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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Athen

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Athen (Topographie des alten A.).

irdischen Teile, von den terrassenförmig sich erhebenden, in den natürlichen Felsen gehauenen Stufen, auf welchen die Sitze des schauenden Publikums waren, die untern erhalten. Im Zuschauerraum, der durch 14 aufsteigende Treppen (von ca. 0,70 m Breite) in 13 Keile zerlegt wird, fanden etwa 27,000 bis 30,000 Menschen Platz. Östlich in der Nähe des Theaters hat man das Odeion des Perikles, ein kleineres, für musische Wettkämpfe bestimmtes Gebäude, zu suchen. Die das Dionysion unmittelbar umgebenden Gebäude und Hallen boten für die zusammenströmende Menge und besonders für den Chor einen bequemen Aufenthalt dar, so namentlich die Stoa Eumenia, die Säulenhalle des Eumenes, der die Bogen an der westlichen Seite des Theaters angehören, und die sich von diesem bis zum Odeion des Herodes erstreckt. Letzteres, ein ansehnliches, besonders im Innern mit großartiger Pracht ausgestattetes Theatergebäude, wovon noch beträchtliche Überreste am südwestlichen Ende der Akropolis unweit der Propyläen sichtbar sind, wurde erst zwischen 160 und 170 n. Chr. von dem reichen und baulustigen Marathonier Herodes Atticus zur Einnerung ^[richtig: Erinnerung] an seine Gemahlin gegründet. Oberhalb der Stoa Eumenia, unmittelbar am Fuß des Burgfelsens, lag der Tempel des Asklepios (seit 1876 durch die Archäologische Gesellschaft von A. aufgedeckt) mit Statuen des Gottes und seiner Söhne, Gemälden und einem Tempelbrunnen; ferner der Tempel der Themis und der Ge Kurotrophos, lauter Kultstätten, deren Stiftung in die ältesten Zeiten der Stadt hinaufreicht.

