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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Audierne - Audouin.

sischen Parlamenten, sowie auch ein Verhör, einen Vorbescheid oder eine mündliche Verhandlung. Auch in der modernen Gerichtssprache wird ein Verhörstermin zuweilen Audienztermin genannt.

Audierne (spr. odjärn), Bai des Atlantischen Ozeans im franz. Departement Finistère, durch die Landspitze Pointe de Penmarch und die Passage du Raz mit der Insel Sein geschlossen, ist gefährlich zu befahren. Sie hat ihren Namen von dem daran liegenden Hafenstädtchen A. mit (1876) 1627 Einw.

Audiffredi, Giovanni Battista (eigentlich Giulio Cesare), ital. Gelehrter, geb. 2. Febr. 1714 zu Saorgio bei Nizza, trat in den Dominikanerorden und ward Mönch im Kloster Alla Minerva zu Rom. Er erhielt die Aufsicht über die treffliche Bibliothek dieses Klosters, die von ihrem Stifter die Casanatische hieß, beschäftigte sich vorzugsweise mit praktischer und theoretischer Astronomie und galt für einen der besten Beobachter seiner Zeit. Er starb 3. Juli 1794 in Rom. Seine Schriften: "Phaenomena coelestica observata" (Rom 1754), "De solis parallaxi commentarius" (das. 1766), "Dimonstrazione della cometa dell' anno 1769" (das. 1770) u. a. fanden auch in weitern Kreisen Beachtung. Wichtig für die Litteraturgeschichte sind seine Kataloge: "Catalogus librorum typis impressorum Bibliothecae Casanatensis" (Rom 1761-88, 4 Bde.); "Catalogus historico-criticus romanarum editionum saeculi XV" (das. 1783) und "Specimen historico-criticum editionum italicarum saeculi XV" (das. 1794).

Audiffret-Pasquier (spr. odifrä-paskjeh), Edme Armand Gaston, Herzog von, franz. Staatsmann, geb. 20. Okt. 1823 zu Paris, Sohn des Generaleinnehmers Grafen Audiffret, studierte die Rechte, war 1845-48 Auditeur des Staatsrats, ward von seinem Großonkel, dem Kanzler Herzog von Pasquier, adoptiert, zog sich 1848 vom öffentlichen Leben nach seinem Schlosse Sacy zurück und trat erst 1863, dann 1869, allerdings vergeblich, in seinem Departement (Orne) als Gegenkandidat gegen den offiziellen Kandidaten bei den Wahlen für den Gesetzgebenden Körper auf. Am 8. Febr. 1871 zum Mitglied der Nationalversammlung erwählt, schloß er sich dem rechten Zentrum an, that sich namentlich als heftiger Gegner der Bonapartisten hervor und war Berichterstatter der Enquetekommission über den Krieg von 1870. Als eifriger Orléanist beteiligte er sich an den Versuchen, die Monarchie herzustellen, entschied sich aber nach deren Scheitern für die Errichtung einer konservativen Republik und ward 1875 zum Präsidenten der Nationalversammlung, 1876 zu dem des Senats erwählt. Obwohl mehr und mehr der konservativen Partei sich zuneigend, verweigerte er doch 1877 entschieden seine Mitwirkung bei den Reaktionsbestrebungen Broglies. Als die Neuwahlen 5. Jan. 1879 eine entschieden republikanische Majorität im Senat zur Folge hatten, wurde A. durch Martel ersetzt. Dagegen ward er im Januar 1879 Mitglied der Akademie.

Audiomēter, s. Sonometer.

Audiphōn, von Graydon angegebener Hörapparat für Taube, besteht in einem kleinen Mikrophon und einer an der schwingenden Platte desselben angebrachten Schnur von beliebiger Länge, an deren anderm Ende ein Stück Holz befestigt ist. Wenn man einem Tauben, dessen Gehörnerv jedoch unverletzt sein muß, dieses Stück Holz zwischen die Zähne gibt und bei gespanntem Faden in das Mikrophon spricht, so wird man vollkommen verstanden.

