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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Auffenstein; Aufforderung zum Verbrechen; Aufforstung; Auffrieren; Auffrischen; Aufführungsrecht; Auffütterung der Kinder

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Auffenstein - Auffütterung der Kinder.

nannt, starb er 25. Dez. 1857 in Freiburg. A. war ein nicht gewöhnliches dramatisches Talent von jener vorherrschend deklamatorischen Richtung, die aus äußerlicher Nachahmung des Schillerschen Pathos hervorging, d. h., auf die eigentliche charakteristische Menschendarstellung verzichtend, durch den Pomp der Diktion und überraschende theatralische Effekte wirkte. Seine Dramen: "Die Flibustier", "König Erich", "Die Syrakuser", "Das Opfer des Themistokles", "Fergus Mac Ivor", "Das Nordlicht von Kasan", "Der Löwe von Kurdistan", "Ludwig XI. in Péronne", "Das böse Haus", "Die Schwestern von Amiens", "Der Prophet von Florenz" u. a. erhielten sich einige Jahre auf dem Repertoire. Nicht für die Bühne bestimmt ist das Gedicht "Alhambra" (Karlsr. 1829-30, 3 Bde.), ein "Epos in dramatischer Form", nicht ohne Phantasie, aber ohne tieferes Leben und ohne künstlerisches Maß. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 22 Bänden (3. Aufl., Wiesb. 1855), eine Auswahl in 7 Bänden (das. 1850).

Auffenstein, von, ein tirolisch-kärntner. Adelsgeschlecht, das um 1173 urkundlich auf der gleichnamigen Burg bei Matrei in Tirol auftaucht und mit Konrad I., dem Begründer des Machtaufschwunges seines Hauses, im Dienstgefolge des Grafen Meinhard II. von Görz-Tirol als Herzogs von Kärnten seit 1286 im letztgenannten Land seine neue Heimat findet. Als die mächtigen Karlsberger infolge des Adelsaufstandes gegen Herzog Meinhard 1293 ihren Sturz erlebten, wurde Konrad v. A. der Anwärter ihres Ranges und Güterbesitzes, Landmarschall Kärntens, 1294 Burgherr auf Karlsberg und bald so reich an Besitz, der sich bis Steiermark verzweigte, daß die von seinem Zeitgenossen, dem steiermärkischen Reimchronisten Ottokar, erzählte Volkssage solches Glück dem Besitz eines verhängnisvollen Zauberringes zuschrieb, welchen Konrad v. A. aus der Hand des sterbenden Herrn v. Schärfenberg empfangen habe. Dieser große Besitz mehrte sich noch in der Folgezeit. Im J. 1335 unterstützten die Auffensteiner wesentlich die Besitzergreifung Kärntens durch die Habsburger, büßten aber dann im Aufstand gegen die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. (1368) ihre Machtstellung ein und erloschen am Schluß des 14. Jahrh.

Aufforderung zum Verbrechen, s. Anstifter.

Aufforstung, s. Bestandsgründung.

Auffrieren, s. Frostschaden.

Auffrischen, s. Retouchieren. ^[richtig: Retouche.]

Aufführungsrecht, s. Urheberrecht.

Auffütterung der Kinder, die Ernährung der Neugebornen ohne Muttermilch, wenn die Verabreichung der Mutterbrust nicht möglich oder nicht rätlich ist und die Verhältnisse von der Art sind, daß eine Amme nicht genommen werden kann oder mag. Der von der Natur vorgeschriebene Weg der Ernährung des Kindes durch die Milch der eignen Mutter gibt die meisten Garantien für das Gedeihen des Kindes wie für das Wohlbefinden der Mutter. Wie schädlich ein Abweichen von diesem Weg für die Kinder ist, beweist der Umstand, daß von 100 Kindern im ersten Lebensjahr, welche von der eignen Mutter gestillt werden, nur 8, von solchen, welche von Ammen gestillt werden, 29 und bei künstlicher Auffütterung sogar bis zu 47 sterben. Wenn man genötigt ist, die Ernährung des Kindes ohne Mutter- und Ammenmilch zu bewerkstelligen, so sind folgende Grundsätze festzuhalten: Das Ersatzmittel muß sich in seiner chemischen Zusammensetzung der Muttermilch möglichst nähern; die künstliche Nahrung darf durchaus nur in dünnflüssiger Form gereicht werden, sie darf nicht gären, nicht sauer werden und überhaupt keine chemische Umwandlung erleiden, welche ihren Nährwert beeinträchtigt; ihre Temperatur muß annähernd derjenigen der frisch entleerten Frauenmilch entsprechen (28-35° C.). Die einzelnen Mahlzeiten dürfen ein gewisses Maß nicht überschreiten, die Zeit der Fütterung ist streng und regelmäßig einzuhalten, bei Zubereitung der Nahrung, an den Geschirren etc. ist die sorgfältigste Reinlichkeit zu beobachten.

