Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

912

Asien (Bodengestaltung).

und Terek, im Gouvernement Orenburg der Ural, höher hinauf das Uralgebirge, so daß das ganze Gebiet der Uralkosaken zu A. gerechnet wird. Die Kerngestalt von A. macht ein Trapez aus, dessen vier Ecken in die Landenge von Suez, den Golf von Tongking (Reich Anam), das Karische Meer und den Anadyrbusen (nördlich von Kamtschatka) fallen. Die kürzeste Seite dieses Trapezes ist die nördliche, sie mißt 4450 km; die westliche ist 4570, die östliche 6820, die südliche von Suez bis Tongking 7550 km lang. Außerhalb dieses Trapezes ist die horizontale Dimension des Erdteils gekennzeichnet durch das Auslaufen seiner Küsten in weit vorspringende Halbinseln, die man als mehr oder weniger getrennte Glieder des großen und breiten Körpers von A. zu betrachten hat; es sind dies im N. das Tschuktschenvorland, im O. die Halbinseln Kamtschatka und Korea, im S. Hinterindien mit der langen Halbinsel Malakka, Vorderindien und Arabien, westlich Kleinasien, die Kulturbrücke nach Europa. Alle zusammengenommen bilden annähernd ein Fünftel des ganzen Erdteils. Selbst die Nordküste, die am wenigsten gegliedert ist, zeigt mehr Meeresbuchten und vorspringende Landzungen als der Erdteil Afrika; dagegen wird A. an Reichtum der Formen wie in seiner Längenentwickelung von der europäischen Küste weit übertroffen. In Europa kommt eine Küstenmeile auf 37 QM. Kontinent, in A. auf 105, in Afrika auf 150 QM. Bevorzugt ist dagegen A. in der Zahl der Inseln; namentlich im O. und SO. umgeben Inseln A. wie mit einer eignen Atmosphäre. Sie sind in ihrem Flächeninhalt dem 17. Teil des Kontinents gleich (2,500,000 qkm) und über einen Raum verteilt, der von der Sundakette bis Neuguinea in Australien, von der Molukken- und Philippinenkette bis Formosa und Japan hinüberreicht und etwa der Ausbreitung des europäischen Kontinents gleichkommt. Diese Inseln treten in einer solchen Größe und dicht gedrängten Anzahl und mit solchem Reichtum an Erzeugnissen auf, daß sie des Kontinents kaum noch bedurften und, eigne Tierarten sowie einen eignen Volksstamm (den malaiischen) beherbergend, beiden Geographen schon darum den Namen eines insularischen Erdteils verdienten.

Bodengestaltung.

Das Tiefland nimmt in A. vom Gesamtareal etwa 17,340,000 qkm (315,000 QM.) ein, d. h. also nur etwa 37 Proz. der Gesamtoberfläche; es überwiegt daher, wie in Afrika, das Hochland sehr bedeutend. Von diesem Tiefland beansprucht ein Fünftel Zentralasien; an 8 Mill. qkm gehören Sibirien zu, und nur etwas mehr als 3 Mill. qkm sind den Ozeanen zugewandt, nämlich das Tiefland von China (1,1 Mill. qkm), die indo-gangetische Niederung Vorderindiens, Mesopotamien am untern Euphrat und Tigris; räumlich am kleinsten, aber äußerst ertragsreich ist das Tiefland von Siam. Alle diese Tiefländer liegen im Kreis um das gemeinsame Hochland gelagert. Unter den Halbinseln wurden durch ihre Lage Träger der Kultur und Gesittung Indien unter der arischen Rasse, Arabien durch semitische Völker, Hinterindien durch Malaien. Diese Halbinseln sind die am schönsten und mannigfaltigsten ausgerüsteten, die am meisten entwickelten Glieder des Erdteils und seit alters vom Handel ausgesucht; jede bildet mit ihren Bewohnern eine Welt für sich und entwickelte sich mit mehr oder weniger Selbständigkeit. Das innerasiatische Tiefland ladet zur Niederlassung nur stellenweise ein, gab aber durch die Wanderungen seiner Hirtenvölker Veranlassung zu jenen denkwürdigen Völkerwanderungen, welche Europa (bis zur Westküste), Ostafrika (in Ägypten) und Südasien (Persien, Afghanistan und Vorderindien) mit fremdländischen Heeren überzogen und neue Kolonisten brachten.

