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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ascidĭum; Ascii; Ascītes; Asclepias; Asclepias gigantea; Ascŏli; Ascŏli Piceno; Ascolīn

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Ascidium - Ascoli Piceno.

Larve, indem sie sich durch Knospung vermehrt, die Anfänge zu einer Kolonie. In letzterer sterben die ältern Individuen allmählich ab, sorgen jedoch vorher durch neue Knospen für die Vergrößerung der Kolonie. In dieser selbst gruppieren sich unter Umständen viele Individuen rings um eine gemeinschaftliche Kloake (s. Abbildung von Botryllus auf Tafel "Mollusken und Tunikaten"). In der Entwickelung haben die A. mancherlei Gemeinsames mit den Wirbeltieren, speziell mit dem niedrigsten Vertreter derselben, dem Amphioxus (s. d.); es ist daher auch eine enge Verwandtschaft zwischen ihnen vorhanden (s. Tunikaten). - Man teilt die A. in vier Gruppen:

1) Appendicularidae; der Schwanz besteht zeitlebens und dient zur Fortbewegung der im Meer schwimmenden Tierchen. Kolonien werden nicht gebildet.

2) Einfache A. (Ascidiae simplices); vielfach einzeln (wie Ascidia microcosmus, s. die genannte Tafel), aber auch durch Knospung zu Stöcken von meist wenigen Individuen vereinigt (z. B. Clavellina, s. Tafel); bis zu 30 cm lang.

3) Zusammengesetzte A. (A. compositae). Die Einzeltiere liegen in einer gemeinsamen Mantelschicht und sind meist regelmäßig um gemeinsame Kloaken angeordnet. Die Kolonien überziehen alle möglichen Gegenstände im Meer und bestehen häufig aus Tausenden von Individuen.

4) Die Feuerwalzen (Pyrosoma), eigentümliche Kolonien vom Aussehen einer hohlen, an dem einen Ende offenen, bis über 30 cm langen Walze mit dicker Wandung, schwimmen frei umher und leuchten nachts stark; die Zentralhöhle der Walze ist für alle Einzeltiere die Kloake.

Ascidĭum (lat., Blattschlauch), in der Botanik eine dem Kannenstrauch (Nepenthes, s. d.) eigentümliche Blattform; vgl. Insektenfressende Pflanzen.

Ascii (lat.), s. Amphiscii.

Ascītes (lat.), s. Bauchwassersucht.

Asclepias L. (Schwalbenwurz, Seidenpflanze), Gattung aus der Familie der Asklepiadeen, perennierende, Milchsaft führende Kräuter mit gegen- oder wirtelständigen, selten abwechselnden Blättern und end- und achselständigen, vielblütigen Dolden, kleinen bis mittelgroßen Blüten und dicken, zugespitzten Balgfrüchten. Etwa 60 meist nordamerikanische Arten. A. syriaca L. (A. Cornuti Decsne), in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Kanada, in den Mittelmeerländern, in Oberösterreich, Deutschland und Südrußland verwildert, hat eine perennierende, fleischige Wurzel, 1,25-1,6 m hohe, einfache, kurz grauhaarige Stengel, große, gegenständige, kurzgestielte, länglich-eiförmige, unten weißgraue und zartwollige Blätter, rosenfarbene Blüten und 10-13 cm lange Fruchtkapseln mit zahlreichen Samen, welche mit einem großen, weißen, seidenglänzenden Haarschopf versehen sind. Die Samen enthalten 25 Proz. fettes Öl, das ausgewachsene Haar ist 2-2,8 cm lang, ungemein leicht, vollständig glatt, ohne Windungen und sehr spröde. Man hat die Pflanze wegen dieser Samenhaare (vegetabilische Seide) wiederholt zum Anbau als Gespinstpflanze empfohlen, auch ihren Bast, welcher ebenso spröde wie das Haar ist, zu benutzen versucht, aber ohne Erfolg; die meiste Beachtung verdient die Pflanze als vortreffliches Bienenfutter. Sie strotzt von einem scharfen, weißen Milchsaft, der einen eigentümlichen Stoff, das Asklepion, enthält. In Nordamerika gilt die Rinde der Wurzel als Heilmittel, und die zarten Sprosse sollen daselbst gekocht wie Spargel genossen werden. Vgl. Meitzen, Über den Wert der A. Cornuti (Götting. 1862). Mehr Bedeutung als Faserpflanzen scheinen A. curassavica L. und A. volubilis L., beide in Westindien und Südamerika, zu besitzen. Die Wurzel von A. asthmatica L., in Ostindien, dient als Ersatzmittel der Ipekakuanha. Eine schöne Zierpflanze ist A. mexicana Cav., ein Halbstrauch in Mexiko, mit einfachem, krautartigem, rötlichem, unten filzigem, oben glattem Stengel, im Quirl stehenden, linien-lanzettförmigen, etwas zurückgerollten untern Blättern und weißrötlichen, in seiten- und endständigen Dolden stehenden Blüten.

