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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Athanarich - Athaumasie.

dieser ward zum Schiffergott Palämon, sie zur Göttin Leukothea. Wegen der Blutschuld, die er auf sich geladen, flieht dann A. in ein fernes Land, das nach ihm Athamantia genannt wurde, und vermählt sich hier mit Themisto. Vielleicht beruht die Athamassage auf dem uralten Gebrauch der Minyer, den Erstgebornen des Fürstenhauses der Athamantiden dem Zeus Laphystios zu opfern, wenn er sich nicht, wie Phrixos, durch die Flucht seinem Schicksal entzog. - Berühmt war im Altertum die Statue des A. von Aristonidas, welche den A. nach Tötung seines Sohnes Learchos reuig dasitzend zeigte. Aristonidas mischte Erz und Eisen zusammen, um mit der durch den Glanz des Erzes durchschimmernden Rostfarbe des Eisens die Schamröte auszudrücken.

Athanarich, Stammfürst der Westgoten aus dem Haus der Balten zur Zeit der Völkerwanderung, stand anfangs unter des Ostgotenkönigs Hermanrich Oberhoheit, zog sich vor den Hunnen mit dem heidnischen Teil seines Volks in die verschanzten Waldungen zwischen Donau und Pruth zurück; ward aber genötigt, seinen vorangegangenen Genossen Fridigern und Ablavius 376 über die Donau in das römische Reich zu folgen, wo er an den Kämpfen der Westgoten gegen die Römer teilnahm. Nach Fridigerns Tod Führer der Westgoten, ließ er sich von Theodosius d. Gr. zum Frieden bewegen, und als er im Januar 381 in Konstantinopel starb, trat sein ganzes Heer, gewonnen durch die von Theodosius veranstaltete feierliche Bestattung Athanarichs und durch des Kaisers großmütiges und freigebiges Benehmen gegen dessen Gefolge, in römische Dienste über.

Athanasianisches Glaubensbekenntnis (Symbolum Athanasianum oder, nach dem Anfangswort, Symbolum Quicunque). Es enthält in scharf und bestimmt ausgesprochenen Thesen und Antithesen die orthodoxe Lehre von der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes, wie dieselbe auf Grund des Konzils zu Chalcedon (451) im Abendland ausgebildet wurde. Es rührt also sicher nicht von Athanasius her, gibt auch dessen Lehre keineswegs genau wieder und ist überdies in lateinischer Sprache abgefaßt. Mit Sicherheit zum erstenmal genannt finden wir es bei Cäsarius von Arles im 6. Jahrh. Es stellt die Trinitätslehre im (Augustinischen) Sinn der abendländischen Kirche fest. Die griechische Kirche verwarf es in ihren Streitigkeiten mit der lateinischen. Von den protestantischen Kirchen macht nur die anglikanische Hochkirche einen liturgischen Gebrauch von dem Symbol.

Athanasie (griech.), Unsterblichkeit.