Gebirge. A. zeigt das größte System der Massenerhebung der Erde mit ausgedehnten und hoch gelegenen Plateaubildungen innerhalb und zwischen den Gruppengebirgen. Die Massenerhebung mit ihren Stufenländern nimmt über zwei Fünftel des Erdteils oder ein Areal von ca. 18,72 Mill. qkm (340,000 QM.) ein. Eine Eigentümlichkeit der Gebirgszüge, welche das Innere Asiens von den Küstenländern abschließen, ist ihr nahes Aneinandertreten unter 75° östl. L. v. Gr. Drei Gebirge vereinigen sich hier zur Bildung unwirtlicher Hochwüsten: Thianschan, Kuenlün und Himalaja; nahe heran reicht mit seinen Ausläufern das Altaisystem oder die Gebirgsketten des südlichen Sibirien. Das Altaisystem hat Nordwest-Südostrichtung; ihm gehören die Gebirge im südwestlichen Sibirien an und die Gebirgsketten am rechten Ufer des Sir Darja (Jaxartes). Das Thianschansystem ist das längste aller dieser Gebirge; es beginnt in der Mandschurei, zieht sich durch die nördliche Mongolei hindurch und findet sein Ende in Turkistan am mittlern Amu Darja. Die Richtung ist SW.-NO. Angegliedert ist dem Thianschan das Hindukuschgebirge; es folgt der Streichrichtung des Thianschan, hat denselben geologischen Bau, nimmt aber eine besondere orographische Stellung ein. West-Ostrichtung hat Kuenlün (Kwen-lun), der unter 76° östl. L. v. Gr. beginnt, zuerst Tibet von der Mongolei abschließt, dann Südchina durchsetzt und in den letzten Ausläufern bis zur Küste des Chinesischen Meers fortzieht. Höher als alle diese Gebirge ist der Himalaja aufgetürmt. Er steht durch den Bolor genannten Hals mit dem Thianschan in Verbindung und bildet die Grenze zwischen der reichen südlichen Flora und Fauna Indiens und den ärmern Ländern Innerasiens. Mit der Streichrichtung NW.-SO. zieht das Gebirge in einem nach N. geöffneten Bogen fort bis zum 97. Meridian östl. v. Gr. Hier legt sich mit Nord-Südrichtung das Hinterindische Gebirge vor, das bis zur Südspitze von Malakka hinabreicht. Den Südrand von China und die Grenze zwischen China im N., Birma, Siam und Anam im S. bildet dann das Sinische Gebirgssystem, das unweit Lhassa in Tibet unter 89° östl. L. beginnt und sich bis zu 140; in die Gegend von Tokio, fortsetzt.

Im einzelnen ist folgendes zu bemerken. Der Himalaja ist die höchste aller Bergketten der Erde; seine Länge entspricht der Entfernung zwischen den Südspitzen von Spanien und Griechenland. Er gliedert sich in eine Südkette, einen Zentralzug und eine Nordkette. Die höchste Erhebung liegt in der Südkette unter 87° östl. L. v. Gr.; Gaurisankar (Mount Everest) in Nepal ist mit 8837 m der höchste Gipfel der Erde. Nach Hunderten und Tausenden zählen die schneebedeckten Gipfel. Die Schneegrenze liegt auf dem südlichen Abhang (indische Seite der Kette, von Bhutan bis Kaschmir, bei einem Jahresmittel der Lufttemperatur von +0,6° C.) bei 4860 m, auf dem Nordabhang (tibetische Seite der Kette, bei -2,8° C.) bei 5580 m. Die mittlere Paßhöhe beträgt 5340 m. Parallel dem Himalaja zieht in ebenbürtiger Höhe der Karakorum oder Mustagh zwischen Indien und Turkistan. Von ihm und dem Kuenlün im N. begrenzt und vom Himalaja im S. eingeschlossen,