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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asōt; Asow; Asowsche Steppen; Asowsches Meer; Aspalathholz

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Asot - Aspalathholz.

verdankt, lebte um 600 v. Chr. Er soll aus Phrygien stammen und als Sklave mehreren Herren gedient haben, bis ihn der Samier Iadmon freiließ. Angeblich kam er dann an den Hof des Königs Krösos, dessen Vertrauen er in solchem Maß gewann, daß er ihn zu mehreren Gesandtschaften benutzte; auf einer derselben nach Delphi wurde Ä. von den dortigen Priestern wegen Gotteslästerung ermordet. Was von seiner Häßlichkeit und Eulenspiegelhaftigkeit gemeldet wird, ist auf Rechnung späterer Erfindungen zu schreiben. Sein Name ward in der Folgezeit gleichsam Gattungsname für die Fabeldichtung überhaupt. Ä.' Fabeln erhielten sich in prosaischer Form lange nur durch Tradition im Munde des Volks; eine Sammlung derselben soll zuerst Demetrios Phalereus um 300 v. Chr. veranstaltet haben. Die verschiedenen auf uns gekommenen Sammlungen Äsopischer Fabeln sind teils späte prosaische Auflösungen der Bearbeitung des Babrios (s. d.) in Choliamben, teils Produkte der Rhetorenschulen aus verschiedener Zeit und von verschiedenem Wert. Ausgaben besorgten de Furia (Flor. 1810, 2 Bde.), Korais (Par. 1810), Schneider (Bresl. 1812), Halm ("Kritische Zusammenstellung aller bis jetzt bekannten Äsopischen Fabeln", 2. Aufl., Leipz. 1860). Eine Übersetzung veröffentlichte Binder (Stuttg. 1869). Vgl. Grauert, De Aesopo et fabulis Aesopicis (Bonn 1825); Welcker, Kleine Schriften, Bd. 2 (das. 1847); Keller, Untersuchung über die Geschichte der griechischen Fabel (Leipz. 1862).

2) Der angebliche Verfasser einer romanhaften Geschichte Alexanders d. Gr., welche um 300 n. Chr. von einem Julius Valerius unter dem Titel: "Res gestae Alexandri Macedonis translatae ex Aesopo Graeco" ins Lateinische übersetzt worden ist. In neuerer Zeit ist das griechische Original auf der Pariser Bibliothek entdeckt worden, wo jedoch Kallisthenes (s. d.) als Verfasser genannt ist. Vgl. J. ^[Julius] Zacher, Pseudo-Kallisthenes (Halle 1867).

Asōt (griech.), Wüstling, Schlemmer; Asotie, Wüstlingsleben.

Asow, Flecken im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, an einem Arm des Don, unweit dessen Mündung in das Asowsche Meer, war früher eine wichtige Festung und eine blühende Handelsstadt, ist aber infolge der Versandung des Hafens in Verfall geraten. Es zählt (1881) 18,738 Einw., welche vornehmlich Fischsalzerei treiben. Die verfallenen Festungswerke liegen getrennt von der Stadt auf einer Anhöhe. Etwa 15 km nördlich lag einst die griechische Kolonie Tanais, die wahrscheinlich erst im 3. Jahrh. v. Chr. entstanden ist und im 4. Jahrh. n. Chr. von den Hunnen zerstört wurde. Von den Chasaren wurde später eine neue Stadt an der Stätte des heutigen A. erbaut, welche von einem Fürsten der Polowzer, Azuf, im 11. Jahrh. ihren Namen erhielt, aber von den Genuesen, die hier zwei Jahrhunderte später eine Faktorei anlegten, Tana genannt wurde. Von diesen kam A. 1392 unter die Herrschaft Tamerlans und gehörte dann zu einem aus den Küstenländern des Asowschen Meers und der Krim gebildeten Chanat, bis es 1471 von Mohammed II. der türkischen Herrschaft unterworfen wurde. Seitdem war es jahrhundertelang der Zankapfel zwischen Russen und Türken. Nachdem die Kosaken schon 1572 und dann 1637-42 vorübergehend den Platz besetzt hatten, erfolgte seine Einnahme 1696 durch Peter I. von Rußland. Doch schon 1712 wurde A. an die Türken wieder abgetreten; dann unter der Kaiserin Anna durch Feldmarschall Münnich 1736 nach sechsmonatlicher Belagerung wiedererobert, ward es im Belgrader Frieden 1739 nur unter der Bedingung behauptet, daß alle Festungswerke und Handelsgebäude geschleift wurden.

