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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Augenspiegel

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Augenspiegel.

ginn des neuern gewaltigen Aufschwungs der Augenheilkunde, welcher wesentlich durch die mit Hilfe dieses Apparats gewonnene Erkenntnis ermöglicht wurde. Der Augengrund erscheint selbst beim stärksten Sonnenlicht schwarz und zwar nicht etwa, weil das schwarze Pigment der Choroidea alles in das Auge fallende Licht absorbiert, sondern weil derjenige Teil des einfallenden Lichts, welcher reflektiert wird, aus dem auf die Lichtquelle akkommodierten Auge nicht in das Auge des Beobachters gelangt, sondern zu seinem Ausgangspunkt, der Lichtquelle selbst, zurückkehrt. Ist dagegen das beobachtete Auge nicht für die Lichtquelle akkommodiert, so kann Licht in das Auge des Beobachters gelangen und unter günstigen Umständen so viel, daß die beobachtete Pupille hell und leuchtend erscheint. Ist A in Fig. 1 das Auge des Beobachters, B das beobachtete Auge, C die Lichtflamme und SS eine ebene Glasplatte, welche so gestellt ist, daß das von C kommende Licht zum Teil nach der Pupille von B hin gespiegelt wird, so gelangt von der Flamme kein Licht in das Auge des Beobachters als dasjenige, welches aus dem beobachteten Auge reflektiert wird. Auf diese Beobachtung Brückes und Erlachs gründete Helmholtz seinen A., der im wesentlichen aus einem Satz kleiner, dünner Glasplatten besteht, die man in richtiger Lage vor das zu beobachtende Auge hält. Man erblickt durch die Glasplatten die Netzhaut mit ihren Gefäßen und der Eintrittsstelle des Sehnervs vollkommen deutlich und zwar im aufrechten Bild und in etwa 14facher Vergrößerung, da der brechende Apparat des beobachteten Auges dem Untersucher gewissermaßen als Lupe dient. Diese Lupe verrichtet aber nur dann ihren Dienst, wenn das untersuchte Auge normal gebaut ist, während sie bei nicht normalem Bau ein verschwommenes Bild liefert. Der A. muß daher mit Linsen versehen werden, welche die vorhandene Ametropie korrigieren, und der Augenarzt ist mithin im stande, aus der Beschaffenheit der für deutliches Sehen zu wählenden Linse ohne alles Zuthun des Untersuchten den Grad der vorhandenen Ametropie zu bestimmen. Helmholtz stattete seinen A. zu diesem Zweck mit acht Konkavlinsen aus, die einzeln oder in verschiedener Gruppierung vor das Auge des Beobachters geschoben werden können. Später hat man Refraktionsophthalmoskope konstruiert, welche ein schnelles Austauschen der Linsen ermöglichen. Ein andres Prinzip zur Beleuchtung des Augenhintergrundes hat 1852 Ruete angegeben. Er wendete statt der reflektierenden Glasplatten einen in der Mitte durchbohrten Hohlspiegel Sp (Fig. 2) an, welcher das Licht einer Flamme C in das beobachtete Auge B reflektiert, und durch dessen Durchbohrung der Beobachter A blickt. Diesen Spiegel wandte Ruete auf die Untersuchung des Auges im umgekehrten Bild an. Er setzte vor das beleuchtete Auge eine Konvexlinse von 5-8 cm Brennweite und vereinigte dadurch die aus dem Auge kommenden Lichtstrahlen zu einem reellen umgekehrten Bild, welches der Beobachter deutlich sieht, wenn er sich mit seinem Spiegel so weit entfernt, daß das Bild in seinen Nahepunkt fällt. Die Vergrößerung ist hierbei geringer, das Gesichtsfeld aber größer. Der durchbohrte Spiegel kann auch für die Beobachtung im aufrechten Bild benutzt werden, doch genügt dann ein Planspiegel. Man hat auch binokulare A. konstruiert, bei welchen der Arzt mit beiden Augen beobachtet, ferner solche, in welchen das Auge seinen eignen Augenhintergrund sieht (Autophthalmoskop), und solche, bei welchen der Beobachter mit einem Auge sein eignes zweites untersucht. Von den zahlreichen Augenspiegeln haben die stabilen (Ruete, Liebreich, Epkens-Donders, Engelhardt etc.) gegenwärtig nur noch pädagogischen Wert; man benutzt vielmehr allgemein die kleinen portativen A. (Coccius, Liebreich, Jäger, Hasner etc.), von denen besonders der "kleine Liebreich" weit verbreitet ist. Es ist ein durchbohrter, belegter Konkavspiegel mit zwei verschiedenen Konvexlinsen für das umgekehrte Bild und mit einer Gabel hinter der Durchbohrung des Spiegels zur Aufnahme der korrigierenden Konkavlinsen für das aufrechte Bild.

Bei der Benutzung stellt man die Lampe im dunkeln Zimmer zur Seite hinter den zu Untersuchenden. Den Hohlspiegel hält man gegen den Supraorbitalrand des eignen Auges (Fig. 3), um ihm eine Stütze zu geben, und schaut nun durch die Öffnung des Spiegels in das Auge des Patienten, indem man den Spiegel so lange dreht und wendet, bis das reflektierte Lampenlicht das zu untersuchende Auge trifft. Hierauf hält man eine der beiden Konvexlinsen vor das Auge des Patienten und nähert oder entfernt sich von der Linse so weit mit dem eignen Auge, bis man das umgekehrte Bild der Netzhaut vor der Linse erblickt. Vgl. Helmholtz, Beschreibung eines Augenspiegels (Berl. 1851); Coccius, Über Anwendung des Augenspiegels (Leipz. 1853; Zander, Der A., seine Formen und sein Gebrauch (2. Aufl., das. 1862); Mauthner, Lehrbuch der Ophthalmo-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Augenspiegel von Helmholtz.]

^[Abb.: Fig. 2. Augenspiegel von Ruete.]

^[Abb.: Fig. 3. Augenspiegel von Liebreich.]