In dem Quartier Kydathenäon, einem der ältesten Athens, südlich der Burg, scheinen meist Privatgebäude gestanden zu haben; wenigstens ist uns kein öffentliches Gebäude bekannt, das mit einiger Sicherheit hier sich befunden haben könnte. Ein Thor führte dort im SO. zum Ilissos und der Quelle Kallirrhoë (Enneakrunos) hinaus. Dieselbe, aus dem felsigen rechten Ufer des Ilissos entspringend, war die einzige mit trinkbarem Wasser, trotzdem aber nicht mit von der Ringmauer umschlossen. Nördlich der Quelle Kallirrhoë, am rechten Ufer des Ilissos, erhob sich das Olympieion, der größte athenische und überhaupt griechische Tempelbau, der dem olympischen Zeus geweiht war. Heute steht von demselben auf einer aus Quadern aufgeführten, 668 m im Umfang haltenden Plattform noch eine Gruppe von 13 riesenhaften Säulen mit den Architraven und nicht weit westlich davon noch zwei einzelne. Eine dritte hat im Oktober 1852 ein furchtbarer Orkan, der auch am Erechtheion großen Schaden anrichtete, umgestürzt. Diese Säulen (gewöhnlich "Säulen des Hadrian" genannt) sind korinthischen Stils, kanneliert und aus parischem Marmor gefertigt, über 20 m hoch und von fast 2 m Durchmesser, die größten in Europa. Aus ihrer Stellung hat man den Grundriß des Tempels entworfen. Es war ein über 110 m langer, 54 m breiter Dipteros dekastylos korinthischer Ordnung mit dreifachen Säulenreihen am Pronaos und Hinterhaus (im ganzen mit etwa 120 Säulen). Dieser Tempel gehörte zu den ältesten athenischen Denkmälern, denn seine Gründung reicht noch in die mythische Zeit zurück. Deukalion soll den Grund dazu gelegt haben; die Peisistratiden übertrugen den Ausbau vier Künstlern, Antistates, Kalaischros, Antimachides und Porinos, welche ihn nach einem großartigen Plan in dorischer Form anfingen, aber nicht vollendeten. Mehr als 300 Jahre später, um 165 v. Chr., nahm König Antiochos Epiphanes von Syrien den Plan der Pisistratiden wieder auf, ohne ihn jedoch zu Ende zu führen. Dieses gelang erst 131 n. Chr. dem Kaiser Hadrian, dem der Tempel auch eine kolossale Statue des Gottes verdankte. Die Ringmauer, mit Statuen angefüllt, maß 4 Stadien (740 m) und schloß außer einem Tempel des Kronos und der Rhea auch ein heiliges Feld der Ge Olympia in sich. Von hier gegen NO. lag Neu-A., der südöstliche Teil der Stadt, den Kaiser Hadrian, der die griechische Kunst wieder zu heben bemüht war, mit weitern Prachtgebäuden schmückte (daher auch Hadriansstadt genannt). Zu denselben gehörten ein Heräon, ein Pantheon, ein Tempel des Zeus Panhellenios, ferner die Stoa aus phrygischem und das Gymnasion mit Säulen aus numidischem Marmor. Das Hadriansthor im korinthischen Stil steht noch in der Richtung von SW. nach NO., am nordwestlichen Ende der Umfassungsmauer des Olympieion. Unweit des letztern weiter nach S. (nach neuester Annahme außerhalb der Stadtmauer, aber noch diesseit des Ilissos) lagen zwei Heiligtümer des Apollon, das Delphinion und das Pythion, beide getrennt durch eine Mauer, auf der sich der Altar des Zeus Astrapäos befand, von wo aus die Priester des Pythion die Blitze zu beobachten pflegten. Dies mußte immer im Anfang des Frühlings drei Monate und in jedem Monat drei Tage und drei Nächte lang geschehen, bevor die heilige Gesandtschaft nach Delphi vom Tempel abging; denn sie wurde erst dann unternommen, wenn man günstige Zeichen geschaut hatte. Das Pythion, eine Anlage der Pisistratiden ^[richtig: Peisistratiden], war ein bloßes Temenos (heiliger Bezirk) mit einer Bildsäule des Gottes, das Delphinion ein Tempel, in welchem ein Raum mit Schranken umschlossen war, um als Gerichtsstätte zu dienen über Mörder, deren That erwiesen, aber durch Umstände gerechtfertigt war, außer dem Areopag unter den vielen Gerichtsstätten, deren Namen uns überliefert sind, allein mit einiger Sicherheit topographisch zu bestimmen. Von der Kallirrhoë aus weiter stromaufwärts ist die Gegend zu setzen, welche "die Gärten" hieß, und wo sich ein Heiligtum der Aphrodite Urania befand. Jenseit des Ilissos lag die Vorstadt Agrä mit den beiden Tempeln der Demeter und Kore und des Triptolemos, wo die kleinen Mysterien gefeiert wurden. Ferner lag dort, wahrscheinlich südwestlich vom Demetertempel, ein solcher der Artemis Eukleia, zur Erinnerung an die Perserkriege errichtet; nordöstlich aber das große Panathenäische Stadion, dessen Höhlung im Fuß des Hymettos noch deutlich erkennbar ist. Vom Redner Lykurgos erbaut, wurde es von Herodes Atticus, der dort ehrenhalber sein Grab fand, prächtig ausgeschmückt. Die Höhen nordöstlich davon trugen Tempel der Tyche und der Artemis Agrotera. - Gegen O. führte das Diocharesthor nach dem Gymnasion Lykeion, wo Aristoteles zu lehren pflegte; am Fuß des Lykabettos lag das Gymnasion Kynosarges, der Sammelplatz der Cyniker.

Die alte Stadtmauer Athens war 478 v. Chr. auf des Themistokles Rat von den Athenern in aller Eile ausgeführt worden. Sie maß 60 Stadien (11,100 m) im Umfang. Ihre Richtung läßt sich im W. noch in deutlichen Spuren auf dem Rücken des Museion und der Pnyx nebst ihren nördlichen Fortsetzungen bis zur jetzigen Kapelle der Hagia Triada, im S. vom Museion herab in ziemlich gerader östlicher Richtung bis zu den niedrigen Anhöhen oberhalb des rechten Ufers des Ilissos, welche