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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Attrahieren - Ätzen.

Attrahieren (lat.), anziehen; Attraktion, Anziehung.

Attrappe (franz.), Falle, Schlinge, Fallstrick, trügerischer Schein; ein auf Täuschung, Neckerei berechnetes Spielzeug, hohle Nachbildung eines Tieres, Steines, eines Eies, einer Frucht etc. zur Aufnahme eines zu einem Geschenk oder Scherz bestimmten Gegenstandes. Attrappieren, erwischen, ertappen.

Attrattiva (ital.), Anziehungsgabe, Reiz, Zauber.

Attribuieren (lat.), einer Person oder Sache etwas beilegen, beimessen, zuschreiben.

Attribūt (lat.), "das Beigelegte", daher die einem Ding zukommende Eigenschaft, das Kennzeichen, Merkmal. Das logische Wesen eines Begriffs ist der Inbegriff derjenigen (innern) Merkmale desselben, durch welche er sich von allen andern unterscheidet, und worauf alle andern beruhen. Diese innern Merkmale, die allen übrigen zu Grunde liegen, heißen grundwesentliche Stücke (essentialia constitutiva), diejenigen innern Merkmale hingegen, die aus ihnen abgeleitet werden können, Attribute (essentialia consecutiva). Definiert man den Begriff "Mensch" als "ein Tier mit Vernunft", so sind Tier und Vernunft grundwesentliche Stücke; die daraus abgeleiteten Merkmale, die ebenfalls innere sind und auch Notwendigkeit haben, als: organisierter Körper, Empfindung haben, Begriffe bilden, urteilen etc., sind Attribute. Sie sind, wie die grundwesentlichen Stücke, von doppelter Art: gemeinsame (communia), welche der Begriff mit mehreren einer Gattung gemein hat, oder eigentümliche (propria), welche ihm allein zukommen. So ist ein gemeinsames A. des Menschen, daß er ein organisiertes Wesen ist, ein eigentümliches, daß er schließt. - In der Theologie versteht man unter Attributen wesentliche Eigenschaften Gottes, z. B. Allmacht, Ewigkeit etc., im Unterschied von den Prädikaten, welche von ihm in seinem Verhältnis zur Welt (in concreto) ausgesagt werden, z. B. Schöpfer, Regierer, und den Proprietäten, welche sich auf die Dreieinigkeit beziehen. - In den bildenden Künsten, besonders in der Bildhauerkunst, sind Attribute gewisse dem Hauptgegenstand der Darstellung beigegebene Zeichen bestimmter Eigenschaften und Zustände, eine Art von Symbolen, welche dazu dienen, der Figur oder dem Bild mehr Bedeutsamkeit und Deutlichkeit zu geben. Die Anwendung der Attribute in den bildenden Künsten gründet sich auf das Unvermögen der letztern, sowohl geistige Eigenschaften und Begriffe auszudrücken, als auch besondere Umstände und historische Thatsachen darzustellen, welche der sichtbaren Darstellung unfähig sind. Man unterscheidet wesentliche und zufällig (konventionelle) Attribute. Zu den wesentlichen Attributen gehören solche, welche in sich selbst ihre Bedeutung tragen, z. B. die Flügel der Genien, das Schlangenhaar der Furien, die Strahlenkrone der Heiligen. Zufällige Attribute sind solche, welche bloß auf einem gewissen, historisch gewordenen Übereinkommen beruhen, ohne daß in der Beschaffenheit ihres eignen Wesens ein bestimmter Grund ihrer Bedeutung gegeben ist, z. B. das Kreuz als Sinnbild des Glaubens und der Liebe, die Taube als Symbol des göttlichen Geistes, der Schlangenstab des Heilarztes, die Palme des Friedens. Da die Bestimmung des Attributs ist, die Bedeutung des Kunstwerks in seiner bestimmten Besonderheit anschaulich zu machen, so kann es niemals den charakteristischen Ausdruck der Hauptfigur selbst entbehrlich machen und ebensowenig die Schwäche des Künstlers in Darstellung desselben verdecken. Die Poesie, welche unmittelbar ausdrücken kann, was die bildende Kunst nur anzudeuten vermag, bedarf aus ebendiesem Grunde des sinnlichen Attributs zur Ausstattung ihrer Charaktere gar nicht und verfällt, wenn sie sich dessen bedient, leicht in tote, frostige Schilderei. Vgl. Allegorie.

