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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: August

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August (Sachsen-Polen).

wig, der kaum 13jährigen Tochter Joachim Ernsts von Anhalt. Aber schon 11. Febr. 1586 ward er in Moritzburg vom Schlage gerührt und starb in Dresden an demselben Tag. Vgl. Joh. Falke, Geschichte des Kurfürsten A. von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung (Leipz. 1868).

7) Friedrich A. I., Kurfürst von Sachsen, als König von Polen A. II. (während A. I. sonst Siegmund [s. d. 2] genannt wird), wegen seiner Körperkraft A. der Starke genannt, zweiter Sohn Johann Georgs III., Kurfürsten von Sachsen, und der dänischen Prinzessin Anna Sophia, geb. 12. Mai 1670 zu Dresden, machte nach längern Reisen 1689-91 den Krieg am Rhein gegen Frankreich mit, wo sein Vater mit dem Kurfürsten von Bayern die Reichsarmee kommandierte. Nach seines Vaters Tod 1691 begab sich A. nach Wien, wo er sich mit dem nachherigen Kaiser Joseph I. befreundete, der später seine Politik beeinflußte. Im J. 1693 vermählte er sich mit Christine Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Kulmbach, und 1694 gelangte er nach seines Bruders Johann Georg IV. Tod zur Kurwürde. Er trat der großen Allianz gegen Frankreich bei und befehligte ein kaiserliches Heer in Ungarn gegen die Türken, aber mit so wenig Geschick und Erfolg, daß er 1696 den Oberbefehl niederlegte. Seine Eitelkeit trieb ihn, nach Sobieskis Tod als Bewerber um den polnischen Thron aufzutreten und zu diesem Zweck 1. Juni 1697 in Baden bei Wien zur katholischen Kirche überzutreten. Zwar wählte die Majorität des polnischen Reichstags den Prinzen von Conti, indes die von Flemming bestochene Minorität proklamierte ihn dennoch als König, und A. ward 15. Sept. mit großer Pracht in Krakau gekrönt. Schweden und Frankreich aber erkannten A. nicht als König von Polen an. In Sachsen suchte A. trotz seiner feierlichen Erklärungen, daß sein Glaubenswechsel ein rein persönlicher sei und die Gewissensfreiheit nicht angetastet werden solle, den Katholizismus wieder zur Herrschaft zu bringen, was aber an der protestantischen Gesinnung der Bevölkerung scheiterte. Augusts Gemahlin Christine Eberhardine wies alle Bekehrungsversuche ab und zog sich nach Pretzsch bei Wittenberg zurück, wo sie 5. Sept. 1727 starb. Die unseligste Folge der Erwerbung Polens war Augusts Beteiligung an dem Nordischen Krieg im Bund mit Rußland und Dänemark. Trotz der Weigerung der Polen, an Schweden den Krieg zu erklären, schloß A. als Kurfürst von Sachsen 1699 mit Rußland ein Bündnis und fiel in Livland ein. Doch wurden seine Truppen 19. Juli 1702 bei Kliszow geschlagen und A. durch eine polnische General-Konföderation 14. Febr. 1704 des Throns entsetzt. Der Einbruch Karls XII. in Sachsen nötigte ihn, 24. Sept. 1706 im Frieden von Altranstädt auf die polnische Krone zu verzichten und Patkul auszuliefern. Trotz des unglücklichen Ausgangs dieses Kriegs, welcher Sachsen einen Verlust von 80,000 Menschen und 90 Mill. Thlr. zufügte, stürzte sich A. dennoch in neue, weitaussehende Unternehmungen. Er schickte dem Kaiser 9000 Mann unter Schulenburg nach den Niederlanden zu Hilfe (1708), nahm selbst als Volontär unter dem Prinzen Eugen an der Eroberung von Lille teil und dachte, während Karl XII. in Rußland kämpfte, an die Wiedergewinnung der polnischen Krone. Er verband sich zu diesem Zweck mit dem dänischen König Friedrich IV. und erließ auf die Nachricht von Karls Niederlage bei