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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ästim - Astrabad.

als dies dem allgemeinen Einstellungsverhältnis des Auges entspricht. Ist nur ein Auge von A. höhern Grades betroffen, so vernachlässigt der Kranke gewöhnlich dieses Auge, dasselbe wird schwachsichtig, und der Kranke richtet seine Aufmerksamkeit nur auf diejenigen Eindrücke, welche ihm das gesunde Auge vermittelt. Der A. wird erworben durch alle entzündlichen Prozesse, in deren Gefolge die Hornhaut Hervorwölbungen oder Verflachungen erleidet. Bei trüben Flecken oder Narben in der Hornhaut ist der A. fast immer, nach Staroperationen selten in sehr fühlbarer Weise vorhanden. Der A. kann korrigiert werden durch Glaslinsen, deren eine oder beide Oberflächen in eine konkave oder konvexe oder cylindrische Krümmung geschliffen sind, wobei es auf genaue Einstellung der Gläser ankommt. Man bringt daher die Gläser vorher in eine runde Fassung und ermittelt durch Drehung des Glases die richtige Stellung seiner Achsen zum Auge. Ist diese gefunden, so kann man die Gläser leicht in die beliebte Ovalform schleifen lassen. Ist der A. mit Kurzsichtigkeit oder Übersichtigkeit verbunden, so müssen sphärisch-cylindrische Brillengläser angewendet werden, d. h. Gläser, deren eine Fläche cylindrisch geschliffen ist und den A. korrigiert, während die andre, sphärisch geschliffene zur Korrektur der Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit bestimmt ist.

Ästīm (lat.), Achtung; ästimabel, schätzbar; Ästimation, Abschätzung, Wertachtung; Ästimator, Abschätzer; ästimieren, schätzen, beachten.

Aestimatio capĭtis (lat., "Schätzung des Hauptes"), in den alten engl. Gesetzbüchern eine Geldstrafe, die nach Verhältnis der Würde desjenigen bestimmt wurde, gegen dessen Person ein Verbrechen verübt worden war. Auch im altdeutschen Recht kommt etwas Ähnliches vor im Institut der Wergelder, welche der Verbrecher an den Verletzten oder dessen Familie zahlen mußte, um die Fehde und Selbstrache abzukaufen, und wobei jede einzelne Verletzung oder Verstümmelung ihre bestimmte Bußgeldtaxe hatte.

Astische Stufe, s. Tertiärformation.

Ästivation (lat.), Knospenzeit; Lage der Blumenblätter in der Knospe.

Astley (spr. áschlä), Marktstadt in Lancashire (England), westlich bei Manchester, mit (1881) 5614 Einw.

Astmoos, s. Hypnum.

Astomīe (griech.), Mundlosigkeit.

Aston Manor, Vorstadt von Birmingham (s. d.) in England, mit (1881) 53,842 Einw.

Astor, Johann Jakob, einer der unternehmendsten Männer der neuern Zeit, geb. 17. Juli 1763 zu Walldorf bei Heidelberg, begab sich in früher Jugend nach London, wo er bei einem ältern Bruder musikalische Instrumente verfertigen lernte. Als der 1783 zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgeschlossene Friede die Spekulationslust weckte, schiffte er sich nach Amerika ein und legte hier auf den Rat eines deutschen Pelzhändlers den Erlös seiner Instrumente in Pelzwaren an, womit er 1784 in London ein gutes Geschäft machte. Von seinem Bruder mit einem Kapital unterstützt, eröffnete er nach seiner Rückkehr nach New York ein Pelzgeschäft, das er durch direkten Verkehr mit den Indianern bald zu hoher Blüte brachte. Um sein Geschäft über den nordwestlichen Teil Nordamerikas auszudehnen, rüstete er mit Genehmigung der Regierung zwei Expeditionen, die eine zu Wasser, die andre zu Lande, nach dem Oregongebiet aus, wo 1811 an der Mündung des Columbiastroms eine Niederlassung gegründet ward, die man zu Ehren des Unternehmers Astoria (s. d.) nannte. Dem gewinnreichen Handel, der von hier aus teils mit den Indianern, teils nach den russischen Besitzungen und nach China getrieben ward, machte der Krieg mit England 1812 ein Ende. Seinen großen Reichtum erwarb sich A. weniger durch seine großartigen Geschäfte als durch glückliche Spekulationen in Grundeigentum in den durch starke Einwanderung rasch emporblühenden nordwestlichen Staaten der Union und in New York selbst. Er starb 29. März 1848 mit Hinterlassung eines Vermögens von 20 Mill. Doll. Zu Gründung (1849) der nach ihm genannten Astorbibliothek in New York hatte er 400,000 Doll. ausgesetzt, wozu sein 1875 zu New York verstorbener Sohn William später noch 200,000 Doll. hinzufügte. Die Bibliothek zählte 1880: 192,547 Bände. In seinem Geburtsort Walldorf stiftete A. eine 1854 eröffnete Anstalt (Astorhaus) zur Erziehung von armen Kindern und zur Versorgung für alte hilfsbedürftige Personen.

