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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asthma der Kinder; Asti; Astigmatismus

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Asthma der Kinder - Astigmatismus.

Ausschweifungen an, aber mit zweifelhaftem Recht; am verständlichsten ist es noch, wenn das Einatmen reizender Substanzen, Staub od. dgl. als Ursache genannt wird. In neuester Zeit wird die Bildung kleinster, spitziger Kristalle in den Luftröhren als der erregende Reiz angesehen.

Die Behandlung des Asthmas hat die Aufgabe, die einzelnen Fälle abzukürzen und zu mildern sowie die Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten. Ein vortreffliches Mittel, den Anfall zu mildern, ist die Einatmung komprimierter Luft. Allein da hierzu komplizierte Apparate notwendig sind, so läßt sich dieses rationelle Mittel nur äußerst selten in Anwendung bringen. Man muß sich damit begnügen, den Kranken von beengenden Kleidungsstücken zu befreien und im Krankenzimmer für reine, warme und trockne Luft zu sorgen. Zweckmäßig ist es, dem Kranken eine Tasse starken Kaffee oder kleine Portionen von Fruchteis zu reichen. Daneben werden Hautreize angewendet, namentlich warme Hand- und Fußbäder sowie Senfteige, welche man auf die Brust, die Vorderarme und Waden legt. Am sichersten ist die Wirkung der narkotischen Mittel, namentlich des Morphiums und des Chloroforms, welches eingeatmet vorzügliche Dienste leistet und am schnellsten Erleichterung verschafft. Das Rauchen von Stechapfelblättern (käuflich als Stramonium-Zigarren) und das Einatmen der Dämpfe von verbranntem Salpeterpapier gewährt manchmal Hilfe, doch ist der Erfolg kein sicherer. In schweren Fällen ist die Anwendung eines Brechmittels am Platz. Um die Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten, muß der Kranke alle Schädlichkeiten und alle Umstände vermeiden, welche nach seiner persönlichen Erfahrung früher Anfälle bei ihm hervorgerufen haben. Diese Schädlichkeiten und zufälligen Umstände sind bei den einzelnen Individuen überaus verschieden, sie erscheinen häufig wahrhaft barock, und meist ist nicht einzusehen, wie sie einen Anfall hervorzurufen im stande sein sollten. Allein daran darf man sich nicht kehren. Für alle Patienten empfiehlt sich der Aufenthalt in trockner, reiner Luft; staubige, mit Rauch erfüllte Räume, windige Plätze sind zu vermeiden. Auch ist auf eine mäßige Lebensweise und auf nicht zu langen Schlaf zu halten.

Asthma der Kinder, s. Stimmritzenkrampf; A. der Pferde, s. Dämpfigkeit.

Asti, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Alessandria, am Einfluß des Borbore in den Tanaro und an der Eisenbahn von Alessandria nach Turin, in fruchtbarer Gegend gelegen, hat alte, halbverfallene Ringmauern mit Türmen, eine sehenswerte gotische Kathedrale, 1348 geweiht, eine Statue des hier gebornen Dichters Alfieri, trefflichen Weinbau (Vino d'A., ein moussierender Muskatwein), Seidenmanufakturen, ehemals berühmte Buchdruckereien, zwei Messen, lebhaften Handel, zählt (1881) 17,340 Einw. und ist Bischofsitz. - A., im Mittelalter eine Freie Stadt, fiel 1340 in die Gewalt der Visconti, durch die es an Frankreich und nach dem Frieden von Cambrai an Karl V. kam, welcher es an Savoyen abtrat.

