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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Astronomische Zeichen - Ästuarien.

unter der Aufsicht des berühmten Mathematikers Dasypodius von den drei geschickten Künstlern Isaak, Abraham und Josias Habrecht in den Jahren 1571 bis 1574 verfertigte, neuerdings nach langem Stocken wieder in Gang gebrachte Kunstwerk im Münster zu Straßburg. Ähnliche astronomische Uhrwerke besitzen Prag, Lübeck, Augsburg, Lyon, Versailles u. a. O. Auch in kleinerm Maßstab, für Zimmer, sind solche Uhrwerke verfertigt worden.

Astronomische Zeichen, s. v. w. Kalenderzeichen.

Astronomischer Monat, die Zeit, in welcher die Sonne ein Zeichen des Tierkreises durchläuft; dann ein durch den Umlauf des Mondes bestimmter Cyklus von Tagen, Stunden, Minuten, Sekunden etc., im Gegensatz zum bürgerlichen Monat, welcher aus Wochen und lauter ganzen Tagen besteht.

Astronomischer Ort, die Stelle, an welcher ein Himmelskörper zu einer bestimmten Zeit beobachtet wird, bestimmt durch Rektaszension und Deklination (seltener durch Länge und Breite). Wegen des Einflusses der Refraktion und der Aberration erscheint uns ein Gestirn nicht an seinem wahren, sondern an dem sogen. gebrochenen Ort. Bringt man den Einfluß der Refraktion in Abrechnung, so ergibt sich der scheinbare oder apparente Ort; wird aber auch noch die Aberration abgerechnet, so ergibt sich der wahre Ort. Die wahren Orte der Sterne sind wegen der Nutation (s. d.) noch kleinen Schwankungen ausgesetzt; nach Abrechnung derselben ergeben sich die mittlern Orte. Aber auch diese sind noch langsamen Veränderungen unterworfen infolge der Präzession (s. d.), und wenn man behufs Bestimmung der Eigenbewegung die mittlern Orte eines Sterns für verschiedene Zeiten miteinander vergleichen will, so muß man sie unter Berücksichtigung der Präzession auf denselben Zeitpunkt reduzieren. Der astronomische Ort eines Sterns ist aber auch verschieden je nach dem Standpunkt des Beobachters, und man unterscheidet in dieser Hinsicht den geozentrischen und den heliozentrischen Ort eines Gestirns, je nachdem der Beobachter im Erd- oder im Sonnenmittelpunkt gedacht wird; für die Fixsterne sind beide nur unmerklich verschieden.

Astronomisches Jahr, ein durch den scheinbaren Umlauf der Sonne (oder den wahren der Erde) bestimmter Cyklus von Tagen, Stunden, Minuten, Sekunden etc., im Gegensatz zum bürgerlichen Jahr, das nur ganze (in Monate und Wochen verteilte) Tage hat (s. Jahr).

Astropalia, Insel, s. Stampalia.

Astrophotographie (griech.), die Anwendung der Photographie auf Sonne, Mond und Sterne.

Astrophotometrie (griech.), die Lehre von der Bestimmung der Helligkeit der Sterne, deren theoretische Grundlagen von Lambert in seiner "Photometria" geliefert wurden; doch stieß die praktische Bestimmung der Sternhelligkeiten bis auf die neueste Zeit auf unüberwindliche Schwierigkeiten. John Herschel konstruierte zwar einen Apparat, den er Astrometer nannte; allein derselbe zeigte in seiner Anwendung so beträchtliche Mängel, daß er sich nie einbürgerte; auch Aragos Vorschläge erwiesen sich als unausführbar. Erst Steinheil gab in seinem Prismenphotometer ein Instrument, das auf Erweiterung der Sterne zu Lichtflächen und Vergleichung der Helligkeit der letztern basiert und den Anforderungen der Praxis genügte. Ein weit vorzüglicheres Instrument konstruierte indes später Zöllner. Dieses Astrophotometer gewährt eine Vergleichung der Sterne mit einem künstlichen Lichtpunkt von konstanter Helligkeit, die aber nach Belieben durch eine Polarisationsvorrichtung in meßbarem Verhältnis verändert werden kann. Zöllners Apparat hat bereits wichtige Ergebnisse geliefert und der praktischen Photometrie des Himmels eine hohe Wichtigkeit verliehen. Vgl. Zöllner, Grundzüge einer allgemeinen Photometrie des Himmels (Berl. 1861); Derselbe, Photometrische Untersuchungen (Leipz. 1865).

Astrophysik (griech.), die Lehre von der physischen Beschaffenheit der Himmelskörper, von der Natur ihrer Oberfläche, ihrer Umhüllung etc. In früherer Zeit wurden Fragen, die hierher gehören, meist nur von einzelnen Liebhabern der Astronomie ausdauernd untersucht, und nur gelegentlich wurde ihnen seitens eines Astronomen von Fach Aufmerksamkeit gewidmet. Seitdem aber Photometrie und Photographie in ihrer Anwendung auf die Himmelskörper, vornehmlich aber die Spektralanalyse in den letzten Jahrzehnten so gewaltige Fortschritte gemacht haben, hat sich die Notwendigkeit ergeben, derartige Untersuchungen und Beobachtungen in systematischer Weise anzustellen, und da hierzu die Ausführung physikalischer und chemischer Arbeiten erforderlich ist, für welche an den Sternwarten, die für andre Forschungen bestimmt sind, Gelegenheit und Einrichtungen fehlen, so hat man selbst eigne Sternwarten für A., astrophysikalische Observatorien, gegründet, so bei Potsdam und in Meudon bei Paris.

Astroskōp (griech.), Sternrohr. Astroskopie, Sternbeobachtung, Sternseherkunst.

Astruc (spr. -trük), Jean, Doktor und Professor der Medizin in Paris, geb. 1684, gest. 1766, ließ 1753 zu Brüssel die "Conjectures sur les mémoires originaux, dont il paroit que Moyse s'est servi pour composer le livre de la Genèse" erscheinen, wodurch er, den Unterschied einer elohistischen und einer jehovistischen Quelle erkennend, zum Begründer der neuern Kritik des Pentateuchs geworden ist.

Astrum (lat.), Stern, Gestirn.

Astspore, s. Pleospora.

Ästuārien (lat.), Flutmündungen, offene, hohle, negative Deltas, die Mündungen großer Ströme, welche nicht durch Alluvialmassen (Deltabildungen) versperrt sind, sondern sich als offene Weitungen darstellen. Ä. sind seltener als geschlossene Deltamündungen, sie finden sich in der Elbe, Weser, Themse, am Ob, Jenissei, Lorenzstrom etc.; am groß-^[folgende Seite]

^[Abb.: Mündung des Amazonenstroms.]