Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Assignation; Assimilation; Assimilieren; Assing; Assiniboia; Assiniboine

956

Assignation - Assiniboine.

und Verzierungen. Die zuerst ausgegebenen führten die Aufschrift: Domaines nationaux. Kurze Zeit, solange man sich in mäßigen Schranken hielt, kursierten die Assignaten gleich barem Gelde; doch sank ihr Kurs trotz Schreckensregiment und Guillotine sofort gegen Metall, als sie in schrankenloser Weise vermehrt und auch in vielen Millionen nachgemacht wurden. Im J. 1796 galten sie kaum noch 1 Proz., so daß die Waren zu enormen Preisen in Papier verkauft wurden, ohne daß die gesetzliche Anordnung nicht zu überschreitender Maximalpreise hiergegen helfen konnte. Endlich wurden sie im Februar 1796 außer Kurs gesetzt und zu 1/30, später zu 1/100 ihres Nominalwerts gegen ein neues Papiergeld, die Mandaten (Territorialmandaten), umgetauscht, welche selbst wieder nach wenigen Monaten auf kaum 3 Proz. zurückgingen, nachdem für 2400 Mill. Livres mit Zwangskurs ausgegeben worden waren. Als der Zwangskurs im Februar 1797 aufgehoben wurde und die öffentlichen Kassen die Mandaten zum Tagespreis annahmen, stand der letztere auf 1/40 Proz. ihres Nominalbetrags. Vgl. Bazot, Histoire des assignats (Amiens 1862).

Assignation (lat.), Anweisung. Assignationsbank nannte man die von der Kaiserin Katharina II. in Petersburg zur Reorganisation des russischen Geldwesens errichtete Staatszettelbank, welche 1848 aufgehoben wurde. Die von derselben ausgegebenen Noten, Bankassignationen genannt, bildeten seit 1780 das Hauptzahlmittel Rußlands, sind aber nur noch in kleinem Betrag im Umlauf, da sie gegen neues Papiergeld, die sogen. Reichskreditbillets, umgetauscht wurden. In allzu großer Menge ausgegeben, sank ihr Kurs, bis 1839 durch Gesetz 3 1/3 Rubel Papier gleich 1 Rub. Silber gesetzt wurden.

Assimilation (lat., "Verähnlichung"), derjenige Vorgang, durch welchen Bestandteile der Nahrung innerhalb des Tierkörpers in geformte Körperelemente übergehen. Die Molekularkräfte, welche sich bei dieser Bildung von Körpermaterie geltend machen, sind uns noch ganz unbekannt. Unzweifelhaft verlaufen bei der A. auch synthetische Prozesse im Tierkörper, wie z. B. bei der Bildung des Hämoglobins. Ähnliche Vorgänge finden auch bei den Pflanzen statt, welche aus Kohlensäure, Wasser und Ammoniak oder Salpetersäure die organische Substanz erzeugen. - In der Grammatik bezeichnet A. die ausgleichende, nivellierende Wirkung, welche Vokale auf Vokale, Konsonanten auf Konsonanten, Konsonanten auf Vokale und umgekehrt vorwärts und rückwärts ausüben. Progressive, d. h. vorwärts wirkende, A. liegt z. B. vor in Marschall, Kamm, krumm, für die ältern Formen "marschalk, kamp, krump", im griechischen mallon für mal-ion, in der Vokalharmonie (s. d.) der uralaltaischen Sprachen. Noch häufiger ist die regressive, d. h. rückwärts wirkende, A. Beispiele für dieselbe sind auf dem Gebiet der Vokale im Deutschen der Umlaut (s. d.) und die Brechung (s. d.), im Griechischen die Epenthese (s. d.) des i. Regressive A. der Konsonanten zeigt sich z. B. im ital. sette, fatto aus lat. septem factus, im lat. summus für sup-mus etc. Beim Umlaut und der Brechung ist die A. nur eine partielle, d. h. der eine Laut wird dem andern nur ähnlich, nicht vollkommen gleich gemacht. Die nämliche Erscheinung zeigt sich auch bei den Konsonanten sehr häufig, z. B. lat. lec-tum für leg-tum, deutsch zwingen, früher "twingen". Als gegenseitige A. kann man es bezeichnen, wenn durch Verschmelzung zweier benachbarter Laute ein dritter entsteht, z. B. franz. mais aus lat. magis, ital. cosa aus lat. causa.

Assimilieren (lat.), verähnlichen, anarten.