Asclepias gigantea, s. Calotropis.

Ascŏli, Graziadio Isaia, ital. Sprachforscher, geb. 16. Juli 1829 zu Görz, wurde von seinen israelitischen Eltern zum Kaufmannsstand bestimmt, wandte sich aber, mit einem ungewöhnlich feinen Verständnis für Sprachformen ausgestattet, dem Sprachstudium zu und brachte es ohne Anleitung so weit, daß er schon im 16. Lebensjahr eine vortreffliche Arbeit über das bis dahin noch nicht beachtete Friaulische veröffentlichen konnte. Das Hauptsammelwerk seiner frühern Arbeiten bilden die "Studj orientali e linguistici". Im J. 1860 an die Akademie zu Mailand berufen, wo er seit 1861 als außerordentlicher Professor der Sprachwissenschaft wirkt, hat A. durch Wort und Schrift das Interesse an Sprachvergleichung und Sanskritstudien unter den Italienern bedeutend gefördert; die namhaftesten jüngern Dozenten seines Vaterlands nennen sich seine Schüler und verdanken ihm weitere Anregung. Viele neue Entdeckungen hat A. besonders in dem Bereich der Lautlehre gemacht und ist auch in Deutschland als einer der ersten Kenner und schärfsten Beobachter des Lautwechsels in den indogermanischen Sprachen anerkannt. Sein Hauptwerk auf diesem Gebiet ist seine "Fonologia comparata del sanscrito, del greco e del latino" (Tur. 1870; deutsch von Bazzigher und Schweizer-Sidler, Halle 1872); auch die "Studj critici" (Flor. 1861-77; deutsch von Merzdorf und Mangold, Weim. 1878) enthalten meist lautliche Untersuchungen. Seit 1873 gibt A. das in Mailand erscheinende "Archivio glottologico" heraus, dessen erster Band seine für die Geschichte der romanischen Sprachen höchst wichtigen "Saggi ladini" enthält, d. h. Sprachproben des ladinischen Dialekts in Graubünden und den romanischen Distrikten Österreichs.

Ascolīn (Glycerinum sulfurosum), eine konzentrierte Lösung von schwefliger Säure in Glycerin, wird äußerlich und innerlich als Arzneimittel besonders bei Scharlach und Diphtheritis benutzt.

Ascŏli Piceno (spr. -tschēno), eine zur Landschaft der Marken gehörige Provinz Mittelitaliens, umfaßt die alte Mark Fermo und den südlichen Teil des alten Picenum oder der Mark Ancona, grenzt im O. an das Adriatische Meer, im S. an die Provinz Teramo, im SW. an Aquila, im W. an Perugia, im NW. und N. an Macerata und hat einen Flächenraum von 2096 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 1995 qkm = 36 QM.). Das Land enthält im W. den Hauptzug des Römischen Apennin mit den bedeutenden Erhebungen des Monte Vittore (2479 m), Pizzo di Seno u. a., während sich der Boden von da gegen O. allmählich bis zur Küstenebene abdacht und ein fruchtbares, schönes Hügelland mit parallelen Höhenzügen bildet. Es wird von zahlreichen Küstenflüssen (Tronto, Aso, Tenna, Chienti etc.) bewässert und hat ein mildes Klima. Die Bevölkerung betrug 1881: 209,185 Seelen, welche vorzügliches Olivenöl, gute Weine, Feigen, Orangen, Melonen, Flachs, Hanf und Seide produzieren. Auch Mineralien, wie Alabaster, Braunkohlen, Silber und Eisenerz, sogar Gold, finden sich