Auditeur (franz., spr. oditör), s. v. w. Auditor; bei Militärgerichten der den Gerichtsherren beigegebene Rechtsgelehrte, welcher bei Untersuchungen das Technische des Rechtsgangs leitet, jedoch weder richterliche Befugnisse noch diejenigen eines Anwalts hat. Vgl. Militärgerichtswesen. In Deutschland steht ein Generalauditeur an der Spitze des ganzen Militärjustizwesens. Außerdem gibt es Korpsauditeure, Divisions-, Gouvernements- und Garnisonsauditeure. Die Rangverhältnisse des Auditeurs s. Militärbeamte. Auditeuroffizier, offiziell untersuchungführender Offizier, s. Offizier.

Audītor (lat.), eigentlich Hörer, Zuhörer; in manchen deutschen Staaten früher Bezeichnung für einen Aspiranten zum Eintritt in den Justizdienst, der an den Geschäften und Verhandlungen teilnahm, aber ohne Sitz und Stimme; auch s. v. w. Auditeur; in der kirchlichen Sprache ein zur Klasse der Audientes (s. d.) gehöriger Katechumene oder Büßer.

Audītor Camerae (lat.), im ehemaligen Kirchenstaat der vierte Beamte in der Camera apostolica, ein angesehener Prälat mit richterlicher Gewalt über die zum päpstlichen Hof Gehörigen, über die Fremden in Rom sowie der Appelationssachen innerhalb des Kirchenstaats.

Auditorĭum (lat.), Hörsaal für gelehrte Vorlesungen, besonders in Akademien und auf Universitäten, auch wohl die zuhörende Versammlung selbst; in der kirchlichen Sprache der Standort der Audientes (s. d.) in den Kirchen, auch Sprechzimmer in Klöstern.

Audius (Udo), s. Audianer.

Audi, vide, sile, lat. Redensart: "Höre, sieh und schweige".

Audley (spr. óddli), Stadt in Staffordshire (England), 10 km nordwestlich von Stoke, hat Kohlen- und Eisengruben, Eisenwerke und (1881) 11,205 Einw.

Audouard (spr. oduár), Olympe, franz. Schriftstellerin, geboren um 1839 als die Tochter des Herrn de Jouval, Besitzer des Schlosses St.-Julien im Departement Vaucluse, ward nach einer kurzen und unglücklichen Ehe von ihrem Gatten, dem Notar A. zu Marseille, getrennt und unternahm nun Reisen durch Amerika, Ägypten, die Türkei, Syrien, Palästina und Rußland, als deren Früchte sie eine Reihe von Kulturbildern und Romane veröffentlichte, wie: "Les mystères du sérail et des harems turcs" (1863); "Les mystères de l'Égypte" (1865); "L'Orient et ses peuplades" (1867); "A travers L'Amérique" (1869-71, 2 Bde.); "Les soupers de la princesse Louba d'Askof" (1872); "L'amie intime" (173) etc. Gegen das Ende des Kaiserreichs warf sie sich auf Politik und soziale Fragen (Ehescheidung, Frauenrechte, Reform der bürgerlichen Gesetze etc.), die sie bis in die neueste Zeit teils in Streitigkeiten, wie: "Le luxe effréné des hommes" und "Le luxe effréné des femmes" (zwei Antworten an den Senator Dupin), "La femme-homme" (an A. Dumas), "La femme bas-bleu" (Antwort an Barbey d'Aurévilly), teils in öffentlichen Vorlesungen behandelt hat. In neuerer Zeit erschienen von ihr: "Gynécologie, la femme depuis six mille ans" (1874); "Les mondes des esprits, ou la vie après la mort" (1874); "Les nuits russes" (1876); "Voyage au pays des boyards; étude sur la Russie actuelle" (1880); "Les Escompteuses; étude parisiennes"; "Silhouettes parisiennes" (1882) u. a.

Audouin (spr. oduäng), Jean Victor, Zoolog, geb. 27. April 1797 zu Paris, studierte Medizin und Naturwissenschaften, ward 1833 Professor der Entomologie am Museum, machte mehrere Reisen, um die Muscardine (eine tödliche Epidemie der Seidenwürmer), die Weinmotte, die in Rochefort eingewander-^[folgende Seite]