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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Auferstehung Jesu; Auferstehungsfest; Auferstehungsmänner; Auffassungsvermögen; Auffenberg

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Auferstehung Jesu - Auffenberg.

Lehrweise zufolge nach dem messianischen Reich eine zweite allgemeine A. und das Gericht folgen. Das Grobsinnliche an dieser Vorstellungsweise ist gesteigert in den Mohammedanismus übergegangen. Eine andre und neue Bedeutung erhält die Lehre von der A. im Christentum (vgl. 1. Kor. 15), wo sie mit den Gedanken des ewigen Lebens und des Reichs Gottes verknüpft und durch die A. Jesu (s. d.) eingeleitet und vorgebildet wird. Im übrigen schließt sich die christliche Lehrweise zum Teil an die pharisäisch-jüdische an, während dagegen Paulus von einem himmlischen Auferstehungsleib spricht, zu dem der gegenwärtige in dem Verhältnis des Saatkorns zur Pflanze stehe. In der Lehrentwickelung der christlichen Kirche treten mit der Zeit drei verschiedene Grundrichtungen auf, auf welche noch jetzt alle die zahlreichen philosophischen und theologischen Versuche, den Inhalt dieser Lehre näher zu begründen, zurückgeführt werden können. Die einen, an ihrer Spitze die Gnostiker, lassen jede körperliche A. fallen und halten nur die Unauflöslichkeit alles wahrhaft geistigen Lebens fest. Es fällt daher die A. zusammen mit der Wiedergeburt oder sonstwie mit dem Eintritt des höhern Selbstbewußtseins im Menschen. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, welche eine wirkliche A. des Leibes annehmen, so daß der Auferstehungsleib identisch mit dem jetzigen, aber eine verklärte Form desselben sein soll. Diese ursprünglich judenchristliche Meinung ist durch Tertullian, Hieronymus und Augustinus nach Aufgebung des Chiliasmus in die Kirchenlehre übergegangen und hat in den Worten "A. des Fleisches" im Apostolischen Glaubensbekenntnis eine symbolische Feststellung erhalten. Die dritte, im Grund schon von Origenes, neuerdings von einzelnen Theologen, wie Rothe, vertretene Anschauung geht davon aus, daß der wirksame Geist niemals eines körperlichen Organs entbehren könne, läßt daher die vollendete Persönlichkeit eine vergeistigte Leiblichkeit wiedergewinnen. Die Konsequenz dieser Auffassung ist die Beschränkung der A. auf die geistig gereifte Menschheit.

Auferstehung Jesu. Obgleich die Berichte der biblischen Schriftsteller über die A. J. und die Erscheinungen des Auferstandenen so weit und so widerspruchsvoll auseinander gehen, daß man die A. J. in Bezug auf die einzelnen Thatsachen das dunkelste Faktum im ganzen Quellengebiet neutestamentlicher Geschichte nennen konnte, so ist doch nichts geschichtlich gewisser, als daß die Apostel die A. J. nicht nur geglaubt, sondern auch ihr Evangelium und die neue Gemeinde darauf gegründet haben, und daß nach dem historisch unanfechtbaren Zeugnis des Apostels Paulus (1. Kor. 15, 4-8), wo sechs Erscheinungen aufgeführt werden, während die evangelischen Berichte noch vier andre erwähnen, diesem Glauben eine Thatsache zu Grunde gelegen haben muß. Desto schwieriger aber ist es, eine klare Erkenntnis von dieser Thatsache oder auch nur von der Art zu gewinnen, wie sie in der Vorstellung der Schriftsteller sich widerspiegelte. Denn während auf der einen Seite der Auferstandene ein ganz natürliches menschliches Leben in einem gewöhnlichen materiellen Leib zu führen scheint (er geht, ißt, läßt sich betasten), finden sich andre Züge, die mit der Annahme einer materiellen Leiblichkeit nicht zu vereinigen sind. Eine Lösung dieses Widerspruches wird man auf dogmatischem Boden nur in der Annahme finden können, daß der vollendete Jesus seinen materiellen, von ihm bereits abgelegten Leib in transitorischer Weise nochmals und wiederholt "wie ein Kleid" angelegt habe, um seine Gläubigen von der Thatsächlichkeit seines ewigen Lebens zu überzeugen. Unter den geschichtlichen Lösungsversuchen ist die rationalistische Auffassung von einem Scheintod jetzt fast allgemein verworfen, weil sie wohl die A. J., aber nicht die Möglichkeit ihrer großen religiösen Wirkung erklärt. Dafür ist dermalen um so verbreiteter die Visionshypothese, welche die Erscheinungen des Auferstandenen für Vorgänge des innern Seelenlebens der Jünger erklärt und sich dabei hauptsächlich auf den Umstand beruft, daß auch Paulus die ihm gewordene, wahrscheinlich visionäre, Erscheinung ihrem Wesen nach mit den übrigen von ihm berichteten Vorgängen auf eine Linie setzt. Die Litteratur über die A. J. siehe bei Keim, Geschichte Jesu von Nazara, Bd. 3, S. 528 (Zür. 1871). - Jesu Auferstehung ist seit den frühsten Zeiten christlicher Kunst Gegenstand der bildnerischen Darstellung gewesen. Auf elfenbeinernen Buchdeckeln, in Miniaturen, Holzschnitten, Kupferstichen und Fresken ist der Vorgang ehr häufig geschildert worden. Doch besitzen wir von einem Meister aus der Blütezeit der Kunst eine Darstellung derselben, welche als klassisch bezeichnet werden kann. Raffael wagte sich an den Stoff, kam aber nicht über den Entwurf hinaus. Indessen ist seine Mitwirkung an der Auferstehung Christi von seinem Lehrmeister Perugino in der vatikanischen Galerie zu Rom wahrscheinlich. Ein großes Bild von Annibale Carracci befindet sich im Louvre zu Paris.