Astigmatismus (griech., "Punktlosigkeit", wobei man einen Punkt verzogen, als Streifen, sieht), diejenige Form der Sehstörung, bei welcher die Gegenstände nach der einen oder andern Richtung hin verzogen und mit verschwommenen Konturen erscheinen. Diese Störung beruht auf einer Asymmetrie des lichtbrechenden Apparats im Auge, zunächst auf einer unregelmäßigen Krümmung der Hornhautoberfläche und der Kristalllinse. Auch am gesunden Auge sind die genannten Teile nicht vollkommen symmetrisch gebaut, allein die Asymmetrie ist hier eine so geringfügige, daß sie für gewöhnlich von keiner wahrnehmbaren Störung begleitet ist. Die Hornhaut ist nämlich nicht das Segment einer Kugelfläche, sondern sie ist normalerweise in der Richtung von oben nach unten stärker gekrümmt als in der Richtung von rechts nach links. Daher wird uns eine Linie von bestimmter absoluter Länge in querer Richtung kleiner erscheinen, als dieselbe Linie in senkrechter Richtung bei derselben Distanz erscheint. In einzelnen Fällen erreicht nun die schon in normaler Weise vorhandene Asymmetrie des dioptrischen Apparats im Auge eine solche Höhe, daß dadurch eine fühlbare Mangelhaftigkeit der Sehschärfe bedingt wird. Besonders tritt dies bei weiter Öffnung der Pupille ein, weil dann die dem Mantel des Lichtkegels entsprechenden Strahlen wegen der größern Verschiedenheit der Hornhautkrümmung auch eine sehr ungleichmäßige Brechung erleiden. Auch die Größe des Gesichtswinkels, unter welchem die betrachteten Objekte dem Auge sich darbieten, ist hierauf von Einfluß. Daher übersehen ^[richtig: erreichen] solche Individuen, welche sich nur mit groben Gegenständen beschäftigen, oftmals solche Grade von A., welche bei feinern Arbeiten, beim Lesen und Schreiben, schon sehr störend wirken. Bei höhern Graden des A. ist die Gesichtsstörung immer eine sehr auffällige, und die Kranken klagen über mangelhafte Sehschärfe. Sie bedürfen sowohl beim Fern- als Nahesehen größerer Gesichtswinkel, damit ihre Wahrnehmungen einen befriedigenden Grad von Deutlichkeit gewinnen. Sie sehen die Gegenstände verzogen und an den Rändern verschwommen, ohne scharfe Grenzen. Ein Lichtpunkt erscheint als senkrechter oder wagerechter Lichtstreifen. Die Störung wird in vielen Fällen dadurch bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen, daß der Kranke den Kopf schräg hält und die Lichtstrahlen durch nahezu symmetrische Meridiane der Hornhautfläche fallen läßt, wodurch die Bilder weniger verzogen und schärfer erscheinen. Die objektive Untersuchung des astigmatischen Auges ist ziemlich umständlich. Das Vorhandensein des A., der Grad desselben, die Richtung der Hornhautmeridiane, deren Krümmung ein Maximum oder Minimum ist, kann nur von einem Spezialaugenarzt mit Sicherheit ermittelt werden, zumal da der A. häufig mit Kurzsichtigkeit, Übersichtigkeit und andern Störungen kombiniert ist. Übrigens verraten sich hohe Grade des A. mitunter schon durch die eigentümliche Gestaltung der Hornhaut, welche in die Länge oder Quere verzogen erscheint. Manchmal läßt sich sogar die abweichende Krümmung verschiedener Hornhautmeridiane mit dem bloßen Auge direkt wahrnehmen. Der A. wird in der Regel, wenigstens in seiner Anlage, mit auf die Welt gebracht, kann sich jedoch auch infolge mannigfacher krankhafter Vorgänge am Auge in den spätern Lebensperioden entwickeln. Der angeborne A. erweist sich öfters als ein erblicher Zustand. Bei männlichen Individuen scheint er öfter als bei weiblichen vorzukommen. Er betrifft gewöhnlich beide Augen, diese aber nicht immer in gleichem Grade. Die den A. charakterisierende Gesichtsstörung wird gewöhnlich erst in den spätern Kinderjahren entdeckt. Solange die Akkommodation des Auges noch eine sehr leichte ist, wird der Fehler weniger fühlbar sein oder wohl selbst ganz übersehen werden. Sobald aber im reifen Alter die Akkommodationsbreite mehr und mehr abnimmt, werden selbst schwächere Grade des A. unangenehm empfunden und führen, wenn beide Augen betroffen sind, leicht zur Schwachsichtigkeit, da sie den Kranken behufs des Scharfsehens zwingen, die Objekte näher zu halten,