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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Gebirge).

breitet sich das große, in der Mitte gehobene Längenthal Tibet aus, das von O. nach W. streicht und durch eine große Wasserscheide in einen östlichen und westlichen Teil getrennt wird. Im Karakorum erreicht der Dapsang oder "K 2" genannte Berggipfel 8616 m Höhe, er ist somit nach unsrer jetzigen Kenntnis der zweithöchste Berg der Erde; die mittlere Paßhöhe beträgt 5610 m; die Schneegrenze liegt auf der Nordseite bei 5500 m, auf der Südseite bei 5800 m. Der Kuenlün ist geologisch das älteste Gebirge von A., dem an der Südseite Karakorum und Himalaja und zwar mit veränderten Faltungen anwuchsen. Anfangs von geringer Breite, erreicht das Gebirge seine höchste Erhebung zwischen 77 und 81° östl. L. v. Gr. In seinem östlichen Laufe verbreitert sich der Kuenlün. Gleichen die Ketten westlich einem Wall, und entbehren sie der Auswaschungen, wie sie im Himalaja reichlichere Niederschläge zu stande brachten, so sind in Osttibet und weiterhin die Abfälle sanfter, die Thäler weiter. Der landschaftliche Charakter in diesen drei Gebirgsketten ist sehr verschieden. Im Himalaja reicht üppige, subtropische Vegetation bis zu Höhen von 2400-3000 m; den Raum zwischen dem Karakorum und Kuenlün füllt eine Steinwüste aus, deren Thalsohlen nirgends so tief liegen wie der Montblanc. An Waldungen ist der Himalaja reich, Tibet arm; die Abhänge des Kuenlün gegen N. fallen rasch ab. Dörfer finden sich in den äußern Teilen des Himalaja selten über 2700 m, in den zentralen Teilen kommen sie noch bei 3450-3500 m vor. In Tibet ist der am höchsten gelegene Ort das fortwährend bewohnte Kloster Hanle in 4606 m Höhe und mit einer mittlern Jahrestemperatur von 2,3° C. Am Kuenlün finden sich Wohnorte und Pflanzenwuchs im Karakaschthal noch bei 3600 m. Das den Himalaja östlich begrenzende Hinterindische Gebirge ist noch schwer zugänglich. Wir kennen nur die südlichen Ausläufer; diese erreichen Höhen von 700-1100 m und sind stark bewaldet. Das Sinische Gebirge füllt die südlichen chinesischen Provinzen Jünnan, Setschuan, Schensi, Kansu aus, reicht nach Osttibet hinein und findet seine Grenze im Land um den hoch gelegenen großen Alpensee Kuku-Nor, in dessen Umgebung sieben in die Wolken ragende Schneepiks erwähnt werden. Es fehlt noch völlige Aufklärung über den innern Zusammenhang dieses weitverzweigten Gebirges; sein westliches Ende schildern die wenigen Europäer, die es betraten, als hoch gelegen, rauh und waldlos. Als Ausläufer gegen O. erscheinen Nantschan, südlich vom Jantsekiang, dann zwischen Jantsekiang und Huangho die Parallelzüge Tapaschan und Funfuschan, bisher fälschlich Peling genannt, eine Parallelkette des Kuenlün. Im Paß von Nantschan (ca. 112° 50' östl. L. v. Gr. und 33° 40' nördl. Br.) bietet sich ein sehr bequemer Handelsweg von S. nach N. über den Funfuschan. Handels- wie Heerweg wurde der vielbetretene Verkehrsweg zwischen China und Zentralasien, welcher die Stadt Lantschau am Huangho berührt.

