt, daß er, weitere Eroberungen aufgebend, sein Heer entließ und bis zu seinem Tod (240 oder 241) sich ruhig verhielt. Durch ihn wurde die Zoroastrische Religion wiederhergestellt und im Umfang des Reichs zur alleinherrschenden erhoben.

Artaxĭas (Ardasches), erster König von Großarmenien, seit 190 v. Chr.; s. Armenien, Geschichte.

Arteaga, Stefano, span. Jesuit, geboren zu Madrid, gest. 1799 in Paris, ist als Musikhistoriker bekannt geworden durch sein Werk "Le revoluzioni del teatro musicale Italiano" (Vened. 1785, 3 Bde.), das in deutscher Bearbeitung mit Anmerkungen von Forkel (Leipz. 1789, 2 Bde.) erschien.

Artefakt (lat.), Kunsterzeugnis.

Artels oder Artjels (nach einigen v. deutschen "Anteil", nach andern v. türk. "orta", Gemeinde, herrührend) sind schon seit alter Zeit in Rußland vorkommende und weitverbreitete, früher "Wataga" genannte, auf patriarchalisch-genossenschaftlicher Grundlage ruhende Vereinigungen von mehreren Personen, die sich zur Übernahme von Arbeiten oder zu Gewerbszwecken zu einem Ganzen verbinden. Mitgliedschaft kann nur durch wirkliche Arbeit wie durch Darlehen begründet werden. Die Organisation der A. ist eine sehr verschiedene. Meist wird das Prinzip der gleichen Berechtigung aller Genossen (Artelschtschiks) streng aufrecht erhalten (gleiche Arbeit, gleicher Lohn), vielfach im Interesse der Sittlichkeit und der Vertrauenswürdigkeit die Erfüllung bestimmter Aufnahmebedingungen verlangt etc. Die Mitglieder der Handwerkerartels liefern außer der Arbeit auch Kapitaleinlagen, um Bestellungen (z. B. Aufträge der Regierung) auszuführen oder ihre Erzeugnisse durch einen Genossen vertreiben zu lassen. Die Arbeiterartels stehen dagegen in einem Vertragsverhältnis zu einem Kapital besitzenden Unternehmer, dem ein Teil des Ertrags abgeliefert wird, während der Rest nach bestimmten, oft gleichen Sätzen verteilt wird. Die bekanntesten sind die Börsenartels der Hafenstädte (zu unterscheiden von den Drjagilkompanien, den Arbeiterschaften der Zollverwaltung), insbesondere diejenigen von Petersburg, welche 1712 dadurch entstanden, daß Peter d. Gr. zur Förderung der Schiffahrt Löschmannschaften aus Altrußland kommen ließ. Dieselben besorgen den Transport der Schiffsgüter von und nach dem Land sowie verschiedene Kontorarbeiten. Sie rekrutieren sich nur aus bestimmten Landesteilen, erheben ein Eintrittsgeld von neuen Mitgliedern, haben feste Taxen für ihre Arbeiten etc. und genießen durch ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit einen sehr guten Ruf. Überhaupt üben die A., indem sie das Gefühl der Solidarität fördern, einen wohlthätigen, sittigenden Einfluß auf ihre Mitglieder aus. Viele A. sind wandernde Vereinigungen, die Arbeiten an verschiedenen Orten ausführen. Die Landwirtschaft kennt bis jetzt im wesentlichen nur die A. der Käsebereitung mit Beteiligung von Grundbesitzern und die der Tabakspflanzerinnen als reine Arbeiterartels. Vgl. Grünwaldt, Das Artelwesen und die Hausindustrie in Rußland (Petersb. 1877).

Artemidōros, 1) griech. Geograph aus Ephesos, um 100 v. Chr., bereiste die Küsten des Mittelmeers und des Roten Meers, beschiffte selbst einen Teil des Atlantischen Ozeans und berichtete über seine Forschungen in einem "Periplus" von elf Büchern, wovon nur ein Bruchstück über den Pontus Euxinus in einem viel spätern Auszug (abgedruckt in Gails "Geographi graeci minores", Par. 1837) erhalten ist.