Astorga, Bezirksstadt in der span. Provinz Leon, am Tuerto und an der spanischen Nordwestbahn, mit starken, aus der Römerzeit stammenden Mauern und den Trümmern eines alten Schlosses, hat eine prächtige Kathedrale und (1878) 4483 Einw., welche Schokoladefabrikation, Leinenspinnerei und -Weberei betreiben. - A., seit dem 3. Jahrh. Bischofsitz, ist das alte Asturica Augusta, Hauptstadt der Asturier. Im J. 1810 that sich die Stadt durch tapfere Verteidigung gegen die Franzosen hervor.

Astorga, Emanuele d', ital. Kirchenkomponist; geb. 11. Dez. 1681 zu Palermo, Sohn eines Reichsbarons, der wegen Teilnahme an einer Verschwörung gegen die spanische Herrschaft in Sizilien 1701 im Beisein des Sohns hingerichtet ward, fand auf die Fürsprache der Prinzessin Orsini eine Zufluchtsstätte in einem Kloster der spanischen Stadt A. (nach welcher er sich in der Folge nannte) und tauchte später als trefflicher Sänger und Gesangskomponist am Hof des Herzogs von Parma auf. Nachdem er diesen wegen eines Verhältnisses mit der Tochter des Herzogs hatte verlassen müssen, führte er ein unstetes Wanderleben in Spanien, Portugal, Italien, England und verbrachte seine letzten Lebensjahre in einem Kloster zu Prag, wo er 21. Aug. 1736 starb. Von Astorgas Kompositionen, bestehend in geistlichen Werken, Opern, Kammerarien etc., ist das "Stabat mater" (in neuer Bearbeitung von Rob. Franz erschienen, Halle 1864) mit Recht auch von der Gegenwart als klassisch anerkannt.

Astorĭa, Stadt im nordamerikan. Staat Oregon, 18 km oberhalb der Mündung des Columbia in das Stille Meer, mit Hafen für Schiffe von 7 m Tiefgang, Konservenfabriken für die im Columbia in Menge gefangenen Lachse und Ausfuhr derselben sowie von Getreide und (1880) 2803 Einw. Von Agenten des Pelzhändlers Astor (s. d.) 1811 gegründet, hat der Ort den ihm prophezeiten Aufschwung nicht genommen.

Asträa, in der griech. Mythe Tochter des Zeus und der Themis oder des Asträos und der Eos, dann mit Dike (s. d.) identisch. Besonders heißt diese so als die letzte der Gottheiten, die unter den verderbten Menschen aushielt, dann aber als "Jungfrau" im Tierkreis glänzt; dargestellt mit Wage und Sternenkranz.

Astrabad (Asterabad), pers. Provinz, am Kaspischen Meer, grenzt im N. an den Meerbusen von A. und die Turkmenenwüste, im S. an das Elburzgebirge, gegen W. an Masenderan und umfaßt ca. 14,500 qkm (265 QM.) mit 80,000 Einw. Die Provinz ist überaus waldreich; riesige Exemplare von Parrotia persica, Pterocarya caucasia, Quercus