Im N. des Kuenlün zwischen den chinesischen Gebirgen im O., Thianschan im W. und Altai im N. liegt die Mongolei mit Ostturkistan, dem Tarimbecken und der Wüste Gobi. Dieses an 30 Tagereisen breite Gebiet, das sich über 40 Längengrade hinzieht, ist eine weite, gewellte Hochebene, von Nomaden bewohnt, wo nicht, wie an den Zuflüssen des Lop, ständig laufende Gewässer zu seßhaften Niederlassungen einluden. Alle Flüsse enden in Sümpfen und Seen oder versiegen im Sand in weitem dichten Gestrüpp. Der Boden der Gobi oder Schamo ist grobkörniger roter Sand, stellenweise mit Beimischung von Gerölle; im nördlichen wie südlichen Teil erheben sich, teils archipelartig gruppiert, teils kettenartig hingelagert, Höhenzüge mit Paßübergängen von 100-140 m relativer Höhe. Auf durchaus vegetationslose Stellen stößt man selten; am fruchtbarsten ist der Südrand der Gobi. Vom eigentlichen China, der reichlich bewässerten Niederung, trennen die Mongolei eine schmale, im S. Mulingberge genannte Gebirgskette, die östlichen Ausläufer der Funfuschankette, der Sungschan mit seinem reichen Kohlengebiet und nördlich vom Huangho eine Reihe von Bergketten, die von SW. nach NO. streichen. Auf diesem Randgebirge ist die weltberühmte Chinesische Mauer aufgeführt. Im weitern nördlichen Verlauf steigt das Bergland zum weide- und waldreichen Chingan oder Mandschurischen Alpenland auf, das kaum über 2000 m reicht. Auch der Norden und das Innere von Korea sind voll gebirgiger Waldwildnisse. Ebenso ist die ganze mandschurische Küste gebirgig und steil, im N. bis zum Amurland ein 600-700 m hohes Plateau mit aufgesetzten niedern Hügelzügen.

Im Nordrand des großen innerasiatischen Hochlandes, dem in seiner Gesamtausdehnung Sibirien vorgelagert ist, breitet sich zwischen den Flüssen Irtisch und Jenissei der Altai aus, der in der Bjelucha 3352 m Höhe erreicht; östlich vom Jenissei streicht das Sajangebirge, ein schmalrückiges Kammgebirge, in seinen östlichen Partien Ergik-Targak-Taigan, auch Gurbi, Urall und Tunkinskische Alpen genannt. Der höchste Gipfel, der Munku Sardik (3473,5 m), stellt den Gebirgsknoten dar, dem nordwärts die Oka, Bjellaja, der Kitoi und Irkut entströmen, während sich südwärts ein Gebirgsstreifen abtrennt, der auf sieben Pässen den Übergang nach dem Kossogolsee ermöglicht und als Querjoch die Ergik-Targak-Taigankette mit dem Tangnu, einer Parallelkette des Sajan, verbindet. Das Kamardabangebirge umlagert den Süden des Baikalsees (2000 m). Das Apfel- oder Jablonoigebirge streicht östlich davon zuerst in Nordostrichtung meist in mehreren Parallelketten, wendet sich dann ostwärts, bleibt größtenteils auf dem 55.° nördl. Br. und nimmt erst am Ochotskischen Meer als Stanowoigebirge wieder die Richtung nach NO. an. Die Höhenzüge verflachen sich allmählich und erreichen durchschnittlich in den Pässen 900-1200 m, in den Kämmen 1500-1800 m. Die Küstenflüsse des Eismeers trennt vom Flußsystem der Lena das Werchojanische Gebirge. Eine andre Meridiankette ist das Burejagebirge (der Kleine Chingan genannt), das unter 131° östl. L. v. Gr. mit steilem Abfall am Nordufer des Amur beginnt und bis zu 52° nördl. Br. hinzieht.

Am Westrand des Hochlandes haben die Gebirgszüge der Dsungarei und Turkistans bis zum Oxus die Richtung NO.-SW. und gehören dem Altaisystem an; die einzelnen Gebirgsketten heißen: Tarbagatai, bis 2400 m hoch, mit Ausläufern nach der Kirgisensteppe; Alatau, vom Ural durch die große, ebene Barsukisteppe getrennt; Dsungarischer Alatau, zwischen dem See Alakul und dem Ilistrom, in den Kopalketten fast 2400 m hoch; Transilenischer Alatau, zwischen der Iliniederung im N. und dem Issi-kulplateau im S. (44 und 43° nördl. Br.), der Krümmung des Tscharin (linker Nebenfluß des Ili) und dem Tschu-Knie westlich vom Issi-kul. Die mittlere Kammhöhe ist 1900 m, die Gipfelhöhe von