Was die Wahl des Nahrungsmittels anbelangt, so ist die Tiermilch das nächstliegende Ersatzmittel für die Frauenmilch. Es kommt hier die Milch der Eselin, der Ziege und Kuh in Frage. Die Milch der Eselin kommt in ihrer chemischen Zusammensetzung der Frauenmilch am nächsten und wird von kleinen Kindern am leichtesten ertragen, aber sie ist nur selten zu haben. Von der Ziegenmilch gilt so ziemlich das Gleiche, sie ist aber schon konsistenter als die Eselinnenmilch und muß daher mehr als diese mit Wasser verdünnt werden. Am tauglichsten für die Neugebornen ist die Milch von jüngern Ziegen, die schon mehrmals und zuletzt vor nicht zu langer Zeit geworfen haben. Die Ziegenmilch darf keinen widerlichen Geruch haben; ob sie von gehörnten oder ungehörnten Ziegen stammt, ist gleichgültig. Als billigster und bequemster Ersatz für die Frauenmilch ist demnächst die Kuhmilch anzusehen. Sie darf zum Zweck der A. natürlich nur von gesunden und zweckmäßig gefütterten Kühen genommen und muß durch Zusatz von Wasser verdünnt werden. In den ersten vier Wochen sollen die Kinder eine Mischung von ⅓ guter Kuhmilch und ⅔ Wasser, im 2.-3. Monat halb Milch, halb Wasser, im 4. Monat ¾ Milch und ¼ Wasser und erst vom 5. Monat an unverdünnte Milch erhalten. Es ist zweckmäßig, die Milch nicht ausschließlich von einer Kuh zu nehmen, sondern die Milch von mehreren gesunden Kühen zu mischen, weil sie dadurch gleichmäßiger wird. Die Kuhmilch darf nicht abgerahmt, soll aber vor dem Gebrauch abgekocht werden. Der verdünnten Kuhmilch muß außerdem etwas Milchzucker (weniger gut Rohrzucker) sowie etwas kohlensaures Natron zugesetzt werden, wodurch sie der Muttermilch ähnlicher, verdaulicher und vor dem Gerinnen mehr geschützt wird. Auf einen Tassenkopf verdünnte Milch gehört etwa ein Theelöffel Milchzucker, und eine gehäufte Messerspitze von kohlensaurem Natron reicht für ein Liter Milch aus. Die Kinder müssen das so zubereitete Getränk aus einer Glasflasche, welche mit einem durchlöcherten Kautschukhut verschlossen ist, zu sich nehmen. Kindern, welche Kuhmilch schlecht vertragen, gibt man das Biedertsche Rahmgemenge, zu dessen Darstellung man von guter frischer Milch nach zweistündigem Stehen an einem kühlen Ort etwa 1/16 vorsichtig abschöpft, mit abgekochtem Wasser mischt, aufkocht, mit etwas Milchzucker und mit allmählich steigenden Quantitäten reiner Milch versetzt.

Da man nicht immer und überall eine stets frische, von ganz gesunden Kühen abstammende Milch haben kann, so hat man zweckmäßige Ersatzmittel herzustellen gesucht. Als solches gelten die in verschiedener Weise, am besten nur durch Erhitzen in hermetisch verschlossenen Gefäßen, vor jeder nachteiligen Veränderung gesicherte Milch und die durch Verdampfen im luftleeren Raum unter Zusatz von Zucker eingedickte (kondensierte) Kuhmilch (Milchextrakt), welche, mit der 6-10fachen Menge warmen Wassers verdünnt, ein der frischen Milch ähnlich zusammengesetztes, nur