Attributiv (lat.), in der Weise eines Attributs.

Attrition (lat., "das Geriebensein") bezeichnet im römisch-kath. Lehrsystem, im Gegensatz zur Kontrition (contritio cordis), die mangelhafte Reue, welche die Sünde nur haßt um der ihr angedrohten Strafe willen, also aus Furcht vor der Strafe, aber zur Absolution hinreichend ist, weil sie die vollkommene Reue ersetzt, wenn sie den Vorsatz der Besserung nicht ausschließt.

Attrītus (lat.), Reitwunde, Reitwolf.

Atures, Stadt in der südamerikan. Republik Venezuela, am Orinoko, nordöstlich von San Fernando, mit großartigen Wasserfällen (Raudales), die besonders durch A. v. Humboldts Schilderung berühmt geworden sind.

Atwood (spr. âttwudd), George, Physiker, geb. 1745, war Professor der Physik zu Cambridge und starb 11. Juli 1807 in London. Er ist Erfinder (1784) der Atwoodschen Fallmaschine, einer Vorrichtung zur Nachweisung der Gesetze des freien Falles der Körper (s. Fall), und schrieb eine Analyse eines Kursus über die Grundsätze der Physik (1804) u. a.

Atychīe (griech.), Unglück, Mißgeschick.

Atypisch (griech.), ohne Typus, d. h. ohne Vorbild, unregelmäßig, regellos, z. B. atypisches Fieber, unregelmäßiges Fieber; atypische Sprache, fehlerhafte, besonders stotternde, Aussprache.

Atys, 1) Geliebter der Kybele, s. Attis.

2) Sohn des Manes, Königs der Mäonen, Vater des Lydos und Tyrrhenos, Stammvater der lydischen Könige (Atyaden).

3) Sohn des Lydierkönigs Krösos, dem ein Traumgesicht verkündete, dieser Sohn werde durch eine Eisenspitze umkommen. Als A., von allen Waffen ängstlich fern gehalten, endlich die Erlaubnis zur Jagd auf einen am Olymp im Lande der Mysier hausenden Eber erhielt, wurde er dabei durch seines Begleiters Adrastos fehlgehenden Wurfspieß getötet. Adrastos, von Krösos begnadigt, tötete sich auf A.' Grab.

Ätzammoniak, s. v. w. Ammoniak.

Ätzbaryt, s. Baryt.

Atzel, s. v. w. Elster; auch s. v. w. Perücke.

Ätzen, die Erzeugung nicht sehr bedeutender Vertiefungen auf der Oberfläche verschiedener Körper durch Anwendung von Lösungsmitteln. Ist der zu ätzende Körper nicht vollkommen homogen, so werden einzelne Teile stärker angegriffen als andre, und es entstehen Muster, welche die wahre Struktur scheinbar homogener Körper erkennen lassen und bisweilen zur Verzierung erzeugt werden (Damaszieren, Moiré métallique). Schützt man einzelne Teile der Oberfläche durch eine von dem Ätzmittel nicht angreifbare Masse (Ätzgrund), so kann man leicht beliebige Zeichnungen hervorbringen. Man überzieht z. B. die ganze Fläche mit dem Ätzgrund, gräbt in diesen mittels geeigneter Nadeln und Griffel eine Zeichnung ein, umgibt die zu ätzende Fläche mit einem erhabenen, den Ätzmitteln widerstehenden Rand (in der Regel aus Wachs) und gießt dann eine Flüssigkeit (Ätzwasser), gewöhnlich von saurer Beschaffenheit, darauf, welche auf die durch Nadel und Griffel bloßgelegte Substanz der Oberfläche auflösend einwirkt, wodurch die Zeichnung vertieft dargestellt wird. Sollen in der Ätzung verschiedene Abstufungen oder