Auferstehungsfest, s. Osterfest.

Auferstehungsmänner (Resurrection-men), in England Benennung derjenigen Leute, welche Leichen ausgraben, um sie an die Anatomie zu verkaufen. Da es nämlich infolge des Vorurteils, das in England gegen Sektionen herrschte, schwierig war, die nötigen Leichname zu anatomischen Untersuchungen zu bekommen, so bildete sich der Leichendiebstahl als ein besonderes Gewerbe aus, so daß sich die Staatsgewalt genötigt sah, den Leichenraub durch ein ausdrückliches Gesetz unter Androhung von 6-12monatiger Gefängnisstrafe zu verbieten. Wirksamer war es indessen, daß 1828, nachdem die Verbrechen des Schusters William Burke (s. d.) an den Tag kamen, eine Parlamentsakte die Ablieferung der in den Armenhäusern und Gefängnissen Verstorbenen in die anatomischen Säle erlaubte, sobald die Angehörigen und Verwandten nicht dagegen reklamierten.

Auffassungsvermögen, die Fähigkeit, ein dargebotenes Objekt sich anzueignen und zum Bewußtsein zu bringen. Da von der Art des Eindruckes, welchen ein Ding auf uns macht, auch unser Verhalten gegen dasselbe bestimmt ist, so hängt von der Auffassung das Urteil insofern ab, als wir nicht im stande sind, richtig über Dinge zu urteilen, ohne sie richtig aufgefaßt zu haben.

Auffenberg, Joseph, Freiherr von, Bühnendichter, geb. 25. Aug. 1798 zu Freiburg i. Br., bezog 1813 die Universität daselbst, um die Rechte zu studieren, wohnte dann in österreichischen Diensten dem Feldzug von 1815 bei, trat zu Karlsruhe in die badische Garde zu Pferde als Leutnant ein und brachte hier seine Erstlingswerke: "Pizarro" und "Die Spartaner", mit Glück zur Aufführung, wodurch ermutigt er nun eine lange Reihe von Trauerspielen nachfolgen ließ. A. wurde 1822 Mitglied des Hoftheaterkomitees, bald darauf Präsident desselben. Im J. 1832 unternahm er eine als "Humoristische Pilgerfahrt nach Granada und Cordoba" (Leipz. 1835) von ihm lebendig beschriebene Reise nach Spanien, auf welcher er bei Valencia von Räubern überfallen wurde und trotz 23 erhaltener Wunden mit dem Leben davonkam. Seit 1839 zum großherzoglich badischen Hofmarschall er-^[folgende Seite]