Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

957

Assisen - Assolant.

einigt sich mit dem Qu'appelle oder Calling River und dem Mouse oder Souris River und mündet bei Winnipeg in den Red River des Nordens. Er hat einen Lauf von 1800 km und wird von Dampfern befahren. - Nach ihm benannt ist das Indianervolk der A., der nordwestlichste Zweig der Dakota (s. d.), das, in Britisch-Amerika 5000 Seelen, in der Union etwas weniger stark, sich bis an den südlichen Saskatschewan verbreitet (vgl. Indianer).

Assisen (franz.), ursprünglich jede feierliche Sitzung (sessio). Später wurde der Ausdruck durch den Sprachgebrauch mehr ausschließliches Eigentum der Rechtssprache, und in dieser engern Bedeutung bezeichnete er in England die feierliche Hegung einer Gerichtssitzung, namentlich einer solchen, die an gewissen, von der höchsten Gerichtsbehörde bestimmten Tagen zweimal im Jahr und unter Vorsitz eines Mitgliedes jener höchsten Behörde gehalten wurde. Von England ging dies Institut in die französische Gerichtsverfassung über. In Frankreich verordnete nämlich Ludwig der Heilige, daß zu bestimmten Zeiten dergleichen öffentliche Gerichtssitzungen gehalten werden sollten, um sowohl Beschwerden der Vasallen oder Unterthanen über ihre Beamten anzuhören, als auch um die Berufungen gegen Urteile unterer Gerichtsstellen zu bescheiden. Diese Assisengerichte befaßten sich sowohl mit Zivil- als Kriminalprozessen und zerfielen in sogen. grandes oder petites assises. Aus dem Institut der A. haben sich die Geschwornengerichte ausgebildet, auch wird der Ausdruck A. heutzutage gleichbedeutend mit "Schwurgericht" (s. d.) gebraucht. Übrigens verstand man in Frankreich unter Assise auch eine wichtigere Verordnung oder Verfügung, namentlich eine solche, welche von den Assisenversammlungen erlassen worden war. Gottfried von Bouillon ließ, nachdem er 1099 Jerusalem erobert hatte, die Statuten für seine beiden Gerichtshöfe, das Hofgericht und das Landgericht, in solchen Versammlungen entwerfen, wovon dies merkwürdige Aktenstück "Assises de Jérusalem" genannt wurde (franz. hrsg. von La Thomassière, Bourges 1690). Selbst die von den Assisenversammlungen bewilligten Steuern nannte man Assisa, sowie auch die von Assisengerichten zuerkannten Strafen Assises hießen.

Assisi, Stadt in der ital. Provinz Perugia, an einem Zweig der Eisenbahn von Florenz nach Rom, am Abhang des kahlen Subasio malerisch gelegen, Geburtsort des heil. Franziskus von A., der hier 1209 den nach ihm benannten Orden stiftete. Am obern Ende der Stadt erhebt sich die berühmte Klosterkirche des heil. Franziskus, bestehend aus einer hohen, hellen Oberkirche, niedriger, düsterer Unterkirche, beide im gotischen Stil 1229 erbaut, mit Fresken von Cimabue, Giotto, Gaddi, Memmi u. a., sowie einer unter beiden in den Felsen gehauenen Krypte von 1822 mit den Resten des Heiligen. Bemerkenswert sind außerdem: der Dom (von 1140), die gotische Kirche Santa Chiara (1253 begonnen), der herrliche Portikus eines antiken Minervatempels, Reste etruskischer Mauern und andrer Altertümer und außerhalb der Stadt die dreischiffige kolossale Kuppelkirche Santa Maria degli Angeli (1569). A. zählt (1881) 3705 Einw., ist Bischofsitz und bildet im August das Ziel zahlreicher Wallfahrer. Es ist das alte Asisium, Geburtsort des Elegikers Properz (48 v. Chr.); auch der Dichter Metastasio wurde in A. geboren.

