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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aethalium septicum; Ateuchus; Ath; Athabasca; Athabasken; Athalarich; Athalia; Athamania; Athamas

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Ateuchus - Athamas.

Ateuchus, Pillendreher (Käfer).

Ath, Hauptstadt eines Arrondissements und Festung in der belg. Provinz Hennegau, an der schiffbaren Dender, Knotenpunkt an der Eisenbahn Brüssel-Lille, hat 5 Kirchen, 1 königliches Athenäum, 1 höhere Knabenschule, 1 Industrieschule, 1 bischöfliches Seminar, 1 große Kaserne, 1 Arsenal, 1 uralten, von Balduin IV. (1150) herrührenden Turm, ein Denkmal des Advokaten Defacqz (seit 1880) und (1883) 9394 Einw., welche lebhafte Industrie, namentlich Baumwollweberei, Färberei und Druckerei, Brauerei und Brennerei, Fabrikation von Gold- und Silberwaren, Messerwaren und Ackerbauwerkzeugen, treiben. Der Handel der Stadt, durch die Dender sehr gefördert, ist bedeutend und bringt besonders Steinkohlen, Bausteine, Korn, Kalk etc. zur Ausfuhr. - A. wurde von Karl V. 1540 befestigt; nach der Eroberung durch die Franzosen 1667 verstärkte Vauban die Werke. Durch den Nimwegener Frieden (1678) kam A. an die Spanier zurück, wurde aber 1697 von den Franzosen unter Marschall Catinat wiedergenommen. Im J. 1706 wurde A. von den Alliierten, 1745 wieder von den Franzosen erobert und 1784 geschleift.

Athabasca (franz. Rivière la Biche), Fluß im brit. Nordamerika, entspringt bei der 2208 m hohen Athabasca Portage, einer großartigen, von Gletschern umgebenen Einsenkung in den Rocky Mountains, zwischen dem Mount Hooker (4773 m) und Mount Brown (4900 m) und ergießt sich nach einem im allgemeinen nordwestlichen Laufe von 1000 km in den Athabascasee, von wo er als Sklavenfluß oder Stony River seinen Lauf zum Großen Sklavensee fortsetzt, um schließlich nach einem Gesamtlauf von 3060 km als Mackenzie den Arktischen Ozean zu erreichen. Unter 56° 30' nördl. Br. durchströmt der A. 90 km weit einen tiefen Canon, wo er Stromschnellen bildet. - Danach benannt ist ein Territorium der britischen Dominion von Kanada, das zwischen 55-60° nördl. Br. und 111-120° westl. L. v. Gr. liegt und ein Areal von 300,300 qkm (5454 QM.) hat. Hauptfluß ist der A., dem hier der Peace River oder Biberfluß zuströmt. Den größten Teil des Gebiets bedecken Wälder, aus Nadel- und Laubholz zusammengesetzt; aber auch ausgedehnte Strecken fruchtbaren Präriebodens kommen vor, wo Mais und Weizen (bis 58° nördl. Br.) vorzüglich gedeihen. A. ist noch ungemein reich an Wild. Schwefel, Steinkohlen, Steinsalz, Eisen, Kupfer und Gold sind entdeckt worden; Mineralquellen sind zahlreich, und auch brennende Naphthaquellen kommen vor. Die Bevölkerung (1883: 8000 Seelen) besteht fast ausschließlich aus Indianern. Hauptort ist Chippewyan am Athabascasee.

Athabasken (Athapasken), ein vom Fluß Athabasca hergenommener, von Gallatin eingeführter Name einer weitverzweigten Gruppe von Indianerstämmen Nordamerikas, welche sich selbst Tinneh ("Menschen") nennen, während die Engländer sie nach ihrem zahlreichsten Stamm als Chippewyans (Tschepewyan) bezeichnen; s. Indianer. Die Sprachen sämtlicher A. bilden einen eignen Sprachstamm, dem in neuester Zeit Karl Eduard Buschmann eingehende Studien gewidmet hat. Die Ergebnisse derselben sind in den Schriften: "Der athabaskische Sprachstamm" (Berl. 1856), "Das Apache als eine athabaskische Sprache erwiesen; in Verbindung mit einer systematischen Worttafel des athabaskischen Sprachstammes" (das. 1861) und "Die Verwandtschaftsverhältnisse der athabaskischen Sprachen" (das. 1863) niedergelegt. Vgl. außerdem Waitz, Die Indianer Nordamerikas (Leipz. 1865); Fr. Müller, Allgemeine Ethnographie (2. Aufl., Wien 1879).