Poltawa (8. Juni 1709) ein Manifest (8. Aug. 1709), worin er die Erneuerung des Kriegs zu rechtfertigen suchte, zugleich aber versicherte, die deutschen Provinzen Schwedens nicht beunruhigen zu wollen. Den Gegnern in Polen wurden drei Monate Frist gewährt. Der Papst sprach A. von seinem Eid los und entband die Polen von ihrem Stanislaus Leszczynski geschwornen Eide der Treue. Am 5. Okt. 1709 zog A. in Thorn ein, wo er mit Peter d. Gr. eine Unterredung hatte; dann ging er nach Marienburg, um sich mit dem König von Preußen zu verständigen. Karls XII. Weigerung, das zwischen Joseph I. und den Seemächten (31. März 1710) geschlossene Haager Konzert anzuerkennen, dehnte den Krieg auch auf Schwedens deutsche Länder aus. A. griff mit 20,000 Sachsen, Russen und Polen Pommern an und belagerte mit den Dänen Stralsund, mußte sich jedoch 1712 vor General Steenbock nach Mecklenburg zurückziehen. Stettin wurde 30. Sept. 1713 von den Sachsen und Russen erobert. Der brandenburgische Sequestrationsvertrag zu Schwedt (6. Okt. 1714) schien die Ruhe in Norddeutschland wiederhergestellt zu haben, und A. glaubte sich schon sicher im Besitz Polens, als 22. Nov. 1714 Karl XII. unerwartet zu Stralsund erschien und der Krieg wieder begann. Inzwischen hatte sich in Polen die Partei Stanislaus' sehr verstärkt und zu Tarnogrod eine neue Konföderation geschlossen, der sogar die Kronarmee beitrat, da man A. im begründeten Verdacht hatte, daß er nach einer absoluten Herrschaft in Polen strebe. Der nun in Polen ausbrechende Bürgerkrieg (Oktober 1715) wurde endlich dadurch beendet, daß A. 1717 versprach, in Polen nie mehr als 17,000 Mann Truppen zu halten, über welche überdies nicht er, sondern der Reichstag die Verfügung haben sollte. Mit Schweden wurde im Dezember 1719 zu Stockholm ein Waffenstillstand geschlossen, wonach beide Teile ihren Ansprüchen entsagten, den Frieden von Oliva bestätigten, Schweden A. als König von Polen anerkannte, wogegen Stanislaus den Königstitel fortführen und A. ihm 1 Mill. Thlr. zahlen sollte, endlich beide Teile zusammen der immer drohender anwachsenden russischen Macht Schranken setzen sollten; derselbe wurde erst nach zehn Jahren in einen förmlichen Frieden umgewandelt. Die innige Verbindung Augusts mit Österreich beunruhigte jedoch Rußland, und die Polen fürchteten, A. wolle den Thron in seinem Haus erblich machen. Wirklich knüpfte A. zu diesem Zweck mit allen Nachbarmächten Verhandlungen an; Österreich und Preußen bot er sogar eine Teilung Polens an. Um den Klerus zu gewinnen, ließ er den Jesuiten gegen die Dissidenten völlig freie Hand. A. mußte indes das Wahlrecht der Polen förmlich anerkennen; ja, 1732 verlangten sie vom Kaiser als Garanten der polnischen Verfassung zu ihrem Schutz kaiserliche Hilfsvölker. Ebenso mißlang Augusts Plan, seinem Sohn Moritz, dem Marschall von Sachsen, das Herzogtum Kurland zu verschaffen; er selbst mußte 1726 zu Grodno dessen einstimmig erfolgte Wahl vernichten und Moritz förmlich ächten. Die trotz solcher Demütigungen glänzende Stellung, die A. in den europäischen Verhältnissen einnahm, kostete Sachsen schwere Opfer. Dazu verschlangen Augusts Günstlinge und Mätressen, ein Flemming, Vitzthum, eine Aurora v. Königsmark, die Gräfin Esterle, die Türkin Fatime (Frau Spiegel), die Fürstin Lubomirska u. v. a., sowie deren Kinder (man hat A. 352 Kinder zugeschrieben, darunter den Grafen Moritz von Sachsen, den Chevalier Georg von Sachsen, den Grafen Rutowski, die Gräfin Orselska), ungeheure Summen. Wenn die Gräfin Cosel allein dem König