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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Kultur der Bewohner, Verkehr).

mit seinen zahlreichen Sekten ist in Vorderindien vorherrschend; nach dem nördlichen A., ja bis nach Europa hinein reicht der Buddhismus, in Tibet und bei den mongolischen Völkern als Lamaismus, in China und Japan vermischt mit dem ursprünglichen Religionssystem beider Völker. In seiner vorderindischen Heimat ausgerottet durch das Brahmanentum, ist er auch auf den Inseln durch das Eindringen des Islam bis auf Reste zusammengeschmolzen. Juden leben zerstreut über den ganzen Westen Asiens, am zahlreichsten noch in der asiatischen Türkei, insbesondere in Palästina, wo sich auch noch Reste der Samaritaner finden, und an der Südwestküste Vorderindiens. Das Christentum war in seiner ursprünglichen Wiege Palästina durch den überall gewaltsam auftretenden Islam zur Ausrottung bestimmt, erhielt sich aber bis zur Gegenwart fort. In Kleinasien und vereinzelt in Syrien wie durch das ganze russische A. nördlich vom Kaukasus herrscht das griechisch-katholische Bekenntnis. Die armenische Kirche ist noch selbständig organisiert in ihrer Heimat; zerstreut leben zahlreiche Armenier in ganz Südasien. Zahlreich sind Christensekten in den Gebirgsländern Westasiens, so die Nestorianer in den Thälern Westkurdistans, die Maroniten im Libanon, die syrischen oder jakobitischen Christen in Syrien, von denen sich auch noch ein Rest im südwestlichen Vorderindien als Thomaschristen erhalten findet. Christliche Missionäre wirken vornehmlich in Vorder- und Hinterindien und im Archipel; die Philippinen sind größtenteils dem Christentum gewonnen worden. In China und neuerdings in Japan nimmt die Zahl der Missionäre zu, aber nur in Japan ist ihnen die Regierung einigermaßen günstig gesinnt, und es ist nicht zu verkennen, daß die Missionäre dies zum großen Teil selbst verschulden. Den Missionären verdanken wir übrigens eine nicht unbedeutende Bereicherung unsrer Kenntnis der asiatischen Sprachen; namentlich wurden die Idiome der vereinzelt noch übriggebliebenen alten Völkerreste durchgängig zuerst durch sie erforscht und bekannt gemacht. Der Islam ist die herrschende Religion in Arabien, Kleinasien, Persien, Turkistan, Afghanistan, Belutschistan und dem Westen Vorderindiens, dann unter den Malaien auf der Halbinsel Malakka und auf den Inseln, endlich in der südchinesischen Provinz Jünnan. Es sitzen Mohammedaner zwischen Hindu in Vorderindien, zwischen Christen im asiatischen Rußland, zwischen Buddhisten und Konfutsianern in China, ebenso unter zahlreichen Nomadenstämmen Südwestsibiriens. Die Mehrzahl sind Sunniten und nur die Perser Schiiten. Den Konfutsianismus und Taoismus in China und den südlich angrenzenden Ländern sowie den Ahnenkultus (Kamidienst) auf Japan darf man nicht den genannten großen Religionssystemen zur Seite stellen; es sind praktisch gestaltete Religionsphilosophien niedrigern Ranges. Der Schamanismus oder der Glaube an gute und böse Geister, verbunden mit dem Vertrauen auf Zauberei, herrscht unter allen zurückgebliebenen Völkern von der Nordküste Sibiriens hinab bis zur Südspitze des Weltteils. - Über das Zahlenverhältnis der verschiedenen Religionen zu einander läßt sich nichts Genaueres angeben. Von den 797 Mill. Einw. Asiens entfallen höchstens 15 Mill. auf die (oft nur nominellen) Christen, 80 Mill. kommen auf die Mohammedaner, der Rest von ca. 700 Mill. oder die Hälfte der ganzen Menschheit auf den Brahmanismus, Buddhismus, das Schamanentum und andre Naturreligionen.