Athalarich, Ostgotenkönig, Sohn des Amalers Eutharich und der Amalasuntha, der Tochter Theoderichs d. Gr., folgte unter Vormundschaft seiner Mutter 526 seinem Großvater erst zehnjährig auf dem Thron. Daß ihn seine Mutter in römischer Sprache und Bildung erziehen ließ und zu Zucht und Ordnung anhielt, verletzte A. und die Großen des Reichs, die ihn nach gotischer Art zu Jagd und Krieg erzogen sehen wollten. Amalasuntha mußte ihrem Verlangen nachgeben, A. überließ sich aber darauf dem Wein und jugendlichen Ausschweifungen und starb schon 534.

Athalia, s. Blattwespen.

Athalia, Tochter des Königs Ahab von Israel und der Isebel, Gemahlin des Königs Joram von Juda, Mutter des Königs Ahasja, riß nach der Ermordung des letztern durch Jehu (843 v. Chr.) die Krone des Reichs Juda an sich und ließ alle männlichen Glieder des königlichen Hauses, auch ihre eignen Enkel, umbringen. Nur der einjährige Sohn Ahasjas, Joas, wurde durch die Priester gerettet und in einem geheimen Gemach des Tempels erzogen. Da A. den Baalsdienst begünstigte, so kam 837 eine Priesterverschwörung zum Ausbruch, infolge deren Joas aus seinem Versteck herausgezogen und zum König gesalbt, A. aber ermordet wurde. Die von ihr dem Baal errichteten Altäre wurden umgestürzt und der Jehovahkult wiederhergestellt. Die Entthronung der A. ist Gegenstand einer berühmten Tragödie Racines, deren Chöre von Mendelssohn-Bartholdy komponiert worden sind.

Aethalium septicum, Lohblüte, s. Myxomyceten.

Athamania, im Altertum Name einer Gebirgslandschaft in Epirus, welche den unwegsamen Grenzdistrikt gegen Thessalien, zu beiden Seiten des Inachos, umfaßte und von den Athamanen bewohnt wurde. Letztere waren ein epirotischer Volksstamm, der zur Zeit der Kämpfe der Römer mit Philipp von Makedonien und den Ätoliern unter dem König Amynandros vorübergehende Bedeutung erlangte und schon um Beginn unsrer Zeitrechnung verschwunden war. Hauptort war Argithea am Acheloos.

Athamas, Sohn des thessal. Herrschers Äolos und der Enarete, Bruder des Sisyphos etc., Herrscher von Orchomenos. Zuerst mit Nephele (der Wolkengöttin) vermählt, die ihm Phrixos und Helle gebar, wird er von derselben verlassen, da er mit der sterblichen Ino, der Tochter des Kadmos, eine Verbindung eingeht. Als das Land infolge des Grolles der Nephele von Dürre heimgesucht wird, will die Stiefmutter durch einen falschen Orakelspruch die Opferung des Phrixos auf dem Altar des Zeus Laphystios veranlassen; doch Nephele entführt ihre Kinder auf einem goldvliesigen Widder durch die Lüfte. Auf der Fahrt stürzt Helle ins Meer, das von ihr den Namen Hellespont erhielt, während ihr Bruder glücklich nach Kolchis gelangte. Später soll A. selbst vom Volk dem Zeus Laphystios geopfert werden; da erscheint Phrixos' Sohn Kytissoros und rettet ihn durch die Kunde, daß Phrixos noch lebe, lädt aber dadurch den Zorn des Gottes auf seine Nachkommen, denn fortan war der Erstgeborne des Geschlechts demselben verfallen und ward geopfert. Darauf traf der Groll der Hera, dadurch veranlaßt, daß Ino den Dionysos, den Sohn ihrer Schwester Semele, erzogen, A. und seine Familie. In Wahnsinn versetzt, tötete er den einen seiner beiden Söhne, Learchos, welchen er für einen Hirsch hielt, und Ino stürzte sich mit dem andern, Melikertes, ins Meer;