Assing, 1) Rosa Maria, geborne Varnhagen von Ense, deutsche Dichterin, geb. 28. Mai 1783 zu Düsseldorf, Schwester des Schriftstellers Varnhagen von Ense, ward in beschränkten Verhältnissen zu Straßburg erzogen und kam 1796 nach Hamburg, wo sie sich nach dem Tod ihres Vaters (1799) zur Erzieherin ausbildete und 1816 mit dem als lyrischer Dichter bekannten Arzt A. aus Königsberg verheiratete. Sie starb daselbst 22. Jan. 1840. Ihre Lieder und Erzählungen erschienen erst nach ihrem Tod unter dem Titel: "Rosa Marias poetischer Nachlaß" (Altona 1841).

2) Ludmilla, Tochter der vorigen und ebenfalls Schriftstellerin, geb. 22. Febr. 1827 zu Hamburg, zog nach dem Tod ihres Vaters (1842) zu ihrem Oheim Varnhagen von Ense nach Berlin, mit dem sie die innigste Freundschaft verband, und durch den sie auch in freundschaftliche Beziehungen zu A. v. Humboldt und andern ausgezeichneten Männern kam. Ihre ersten größern Werke waren die Biographien: "Gräfin Elise von Ahlefeldt" (Berl. 1857) und "Sophie von La Roche, die Freundin Wielands" (das. 1859), denen sich später die Bücher: "Piero Cironi, ein Beitrag zur Geschichte der Revolution in Italien" (Leipz. 1867) und "Fürst Hermann Pückler-Muskau" (Hamb. 1868, 2 Bde.) anschlossen. Nach dem Tod ihres Oheims mit der Herausgabe seines Nachlasses betraut, veröffentlichte sie zunächst die außerordentliches Aufsehen erregenden "Briefe Alexander v. Humboldts an Varnhagen von Ense" (1.-5. Aufl., Leipz. 1860), deren Bekanntmachung sie als eine Pflicht gegen die Nation und die beiden Dahingeschiedenen bezeichnete, die ihr aber herbe Beurteilung zuzogen. Noch stärkere Mißbilligung erfuhren die nun folgenden Varnhagenschen "Tagebücher" (Leipz. 1861-71, 14 Bde.), obschon dieselben ohne Zweifel ein wertvolles, wenn auch mit größter Vorsicht zu gebrauchendes geschichtliches und kulturgeschichtliches Material enthalten. Ein Prozeß, welcher nach dem Erscheinen des 3. und 4. Bandes zu Berlin gegen die Herausgeberin wegen Verletzung der Ehrfurcht vor dem König eingeleitet wurde, endete 1863 mit ihrer Verurteilung zu acht Monaten Gefängnis; ein zweiter (nach Herausgabe des 5. und 6. Bandes) zog ihr 1864 eine weitere Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis zu. A. hatte indessen bereits 1861 ihren Aufenthalt in Florenz genommen und blieb daselbst auch, als ihr die Amnestie von 1866 die Rückkehr nach Deutschland eröffnete. Sie verheiratete sich hier mit einem italienischen Offizier, Cavaliere Grimelli, von dem sie bald wieder geschieden ward, und starb geisteskrank 25. März 1880 daselbst. Aus dem schier unerschöpflichen Nachlaß Varnhagens gab sie noch den "Briefwechsel zwischen Varnhagen von Ense und Ölsner" (Stuttg. 1865) sowie "Aus Rahels Herzensleben, Briefe und Tagebuchblätter" (Leipz. 1877), aus dem des Fürsten Pückler dessen "Briefwechsel und Tagebücher" (Hamb. u. Berl. 1873-76, 9 Bde.) heraus. Aus dem Italienischen übersetzte sie die "Schriften" von Mazzini (Hamb. 1868, 2 Bde.) und Piero Cironis: "Die nationale Presse in Italien und die Kunst der Rebellen" (Leipz. 1863).

Assiniboia, Territorium der brit. Dominion von Kanada, erstreckt sich von Manitoba westlich bis 111° 10' westl. L. v. Gr. und von der Grenze der Vereinigten Staaten bis etwa 52° nördl. Br. und hat ein Areal von 246,100 qkm (4470 QM.). Hauptflüsse sind der Saskatschewan und der östlich dem Assiniboine zuströmenden Qu'appelle, dessen Thal sich durch große Fruchtbarkeit auszeichnet.

Assiniboine, Fluß im NW. von Britisch-Nordamerika, entspringt im W. des Winnipegosissees, ver-^[folgende Seite]