Unter den Beschäftigungen herrscht der Ackerbau in A. vor, bei Chinesen und Japanern zur höchsten Stufe erhoben und weitergebildet zum Gartenbau, in welchem sie selbst Europäern als Muster dienen können. In der Industrie sind hervorragend die Seidenwebereien der Chinesen, die Baumwollwebereien Vorderindiens und Javas, die Shawlwebereien Kaschmirs, die Teppichwebereien Bocharas, Persiens und der asiatischen Türkei, die Stahlindustrien in Syrien. Aber wie beim Ackerbau sind die Werkzeuge die einfachsten und vermögen die Konkurrenz der Maschinenarbeit in Europa nicht auszuhalten. So kommt es, daß die Mehrzahl jener Länder einen großen Teil ihrer Bedürfnisse aus Europa bezieht. Den Handel des Innern vermitteln Karawanen; Hami, Singan etc. in China, Bochara, Taschkent in Turkistan, Kiachta in Ostsibirien sind Knotenpunkte der sich kreuzenden Karawanenstraßen. Die neueste Zeit hat in den von Europäern besetzten oder beeinflußten Ländern (Indien, Java, Kleinasien, Japan) Eisenbahnen entstehen lassen, deren Länge 1883 freilich erst 18,775 km betrug. Griechische, österreichische und französische Schiffe vermitteln den Verkehr im W., britische, deutsche und holländische im S., chinesische mit den Schiffen aller Nationen, auch der Amerikaner, im SO. Im W. und SO. hat der friedliche Handelsfahrer mit dem Piratentum zu kämpfen, dort mit den Inselgriechen, hier mit den Malaien und Chinesen, die zeitweise sich zu mächtigen Genossenschaften vereinigen. Unter den Handelsplätzen sind Singapur, Rangun, Jokohama, Schanghai, Taschkent, Bombay, Tiflis Beispiele des Aufschwungs; Basra, Bagdad, Aleppo wie Trapezunt und die Handelsstädte im chinesischen Ostturkistan sind Beispiele des Verfalls. Der Welthandel Asiens, der 1882 für 5497,7 Mill. Mk. (Einfuhr 2412,7, Ausfuhr 3085 Mill.) bewegte, führt allerlei Industrieprodukte Europas sowie Silber herzu, während Europa Seide, Baumwolle, Wolle, Reis, Zucker, Weizen, Kaffee, Thee, Indigo, Tabak, Gewürze u. a. empfängt. Ein Netz von Telegraphenlinien (1882: 77,518 km) spannt sich über Sibirien, den Kaukasus, Persien, Indien, China, Japan, die Philippinen und Java aus. Chinas und Japans Hafenplätze sind mit Europa wie Amerika und Australien durch telegraphische Linien verbunden. Eine Linie verbindet Japan und Ostchina durch das mittelländische Kabel und die Linien des Roten Meers über Indien mit Europa; eine andre geht durch die Türkei, Kleinasien und Persien, eine dritte durch Russisch-A., das Kabel beginnt hier an der Ostküste des Amurlandes. Während 1871: 33,000 Depeschen auf sämtlichen vier europäisch-indischen Linien passierten, wurden im Oktober 1880 allein nach Persien und Indien auf dem Rußland seiner ganzen Länge nach durchschneidenden Drähte der Indoeuropäischen Telegraphengesellschaft 48,600 Stück aufgegeben. Ein Brief nach China braucht 45 Tage, eine Depesche durchschnittlich 2 Tage.

Die sozialen Verhältnisse der asiatischen Völker sind äußerst verschieden. Unter den Mohammedanern und allgemein im S. Asiens ist die Vielweiberei gestattet, jedoch nur für die Reichen möglich; in Tibet und in einem Teil des südlichen Vorderindien besteht dagegen Vielmännerei, so daß mehrere Brüder etc. eine gemeinsame Frau haben. Am wenigsten innig ist die eheliche Verbindung bei den Bewohnern des Südostens, wo die reiche Fülle