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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Atmosphäre

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Atmosphäre (Höhe, Luftdruck).

Ist das Schälchen wasserleer, so steht der Zeiger D auf dem Nullstrich der Skala; wird es aber durch eingegossenes Wasser belastet, so wird der Zeiger auf der Skala gehoben. Bei der Beobachtung wird die Schale C mit Wasser gefüllt, auf den Stift B der Wage gesetzt und der Stand des Zeigers D am Gradbogen G notiert, hierauf von der Wage abgenommen und nach Verlauf der Beobachtungsperiode (24 Stunden) wieder auf die Wage gesetzt und die neue Lage des Zeigers bestimmt. Die Differenz der beiden Ablesungen gibt je nach der Natur der Teilung entweder das Gewicht des verdunsteten Wassers oder seine Höhe in Millimetern an. Die ganze Wägevorrichtung ist in einem Kästchen E eingeschlossen, in dessen unterm Fach ein Schälchen mit Chlorcalcium F aufgestellt ist, um die Luft im Innern desselben trocken zu halten und die Metallteile des Instruments vor Oxydation zu schützen. Als Resultat der bisher angestellten Verdunstungsbeobachtungen ergibt sich, daß dieselben wegen des Einflusses, den die Temperatur und die Luftbewegung ausüben, nur in ungenügender Weise die Verhältnisse der Verdunstung wiedergeben, wie sie in der Natur stattfindet. Dazu sind nur größere Verdunstungsbassins oder allenfalls Verdunstungsmesser geeignet, bei welchen das eigentliche Verdunstungsgefäß in ein größeres, mit Wasser gefülltes eingesenkt ist.

^[Abb.: Wilds Atmometer]

Atmosphäre (Dunsthülle, Dunstkreis, Luftkreis), die einen Körper umgebende gasförmige Hülle, insbesondere die Lufthülle, welche unsre Erde umgibt und auf ihrer Bahn durch den Himmelsraum begleitet. Ob die übrigen Planeten sowie die Sonne und der Mond eine ähnliche A. besitzen wie die Erde, ist lange zweifelhaft geblieben; doch kann man annehmen, daß die meisten dieser Gestirne eine A. haben. Auf das Vorhandensein einer Sonnenatmosphäre deuten das Zodiakallicht (s. d.) und die bei totalen Sonnenfinsternissen beobachtete Korona nebst den Protuberanzen, von denen die letztern in neuester Zeit auch sonst der Beobachtung zugänglich gemacht sind. Der Mond besitzt keine A. oder eine von ganz unbedeutender Höhe. Das Gasgemenge, aus welchem die A. der Erde besteht, nennt man Luft. Diese hat, wie alle Gase, das Bestreben, sich möglichst auszudehnen, und ihre Teilchen würden sich im Weltraum zerstreuen, wenn sie nicht der Anziehungskraft der Erde unterlägen. Die A. hat, wie die Erde selbst, die Gestalt einer Kugel, welche infolge der Erdrotation, an der die A. teilnimmt, an den Polen abgeplattet ist. Zu dieser Abplattung trägt außerdem die verschiedene Temperatur der Erdoberfläche bei, indem sich die Luft wegen der stärkern Erwärmung am Äquator ausdehnt und wegen der stärkern Abkühlung an den Polen zusammenzieht. Die Abplattung der A. ist stärker als die der Erde, für welche aus den Gradmessungen 1/289,1 gefunden ist, kann aber nicht durch eine bestimmte Zahl angegeben werden. Um die Höhe der A. zu ermitteln, hat man drei verschiedene Methoden angewandt, indem man die Dauer der Abenddämmerung, die Abnahme des atmosphärischen Luftdrucks mit zunehmender Höhe oder das Verhältnis zwischen der Elastizität der Luft, der Schwerkraft und der Zentrifugalkraft wegen der Achsendrehung der Erde zum Ausgangspunkt nahm. Aus der Erscheinung der Dämmerung, die zuerst Alhazen, später Kepler, de la Hire und Lambert und in neuester Zeit Behrmann dazu benutzt haben, um die Höhe der A. abzuleiten, ergibt sich dieselbe, wenigstens soweit sie eine lichtreflektierende Kraft besitzt, zu 8-10 geogr. Meilen. Die Anwendung der Elastizitätsgesetze auf die A. führt zu einer stetigen Abnahme der Dichtigkeit der Luft, welche erst da aufhören wird, wo sich die Schwerkraft der Erde mit der Zentrifugalkraft das Gleichgewicht hält. Diese Betrachtungen, welche zuerst von Halley, später von Mariotte, de Luc und endlich von Laplace durchgeführt sind, geben für die Höhe der A. ein viel größeres Resultat als das aus den Dämmerungserscheinungen abgeleitete. Aus der Annahme, daß die Dichtigkeit in den obern Schichten der A. nach demselben Gesetz abnimmt wie in den untern, folgt jedoch, daß, was von Luft über 10-12 geogr. Meilen hinausgeht, ein verschwindend kleiner Bruchteil der übrigen A. ist und man deshalb für gewöhnlich annehmen kann, daß die A. eine Höhe von 10-12 geogr. Meilen habe. Daß aber die A., wenn auch in sehr verdünntem Zustand, eine sehr viel größere Höhe besitzen muß, geht schon daraus hervor, daß die aus dem Weltraum stammenden Sternschnuppen, welche sich erst in unsrer A. entzünden, oft in einer Höhe von 34 Meilen über der Erde beobachtet sind. Ebenso deuten die Erscheinungen des Polarlichts (s. d.) darauf hin, daß die A. bedeutend höher als 10 geogr. Meilen sein muß. Auch aus den theoretischen Untersuchungen von Kerber, welcher die A. als ein optisches System brechender Medien betrachtet, ergibt sich die Höhe der A. über 25 geogr. Meilen.

[Luftdruck.] Der Druck der Luft ist nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren leicht festzustellen. In den beiden Schenkeln eines U-förmig gebogenen Rohrs stellt sich jede Flüssigkeit gleich hoch; füllt man aber die Schenkel mit verschiedenen Flüssigkeiten, so verhalten sich die Höhen der Flüssigkeitssäulen in den Schenkeln umgekehrt wie die Dichtigkeiten der Flüssigkeiten. Die Weite der Schenkel spielt hierbei bekanntlich keine Rolle, die Gleichgewichtslage ist nur abhängig von dem spezifischen Gewicht der Flüssigkeiten und ihrer Höhe, ist aber unabhängig von der Größe des Querschnitts der Röhren. Stellt man ein an einem Ende verschlossenes, mit Quecksilber gefülltes Rohr mit dem offenen Ende nach unten in ein Gefäß mit Quecksilber, so wird aus dem Rohr, wenn es kürzer als 76 cm ist, nichts ausfließen, weil der Druck der Luft auf dem Quecksilber lastet und dieser größer ist als der Gegendruck, den das im Rohr befindliche Quecksilber ausübt. Ist dagegen das Rohr länger als 76 cm, so drückt die in ihm befindliche Quecksilbersäule stärker als die Luft, und es wird so viel Quecksilber ausfließen, bis die Säule im Rohr auf ihre Unterlage genau so stark drückt wie die Luft auf die Oberfläche des Quecksilbers in dem offenen Gefäß. Ein Instrument, bei welchem dem äußern Luftdruck durch die in einem Glasrohr befindliche Quecksilbersäule das Gleichgewicht gehalten wird, ist das Barometer (s. d.). Da der mittlere Barometerstand am Meeresspiegel 760 mm beträgt, so hat man