Athanasius, christl. Kirchenvater mit dem Beinamen des "Großen" oder des "Vaters der Orthodoxie", war Diakon des Bischofs Alexander von Alexandria, als hier die arianischen Streitigkeiten ausbrachen, und zog 325 auf dem Konzil zu Nicäa als Verteidiger seines Bischofs und der Wesensgleichheit Christi die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Den unversöhnlichsten Haß der Arianer aber lud er auf sich, als er, seit 328 Bischof von Alexandria, sich unerschütterlich der Wiedereinsetzung des Arius widersetzte. Ihre Beschuldigungen verdächtigten ihn beim Kaiser; von einer Synode zu Tyros 335 verurteilt, mußte er 336 nach Trier in die Verbannung gehen. Im J. 337 von Konstantin dem jüngern zurückberufen, ward er von einer arianischen Synode zu Antiochia 340 von neuem entsetzt, fand aber Schutz bei dem Bischof Julius von Rom. Eine von diesem berufene, aber von den Orientalen nicht beschickte Synode zu Rom sprach ihn von allen Anklagen frei, und das Konzil von Sardica 343 bestätigte diesen Spruch, worauf der Kaiser Konstantin, durch den Eindruck seiner Persönlichkeit gewonnen, ihm die Rückkehr nach Alexandria gestattete. Mit der alten Unbeugsamkeit und Schonungslosigkeit bekämpfte er hier den Arianismus; da seine Gegner aber nach der Besiegung des Gegenkaisers Magnentius (353) wieder bei dem Kaiser Gehör fanden und auf dessen Befehl die Synoden zu Arles 353 und Mailand 355 den des Hochverrats beschuldigten A. verurteilten, so mußte dieser 356 zu den Einsiedlern der Ägyptischen Wüste flüchten, bis Julian ihn 361 auf seinen Bischofsitz zurückrief. Doch wurde er von diesem zum viertenmal verbannt, als er wider dessen Erwartung, gegen die kirchlichen Gegner mild, die ganze Kraft seiner Rede gegen das Heidentum wandte. Von Kaiser Jovian zurückberufen, ward er durch den Arianismus des Kaisers Valens 366 noch einmal in die Verbannung getrieben; doch wurde das Edikt bald widerrufen, und A. konnte seine letzten Lebensjahre bis an seinen Tod (2. Mai 373) ungestört seiner Kirche widmen. Von seinen Anhängern als ein Heiliger verehrt, hat er durch Schrift, Wort und That unerschrocken für die Wesensgleichheit Christi mit Gott gekämpft, mit deren Anerkennung oder Verwerfung seiner Überzeugung nach die christliche Kirche stand und fiel. Seine zahlreichen Schriften sind teils dogmatischen und polemischen, teils homiletischen und exegetischen Inhalts. In jenen zeigt er neben glühendem Eifer für Orthodoxie hohe spekulative Begabung. Die beste Ausgabe seiner Werke besorgte Montfaucon (Par. 1698, 3 Bde.; hiernach die dogmatischen Werke hrsg. von Thilo, Leipz. 1852), eine neuere Migne (Par. 1860, 4 Bde.). Wichtig, besonders für die Chronologie, sind die neuerlich in syrischer Sprache aufgefundenen Festbriefe des A. (deutsch von Larsow, Leipz. 1852). Vgl. Möhler, A. d. Gr. und die Kirche seiner Zeit (2. Aufl., Mainz 1844, 2 Bde.); Voigt, Die Lehre des A. von Alexandrien (Bremen 1861); Böhringer, A. und Arius (2. Aufl., Stuttg. 1874).

Athanatismus (griech.), Verewigung, Vergötterung; dann Glaube an Unsterblichkeit.

Athanatologie (griech.), Unsterblichkeitslehre, Unsterblichkeitsglaube.

Athapasken, Indianervolk, s. Athabasken.

Atharwa Weda, s. Weda.

Athaulf, König der Westgoten, Schwager Alarichs (s. d.), dem er gotische und hunnische Scharen nach Italien nachführte, wurde 410 dessen Nachfolger in der Führung der Westgoten. Ein tapferer, stattlicher Kriegsheld, aber mildern Sinnes als Alarich, gab er dessen Eroberungspläne auf. Überzeugt, daß der wilde Charakter der Goten unfähig sei, neue Reiche zu gründen, wollte er das römische Reich nicht stürzen, sondern wiederherstellen und erhalten; überdies war er von heftiger Liebe für Placidia, die Schwester des Kaisers Honorius, die 409 in die Gefangenschaft der Goten gefallen war, erfüllt. Er schloß daher 412 mit Honorius einen Vertrag, wonach er als römischer Oberfeldherr Gallien für den Kaiser wiedererobern sollte. Er entriß auch den Barbaren Südgallien, vermählte sich 414 mit Placidia, ward aber nach einem glücklichen Feldzug in Spanien im August 415 zu Barcelona von Dubios, einem Waffengefährten des auf Athaulfs Antrieb hingerichteten gotischen Häuptlings Sarus, Obersten der römischen Garde, ermordet.

Athaumasie (griech.), s. v. w. Nichtverwunderung oder Nichtbewunderung, insofern dieselbe weder Folge bloßer Gedankenlosigkeit noch stumpfer Gleichgültigkeit, sondern höchster Weisheit, d. h. vollkommener Einsicht in das Wesen (Frau v. Staël: "tout comprendre c'est tout pardonner") und den Wert der