Asowsches Meer (die Palus Maeotis der Alten), nach der im nordöstlichsten Winkel gelegenen Stadt Asow benannt, ist ein Busen des Schwarzen Meers und mit diesem durch die Straße von Jenikale oder Kertsch (den Kimmerischen Bosporus der Alten) verbunden. Es ist im W. vom Gouvernement Taurien (Krim), im N. vom Gouvernement Jekaterinoslaw, im NO. und O. vom Lande der Donischen und Tschernomorischen Kosaken begrenzt, dehnt sich etwa 150 km von S. nach N. und nahe an 445 km von O. nach W. aus und hat einen Flächeninhalt von 37,603,9 qkm (683 QM.), wovon 107,9 qkm auf die Inseln entfallen. Es nimmt aus dem südlichen Rußland den ansehnlichen, fischreichen Don und die kleinern Flüsse Mys, Jelantschik, Kalmüs, Berda, Molotschnaja, aus der Krim den Salghyr und aus Asien den Kuban, die Beisug, Jeja u. a. auf. Unter den Meerbusen ist vorzüglich merkwürdig das Faule Meer (Siwaschsee, s. d.), in welches man durch die Meerenge von Genitschi gelangt. Der Fischreichtum des Asowschen Meers ist sehr groß, so daß jährlich bedeutende Quantitäten Leim, Kaviar, getrocknete und gesalzene Fische aus demselben zur Ausfuhr kommen. Seine größte Tiefe beträgt nur 16 m und sinkt auf der Reede von Taganrog auf 3½ m herab. Diese Seichtigkeit, verbunden mit dem Umstand, daß es vom November bis April meist mit Eis bedeckt und stets von heftigen Stürmen heimgesucht ist, setzt der Schiffahrt und dem Handel große Gefahren und Beschränkungen entgegen. Seine Zentralpunkte sind die Häfen von Berdjansk, Mariupol und besonders Taganrog (s. die einzelnen Artikel). Leider macht sich bei letzterm Hafen eine auffallende Abnahme des Meers bemerklich, so daß größere Schiffe jetzt bis 30 km vom Land entfernt ankern müssen. Den höchsten Wasserstand erreicht das Meer im Mai nach der Schneeschmelze. Oft ist die Höhe des Wasserstandes von der Windrichtung abhängig. Genaue Messungen haben ergeben, daß das Niveau des Asowschen Meers bei der Meerenge von Kertsch um 1,45 m höher liegt als das des Schwarzen Meers. Im Mittelalter hatten Venezianer, Genuesen und Pisaner bedeutende Niederlassungen an den Küsten des Asowschen Meers gegründet, unter denen Tana (s. Asow) die größte Handelsberühmtheit erlangte. Während des Krimkriegs wurde im Mai 1855 von den Westmächten eine Expedition unter Lyons und Canrobert nach Kertsch und dem Asowschen Meer unternommen, die von seiten der Russen keinen bedeutenden Widerstand fand, so daß nicht nur die auf dem Asowschen Meer befindlichen Kriegsdampfer und zahlreiche Handelsfahrzeuge, sondern auch mehrere Küstenplätze zerstört wurden.

Asowsche Steppen, die dürren, unfruchtbaren, höchstens als Viehweiden zu benutzenden Ebenen am untern Manytsch (s. d.) und Don bis an das Asowsche Meer. Der Boden, offenbar früher Meeresgrund, unter dessen Oberfläche sandige Kalksteinschichten liegen, ist Thonsand mit dürftiger Vegetation, von tief einschneidenden, träge dahinschleichenden Bächen durchschnitten. Dem Ackerbau fast ganz unzugänglich, bieten sie kaum den Herden der Donischen Kosaken, von denen sie spärlich bevölkert sind, einige Nahrung. Dagegen ist die Fischerei im Don, der an vielen Gattungen nutzbarer Fische, besonders an Stören, reich ist, sehr einträglich.

Aspalathholz, s. Aloeholz.