Assistent (lat.), Gehilfe und Beistand jeder Art, besonders Gehilfe eines Arztes, dann im Verwaltungs- und Rechtswesen, auch Geistlicher, welcher bei gottesdienstlichen Handlungen dem Amts- oder einem höhern Geistlichen beisteht (assistiert). Assistenz, Hilfe, Beistand, Gegenwart bei einer Sache, daher die Bezeichnung Assistenzrat, -Arzt u. dgl. Passive Assistenz nennt die katholische Kirche die bloß zeugenmäßige Gegenwart des katholischen Priesters bei der Erklärung der Eheschließung, der die Kirche den Segen versagt.

Assistieren (lat.), beistehen, helfen.

Assiut, ägypt. Stadt, s. Siut.

Aßmannshausen, Kirchdorf im Rheingaukreis des preuß. Regierungsbezirks Wiesbaden, am Rhein, Station der Eisenbahn von Frankfurt a. M. nach Niederlahnstein, baut die edelsten und besten Rotweine am Rhein, hat Reste römischer und mittelalterlicher Bäder, eine warme Quelle von 35° C. (deren Wasser dem Emser Krähnchen ähnlich ist) nebst Bade- und Kurhaus und (1880) 965 Einw.; dabei der Niederwald.

Aßmannshäuser, s. Rheinweine.

Association (neulat., "Vergesellschaftung") ist im weitern Sinn jede Vereinigung von Kräften und Kapitalien, welche durch Zusammenwirken die Erfüllung gemeinschaftlicher Zwecke erstreben. Sind diese Zwecke politischer, religiöser, gemeinnütziger Art, so nennt man die A. auch kurz Verein. Associationsrecht bedeutet dann das Recht zur Vereinsbildung. Im engern Sinn ist A. eine freie, zur Erreichung eines dauernden Zweckes (im Gegensatz zur einfachen Versammlung) geschlossene Vereinigung im Gegensatz zu denjenigen Verbindungen (Staat, Gemeinde), welchen man unter bestimmten Voraussetzungen auf Grund eines öffentlich-rechtlichen Zwanges angehört. Unter denselben spielen diejenigen eine wichtige Rolle, welche Produktions- und Erwerbszwecken gewidmet sind und welche auf einem zivilrechtlichen Gesellschaftsvertrag beruhen (societas) oder, wie die Handelsgesellschaften und Genossenschaften, durch besonderes Gesetz geregelt sind. - Kooperative A., im engern Sinn s. v. w. Genossenschaft (s. d.), im weitern Sinn jede kollektive, von Unternehmer und Arbeitern gemeinsam betriebene Unternehmungsform, nach Marx überhaupt das Zusammenwirken bei Leistungen, die nur aus vereinter Thätigkeit mehrerer hervorgehen können.

Association der Ideen, s. Ideenassociation.

Associé (franz., spr. -ssjeh), Kompagnon, Gesellschafter, ist der Teilhaber einer Handelsgesellschaft, insbesondere der offenen, der Kommandit- und der stillen Gesellschaft; stiller A. wird der Gesellschafter genannt, welcher sich nur mit Einschießung eines Kapitals beteiligt. Näheres über die rechtliche Stellung des A. s. unter Handelsgesellschaften.

Associieren (neulat.), vergesellschaften, vereinigen; zu einer Handelsgenossenschaft verbinden.

Assolant (spr. -láng), Alfred, franz. Schriftsteller, geb. 1827 zu Aubusson (Creuse), wirkte seit 1847 eine Reihe von Jahren in Paris und andern Städten als Lehrer, wandte sich dann, eine freiere Existenz suchend, nach Nordamerika, kehrte aber bald enttäuscht nach Paris zurück und veröffentlichte hier unter dem Titel: "Scènes de la vie des États-Unis" (1859) mehrere Novellen, die durch die Lebhaftigkeit der Darstellung und der Lokalfarbe allgemeines Aufsehen erregten. In rascher Folge erschienen nun neue Romane und Erzählungen, in denen freilich eine gewisse Gleichgültigkeit gegen Ordnung und Ebenmaß sowie Vorliebe für paradoxe Behauptungen und exzentrische Geistessprünge immer stärker hervortraten. Wir nennen: "Brancas" (1859); "Deux amis en 1792" (1859); "Histoire fantastique du célèbre Pierrot" (1860); "Les aventures du Karl Brunner" (1860); "Marcomir,